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Freitag, 4. April 2014

Marianne



Warum schreibe ich? Ich weiß es nicht – nicht so genau – habe die Frage nach dem Warum nie recht begriffen. Ich tue und tat es schon als kleines Kind. Ich wollte es, träumte davon, mal mehr hingetrieben, mal bedächtig herangetreten und es angesehen nach und vor neuen Schreibtaten.
Warum schreibe ich? Nun ja, vielleicht wegen Marianne, die eines Tages oben aus dem Hause ihrer Familie trat, das letzte Haus der Dorfstraße, das kleinste Haus, das Haus mit den meisten Schadstellen, wo der Wind bereits durchpfeift und die Streitereien und Schläge verrät, das erschrockene Winseln des Hundes und höllentonmäßige Fiepen der Katze auch.
Marianne mit jungen Jahren in Haar und Gesicht, auf den schmalen Beckenknochen und der von Fett und Fleisch noch verschonten Brust, Jahre 13 an der Zahl, frisch vollendet, wenig gepflegt, was kommt kann nur schöner werden, für Gestern ist ihr alles zu spät.
Sie ging, ja hüpfte wie so oft, froh dem Haus entkommen zu sein, für dieses Mal, kam so den Abhang hinunter ein kleines Stück, sah die Kirchtürme an der Kreuzung vor sich, irgendwo das Ziel ihres Ausfluges, sah hin oder auch nicht, beeilte sich oder auch nicht.
Der Wind, diese Bö im Gepäck, aus dem Hinterhalt, erst hinter feinstem Säuseln und leisem Klappern an den Schindeln des alten Fachwerks versteckt, dann einfach da, laut, heftig, stark, kam so über den Berg gebraust, packte Marianne, packte sie ganz, mit Leib und viel zu dünnem, viel zu durchscheinendem Flatterkleid, verschluckte die Schuhe, riss an den Haaren, trug sie schneller und höher davon, als es das neue Coupe des Brauereibesitzers hätte tun können, ein Jagdflieger vielleicht, einer von denen, die in der Nähe ihre Blindbomben mit ähnlich lautem Getöse zu Übungszwecken abwarfen.
Dennoch näherte sich ihr das Tal, sank sie tiefer, hing nach vorn übergebeugt wie ein Skispringer, ließ sich tragen, genoss das Luftpolster, sank und sank, unter ihr die Dorfstrasse, näher kommend die alte Kastanie, die Kreuz- und Dorfmittelpunkt zugleich war, Schattenspender für Generationen von Dörflern, auf deren Rundbank die Jugend am Abend saß, auf bessere Zeiten und Orte hoffend, sank so immer näher der Erde, bis ein Aufflammen der Bö sie packte und in die Krone der Kastanie warf, zu ihrem Glück so, dass sie auf einem kräftigem Ast zum Sitzen kam.
Dort überließ der Sturm sie ihrem Schicksal, schüttelte noch ein wenig die Äste und damit auch sie kräftig durch und verschwand wie er gekommen war. Schon bald weder zu hören, noch zu spüren.
Nachdem sich die Marianne auf ihrem Ast von Schreck und Flug benommen, etwas erholt hatte, betrachtete sie staunend den Himmel, der ihr auf so ungewöhnliche Art  und Weise näher gekommen war. Angst hatte sie keine, nur Gottvertrauen, noch mehr Vertrauen gab sie der Maria, wie die meisten Mädchen und Frauen im Dorf. Der Maria hinten rechts in der Ecke der klobigen Kirche gegenüber der Kastanie, dieser uralten Schnitzkunst, kindhoch, Farben verlierend neben dem Altarraum.
Da die Kastanie auf der Kreuzung stand, die seit kurzem zum Kreisverkehr geworden war um die Ampeln zu sparen, von deren Rotmännchen die wenigsten sich hatten aufhalten lassen, wurde Marianne schnell von Treckern, Fahrrädern und Autos umfahren,  Trecker, Fahrräder, Autos die sich nicht mehr in eine der abgehenden Alleen flüchteten, sondern immer weiter im Kreis fuhren, alls hätten sie ihren Weg verloren.
Aus dem „Kolonialwarenladen Hergans“ kamen Leute, aus der Kirche ein paar der ganz Alten, aus der Schule die zwei Lehrer mit ihren Schülern und alle sahen zu Marianne hoch, zu ihrem Ast, ihrem Haar, dass leicht wehte als wäre es Vorbote der Blätter, die hier sonst vom Wind zum Tänzchen gebeten wurden.
Die Männer feixten und schielten unter ihr Kleidchen, wo kein Unterhöschen ihren Blicken verwehrte was ihnen weder gehörte noch schicklich war.
Die Stimmen, gefüllt mit den Augenblicken von Mariannes kurzem Höhenflug mit Landung auf dem Baum, schwollen auf und ab, ohne dass Marianne auf sie hörte oder gar einzelne Worte verstand. Sie sah und spürte, zu ihrem Glück,  auch nicht die gierigen Blicke an ihren fast formlosen, dünnen Beinen entlang. Sie sah den Himmel, befand sich im Himmel, fühlte sich leicht und warm und die Stimmen um sie herum waren ihr wie Wolken, die sie einluden, auf ihnen weiter zu ziehen, dorthin, wo wohl die Engel wohnen, von Maria beaufsichtigt.
