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Dienstag, 28. Januar 2014

Einsatz Hölderlins




dämmert nun uns mild der Abend
mit seinen bleiern Nachtgedanken
auf der Zeiten Rappen irren Flug
über all den Lebensfeldern her

am Kreuz vorbei, Leidensmann
in wilder Nachtschatten Glanz
wie sie die Einsamkeit umranken
wohl uns, die wir noch Heimat haben

nicht der Flüchtenden täglich Fluch
in dünnen Zelten schlecht versorgt
ums Leben bangen, noch nicht
unserer Kinder Armut uns erhängt

setzen sich trotzdem Gedanken fest
den Schlaf zu treiben angstgefüllt
erahnen wir das große Schützenfest
die herbe Treibjagd kommt von uns

wächst aus unseren Lebensfeldern
auf der Zeiten Rappen irren Flug
mit seinen schwermetall Gedanken
dämmert uns wie kalt der Abend uns

wie nah auch uns das Leichentuch
zwischen reich bestückten Wänden
hören wir schwarz die Krähen schrein
wohl uns, die wir noch Heimat haben


im allerärgsten Schadensfalle uns

(c) bild + text jörn laue-weltring Lingen 2014
mit einem Zitat Hölderins "Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat"


Montag, 20. Januar 2014

Fahrt über Land


heute
mit dem Wagen
auf Landstraßen
durch Dörfer
matt schimmernde
Grünweiden
Ruhe gesucht
Frieden
Entspannung
neue Kraft
was hier so
am Feldrain liegt
bisweilen
um die Ecken biegt
Landschaftsglück
Heimatstücke
Wurzeln

Traktorentuckern
Juchzen meines Spiegelbildes
des Knaben
mit den kurzen Hosen
sein Treiben im Hühnerstall
Schweinsblasen zum Himmel fliegen
das Blut gehört der Wurst
die Schwarte knusprig gebraten
der Hintern versohlt
nach Missetaten
frage ich mich
immer noch
wie er das ohne Angst
getragen

der Kuss hinter der Scheune
neugieriges Tasten bei Besuch
in feuchtklammen Betten
Bilder deren Worte
nicht gesprochen wurden
Tabus ohne Hinweise
durch die Muttermilch
leibhaftig
in uns geworden
Scham kannten wir nicht

wer sich schämte
gehörte verdroschen
unsere Art Frieden
Ruhe und Glückseligkeit
als Messdiener
ungebrochen
der Herrgott verzeiht

gleitet mein Wagen
durch die Erinnerung
vorbei an den Kirchen
Gehöften
verloren der Frieden
Ruhe
Entspannung
zu viel erreicht
zu wenig
von dem
was die immer
schmurtzigen Hände
damals suchten
hemmungslos
ausprobierten
als wäre jeder Tag
nur für uns erfunden

endet die Fahrt
in der Dämmerung
Auto in der Garage
an der Fernbedienung
müde
entspannt
zufrieden
das was ich jetzt sehe
reicht
muss reichen
für den Rest
meines Lebens

unseren Kindern wächst
ein anderes Land
entgegen

(c) text + bild jörn laue-weltring lingen 2013

Mittwoch, 24. April 2013

Findling vor meiner Stadt

sitze auf meinem Findling
vor der Stadt meines Lebens
rieche den Rauch fühle ihre
Schatten tief in mir ihr Geläut

warte auf Zeichen auf Dich
das was uns hier festhält
dass Herz füllt die Zukunft
sicher erscheinen lässt

sitze ich hier auf meinem Findling
die Füße gebohrt in ihren Lehm
die Hände ausgestreckt
nach ihren Frühlingswirren

warte auf das Tönen der Fabriken
ihre hastigen Schritte bei dem Versuch
uns alle hier gut zu ernähren
das Leben zu ermöglichen

sitze ich hier auf meinem Findling
so geschaffene Häuser fest im Blick
Kinder Wege durch ihre Schulen
Radfahrstreifen und Diskotheken

frage mich nach Euroständen und
was bricht uns auch hier das Genick wo
die herausgefallen sind aus der Stadt
verbittert an mir vorüber ziehen

sitze ich hier auf meinem Findling
zähle unsere Jahre in ihr an Fingern ab
die Freunde die Erlebnisse was
sie insgesamt uns alles gebracht haben

stelle fest das Haben stelle fest
das Soll zufrieden hier auf dem Findling
nach so vielen Jahren in der Stadt
die uns willkommen geheißen hat

sitze ich hier auf meinem Findling
mit dem Blick auf ihre Silhouette
wo sich so viel verändert hat wie
in den meisten Städten wie im Land

hat sie unsere Kritik ertragen, davon
sich vieles wieder fand in ihren Taten
unsere Freundschaft brachte Anerkennung
ohne die man in keiner Stadt leben kann

sitze ich hier auf meinem Findling
allein und doch nicht alleine schon gar
nicht alleingelassen mit meinen Träumen
und der Sehnsucht auf ein Zuhause

mein Versuch von Heimat Vaterstadt