Mittwoch, 9. Mai 2018


Lamento der 50er oder warum 68

jeden Abend Geschrei, putzt die Zähne,
wascht den Hals, was für schmutzige
Fingernägel, danach nur noch
merkwürdigen Laute im Schlafzimmer nebenan

lautstarke Worte und Silben
beherrschten die Räume
die uns gestattet waren
steh, lauf, sitz gerade

schweig, sei still, mach hinne
trödel nicht, pack an, halt fest
gib her, iss auf, trink, schlaf jetzt
verdammt noch mal

das darf doch nicht wahr sein
womit Euch verdient, Respekt,
Respekt, waren das wirklich Worte,
Sätze, hörten wir oder schlugen sie
das in unser Fleisch, zwischen die Kniekehlen

schlugen oder sprachen sie
wovon, weshalb, woher diese Wut
dieser Hass, dieser völlige Verzicht
auf schöne Sätze, Laute, Musik,

stattdessen plärrend Wagner, Blasmusik
väterliche Furze und Rülpser beim Essen,
aber zu uns: schmatzt nicht
benehmt Euch beim Essen

sitzt gerade, seid still



Spiel der Kindertage

Aufgewachsen in den alten, vor kurzem
erst wiederhergestellten Häusern
spielten wir, ahnungslos
in ihren Schluchten, ihren Städten
warum die Bewohner so harte Worte
durch die Räume jagten
warum ihre Gesichter so versteinert,
ihre Hände so rot und rissig
unruhig auf den Tischen lagen
spielten wir dreimal Krieg und
fünfmal Indianer und Cowboys
schossen uns mit Platzpatronen
die Seelen frei während der Fußball
in Nachbarsgarten für uns in Gefangenschaft ging

spielten wir und lauschten
unseren eigenen kreischenden Stimmen
auf der Suche nach unserem Leben
zwischen Kohlgestank aus den Küchen
Seemannsliedern, Waschküchennebelschwaden
und Babygeschrei, wir Nachgeborenen,
die nicht wussten, was vorher war
und warum das Jetzt
nichts von uns wissen wollte,
nur Gehorsam, Leistung, Arbeit
schlugen wir uns frei, ahnungslos,
wie wichtig das noch für uns werden würde

Donnerstag, 2. November 2017


Verneutes von Peter Silie

 
*
Die Kraft der Worte nimmt ab
bei wachsender Lautstärke

*
auch der Wortmächtigste
wird ohnmächtig
durch Machtworte

*
Machtworte sind Schlachtworte
auf sie folgt nur Sprachlosigkeit


Freitag, 18. April 2014

Osterbotschaft



wo Licht
und Schatten
sich begegnen
wurde erneut geprüft
die Schöpfung

und für gut befunden
der Hölle zu entrinnen
so denn
der Mensch
es will

(c) bild +text jörn laue-weltring lingen 2014

Danksagung























Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir zu meinem 61ten gratuliert und so nette Worte hier gesendet haben.

Das hilft mir sehr und bestärkt mich ungemein .

Ein Wermutstropfen sind die Grüße von denen, die heute mir fehlen, weil sie heute nicht mehr bei uns sein können. Besonders die Stimme von Heiko Bauriedel fehlt mir.
Vor einem Jahr hatten wir noch Hoffnung, dass er den Kampf gegen den Krebs gewinnt.
Heiko hat mir sehr geholfen in dem letzten Jahr, mich bestärkt meinen Weg zu gehen, unermüdlich meine Hervorbringungen textlicher und bildlicher Art gelikt und kommentiert.
Er hat mich angeschrieben, echte Kommunikation hier betrieben. Ich vermisse ihn sehr und bin ihm unheimlich dankbar für das, was er für mich herumirrendem Schreiberling getan hat.
In diesem Sinne genieße ich es als großes Geschenk, wenn wir uns hier miteinander so austauschen und liken.
Ich danke Euch allen daher sehr für Eure Grüße! Danke! Mit lieben Grüßen Euer Jörn aus dem Emsland.

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014