So ging es eine ganze Weile bis die Burschen das Feuerwehrauto herausbrachten, dessen Leiter ausfuhren und Marianne, trotz deren verzweifelter Gegenwehr, hinunter holten, weil sie um sich schlug und biss, unsanft auf die Erde fallen ließen, viel unsanfter als des Sturmes Bö es mit ihr getan.
Da saß sie nun, zwischen all den Beinen, bis der Pfarrer kam, ihre Hand ergriff und sie hochzog.
„Danke dem Herrn, mein Kind!“
„Und der Maria!“ hauchte Marianne.
„Ja, der wohl auch, denn Du musst wirklich starke Schutzengel heute bei Dir gehabt haben. Aber bevor Du in die Kirche gehst, gehe bitte nach Hause und ziehe Dich vollständig an. „
Ja, auch der Pfarrer hatte hingesehen wo er besser nicht hingesehen hätte, nutzte oft die Gelegenheiten für Einblicke, ohne aber je dafür einer Person Gewalt an zu tun, nahm nur mit, was sich ergab, das aber konsequent, wenn auch heimlich.
Marianne nun, die hörte ihn, nickte, obwohl sie ihn nicht verstand.
Sie rannte nach Hause, zog sich einen Mantel über, obwohl es ihr warm war, rannte so wieder hinunter, wo noch immer viele Leute standen, nur die Männer, da es für die nichts mehr zusehen gab, nicht das, was sie im Stillen immer noch genossen, hatten sich verzogen.
Marianne ging durch die Menschen hindurch, die sie zu berühren versuchten, „so ein Glück“ murmelten oder „fast wie’n Heilige“, ging in die Kirche, wo der Pfarrer die kleinen Kerzen vor der Maria auffüllte, da gewiss jetzt viele hineinkämen und sie anzünden wollten, um so auch an dem Wunder der Marianne teil zu haben. Sie ging zur Maria, warf eine Mark in die hölzerne Spendenbox an der Wand, nahm wie dadurch gestattet zwei Kerzen und zündete sie auf dem schwarzen Eisenständer an, der einen Rosenstock symbolisieren sollte.
Der Pfarrer nickte ihr aufmunternd zu und stellte sich neben ihr beim Beten. Er war sicher, dass sie jetzt mit Unterhose bewaffnet war, auch wenn ihm die Wahrscheinlichkeit, dass sie bald wieder solch schamlosen Blicken ausgesetzt sein könnte, recht unwahrscheinlich vorkam.
Und bald schon waren alle Leute von der Kreuzung in die Kirche gekommen und dem Pfarrer fiel ein, was ihm noch nie eingefallen war. Er ging zum Altar und begann eine Messe, eine Messe für Marianne und ihr Wunder. Alle ließen es sich gefallen, gingen zu ihren Plätzen, sangen, hörten, sprachen, sangen, wie sie es gelernt hatten seit ewigen Zeiten in dieser Kirche, die einst mehr Burg und Schutz vor Überfällen war als Gotteshaus.
Und Marianne bekam kaum mit, hätte es wohl nicht glauben mögen, dass diese Messe ihr galt. Marianne betete und sang, wusste hinterher kaum wie sie zurück in ihr Heim gekommen war, wie alles wieder normal zu weden begann, die stimmen verschwanden, „Mariannes Wunder“ verblasste, mit ihm Ehrfurcht, respekt und Toleranz, wusste nicht, dass es ihr größter Tag gewesen sein sollte, einziger ohne Sorgen, dem Himmel nah wie nie, dass sie noch 60 Jahre später an den Krankenhausapparaten gebunden, dem Tode nah, daran denken sollte, wie zuvor in vielen schweren Stunden, die das Leben in seiner bisweilen echt hartherzigen und ungerechten Weise in Fülle ihr aufgetragen hatte. Unbeeindruckt hielt sie auch in den letzten Augenblicken ihres Daseins den Rosenkranz in ihren Händen, überzeugt davon, dass all ihr Beten ihr geholfen, Maria sie wunderbar getragen und gerettet habe. Die würde, so sah sie das Geschehnis als ihr Zeichen, gewiss alles angenehm für die Marianne im Himmel vorbereiten. Warum sonst hatte sie schon einmal dem so nah sein dürfen?
Aber auch für das Dorf geschah lange nichts mehr, was sich so erzählen ließe. Kriege und Herrscher kamen, trieben ihren Wahnsinn und verschwanden, wie auch alte Häuser und Betriebe verschwanden und neue kamen. Und als Marianne starb, war kaum noch einer Bauer, die meisten Familien fortgezogen oder kurz vor dem Aussterben.
Nur die Kirche und die Kastanie erinnerten mit gleichem Antlitz an die Zeit als Marianne auf den Baum flog.

Ja, vielleicht schreibe ich deswegen, wegen Mariannes einzigem Moment, der himmelsgleich ihr war und all denen, die so anders von den Stürmen der Zeit davon getragen werden. Und nicht alle landen so weich, wie die Marianne. Ja, weil sie nie darüber schreiben werden, nur die anderen sich die Münder wetzen, manche mit gierigem Blick, lüsterner Zunge über den Lippen. Ja, ich glaube, auch deswegen schreibe ich, dass auch die anderen Geschichten erzählt werden, die, die nicht ganz so lustig sind und wie der Barde Troubadix in den Asterixcomics ferngehalten werden, wenn es in den Gaststätten hoch und das Erzählen losgeht.

(c) bild + text jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Mittwoch, 2. April 2014

Wieder da!



Da bin ich wieder! Seid alle herzlichst gegrüßt und vielen Dank für die Nachfragen und guten Wünsche. In den nächsten Tagen gibt es hier meine "Mitbringe" aus der Reha zu sehen und zu lesen. Viel Vergnügen dabei wünscht Euch Euer Jörn

Donnerstag, 6. Februar 2014

Feuerwerk d’amour





treibt Amour
ihr Feuerwerk
in blühend Rosa uns die Welt
küsse ich verspielt Dein Ohr
wächst so meine Liebe
aus jedem Wort empor:

plaisir d‘amour

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Donnerstag, 30. Januar 2014

Liebesschmaus



auf der Trauminsel
guten Weines
bleibt auch
Kurzgebratenes
auf der Terrasse
unter Sternen
in dauerhafter
Erinnerung

wie ich Dich liebe
die Straßen
die zu Dir hinführen
das Omelette
Kräuter aus
unserem Garten
eingehaucht
die Kirschen in
die Walnuss
auf gesüßtem Quark

flambiert
verschwiegen
kleine Schlängelpfade
der Gaumen Lust
purer Phantasie
in Deinen Armen
an Deinem Mund
der Brüste Rund

stoße ich mich
stets aufs Neue
liebend gern gesund
und munter im
Liebesschmaus
fern ab unserer
alten Kochbücher
und -sendungen
dieser Trampelpfade
alteingesessener
Spaßverderber

liebe ich Dich
im sanften Nachgang
all unserer ein-
geschworenen
Zutaten auf
der Trauminsel
eines letzten Glases
unseres Weinberges
zwischen Herd und
Alltagsmühen

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014


Freitag, 10. Januar 2014

Wenn ich deine Töne


wenn ich Deine Laute höre
ist das die herrlichste Musik
die ich mir am liebsten gönne

mehr als jedes Livekonzert
ja, auch von allen denen
deren Musik wir beide lieben

unvergleichlich schön und tief
dringen deine warmen Töne
in mein müdes Herz hinein

dringen mir in schwache Glieder
treiben munteres Lachen
in mein gefurchtetes Gesicht

befreien meinen stockend Atem
machen meine verkrustet Brust
zum erneut Erleben wieder frei

sinke ich durch sie darnieder
finde ich am dunklen Abend schon
ein strahlend schönes Morgenlicht

(c) bild c. weltring + text j. laue-weltring lingen 2014

Sonntag, 22. Dezember 2013

Herzel unterm Tannenbaum



möcht‘ mit Dir kein Hühnchen rupfen
nur genüßlich Deine Löckchen zupfen
zum Abend koche ich uns Zuckerbrei
aus Schelmenglück und Liebelei

pack Dir’s heiß untern Tannebaum
verglitzer schlaberdibabb den Raum
lass uns nicht länger anneschaun
zur rechten Zeit uns die Herzl klaun

(c) bild + text jörn laue-weltring, lingen 2013

Samstag, 21. Dezember 2013

Bittere Nacht, einsame Nacht


Bittere Nacht, einsame Nacht
alles horcht, jeder wacht
in der Herren goldener Zeit
bringen Völkern großes Leid
ist wenig Rettung nah
ist wenig Rettung nah

bittere Nacht, einsame Nacht
Kriege sind aufgewacht
Bruder und Bruder tod im Streit
im heißen Feuer von Gier und Neid
ist kaum Hoffnung noch da
ist kaum Hoffnung noch da

stille Nacht, heilige Nacht
für den nur, der reich erwacht
für die Armen die Almosenzeit
sind sie grade noch spendenbereit
ist Christ auch lang nicht mehr da
ist Christ auch lang nicht mehr da

grausame Nacht, höllische Nacht
doch haben wir uns aufgemacht
Frieden und Freiheit wir spielen dies Lied
Hunger und Elend wir singen euch mit
wie einst Hirten statt zu fliehen
morgenweise zum Stall hinziehen

(c) bild + text jörn laue-weltring, lingen 2013

Sonntag, 8. Dezember 2013

Träume im Schein der Kerze

Still ich träume mich
Dich und eine Hoffnung
nach Frieden nach Gerechtigkeit
die um uns und sich greift

träume uns an Deiner Hand
als Sieger die Verlierer
in ihrer Liebe bergen
verbessern, was zu bessern

träume ich mich und Dich
zu Tagen, die niemanden
ihr Leben rauben oder
an sie Leid verschenken

träume ich uns still
im Schein der Kerze
auf grünem Kranze
in diesen Advent

(c) bild + text jörn laue-weltring, lingen 2013

Dienstag, 3. Dezember 2013

Ankunftsbegründung


einst war‘s ein Stall, der ihnen diente
als fies das Pech aus Herbergen griente
heute finden wir auch die nur schwer
selbst die Ställe gibt niemand mehr her

wo Ochs und Esel heut‘ Unterschlupf finden
sie kein Heil und Rettung mehr verkünden
drum musst‘ sein Sohn so früh erscheinen
wollt in einem Stall er mit ihm uns vereinen

Samstag, 23. November 2013

S’wär schäd


Heut‘ hab ich’s gemuckelt
voller Freud sanft gegrät

geschrumpt, verslichen
zu was einem’s so rät

alles hurt eingetuffelt
geschnibbelt, verbrät

dass Du kannst kommen
bitt‘ schän, nur nicht zu spät

weil, ja, fänd ich halt bläd
wo ich’s doch so schön für uns

gemuckelt, s’wär schäd

Donnerstag, 7. November 2013

Im Zollhäuschen


in der Grenzstation
dem Zollhäuschen
verblichener Zeiten
in Abwesenheit
deiner Eltern
hatten wir uns aufgemacht
uns selber zu erleben
Brust und Beugen
Arme Beine
Scham und Schwanz
was sich uns so bot
in den grauen Laken
beginnender
Waschmaschinenzeit

draußen, zwei Häuser weiter
die Opernsängerin nicht
für uns singend
Tonleiter übend
ihre Brust zu weiten
ihre Atemkraft
zu stärken
waren wir ihr überlegen
dank der Liebe fähig
ihr nerviges Brünsten
mit unserem Keuchen
lustgefüllt
zu übertönen

in der Grenzstation
verblichener Zeiten
hatten wir uns
wirklich geliebt
wie nur die Jugend
den Augenblick
als Ewigkeit
zu lieben vermag
hatten wir uns 
zärtlich wild vorgetraut

uns dennoch
zu verlieren
durch die Zeit
ihre Hintertriebenheit
ihre Schlangengruben
verpackten wir das Leid
unserer Trennung schnell
in neue Liebesbändel
Entdeckerreisen
unserer Finger Glieder
sanken wir hernieder
und auch nicht

bleibt uns
in des Alters Begegnung
beim nun mehr
gesittetem Plausch
in Deinem Hobbygarten
diese Grenzstation
dem Zollhäuschen
verblichener Zeiten
Deinem Elternhaus
für immer
der Liebe
jüngstes und fröhlichstes
Treiben
längst zerschlissener
Hoffnung Antlitz
als unserer beider
Gewissheit Pfand
richtig und völlig
geliebt zu haben
fern vom Verstand

nahe beim Herzen

Dienstag, 5. November 2013

Zu großes Ego

Gedicht nach einer 5- Wortvorgabe von Birgit Burkey:
Ego, Gunst, Splitter, laufen, tausend
  
ach
wie mein Ego
mir raubt deine Gunst
nur noch Splitter
unserer Liebe
laufen
rund
nach tausend
vergeblichen
Streicheleinheiten


Novembers Augenblicke


wahnwitzige Augenblicke
in nebelstarker Morgenröte
der Tau
sein funkelndes Meer aus Eiskristallen
unter wildem Wolkenspiel
verstreut scheu gewordener Sonnentöne
feingliedrig glitzernde Strahlen

am Horizont vor kohlschwarzen Ästen
im Ackerland
auf Weidenland
glitschigem Grund
der rasch verkühlende November
auf den Straßen spiegelblank

lässt kein Abschied
mehr länger
auf sich warten
legen wir
aus alter Vorsicht
Steine auf Stein
denn
wer jetzt hier wandert
vertritt sich die Sorgen
wer kein zu Hause mehr findet
vergeblich weiter sucht

entrosten lieber eifrig
zukunftsverbunden wir
unsere hohen Zäune
schneiden die Hecken
überlassen milde gestimmt
sanft faulende Laubhaufen
Igeln und Insekten
am Rande der Gärten
als warmes Versteck

eilen hastiger wir als sonst
zwischen festes Mauerwerk
die Fenster
dicht geschlossen
entspannt und froh
erst im Kerzenschein

warme Kleidung
genug im Schrank
die Abrechnung der Heizkosten
nicht vor dem Frühling zu erwarten
schrecken uns nur die kalten Betten
in des Abends klammer Feuchtigkeit



Sonntag, 3. November 2013

Herbstes Allerseelen






















nun ist es an der Zeit mir
mit den herbstlichen Wolken
zu wandern gleich fröhlichen
Gesellen auf festlichem Ball

den schelmischen Augenblicken
zu folgen ihren Sonnenstrahlen
mitten hindurch der Blätter
unerschöpfliche Farbenpracht

die Ernte zu prüfen mit der Nase
die frisch gepflügte Ackerkrume
stiller zu genießen als sonst
dass wir leben an solchen Tagen

Kerzen zu zünden den Tee
zu servieren mit frischem Gebäck
genießen des Herbst Wunderstunden

Körbe zu flechten, den Blätterkranz
den toten Seelen als Blumengebinde
zu legen auf ihr uns erwartendes Grab


© bild + text jörn laue-weltring lingen 2013

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Liebesgöttin


was konnte ich dir schon sein
außer die
von unserer Zeit ramponierten
Scherben
zu Deinem Glück
ein stets arg wackeliges
Klettergerüst

nimmst Du
mich dessen
ungeachtet in den Arm
als wäre ich doch
nun nach den vielen Jahren
immer noch erst recht
Dein Märchenprinz

Küsse ich Dir
drum freudig bewegt die
hoheitliche Hand
meine Liebesgöttin

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Waldgeschenke



oh Wald, kein Gedanke
scheint mir Dir gleich
kein kühner Malerstrich
so hohe Kunst erreicht

lustige Blattgesellen mich
wundersam umfächeln
mit ihrem Farbgewimmel
Reh und Pilze decken

kein Symphoniekonzert
mir hier Ersatz sein kann
glitzernde Geborgenheit
über mächtigen Stämmen

oh Wald, Dir verdanke ich
mein Leben, meine Freude
der Liebe schönstes Glück
uns auf Moos verschenkt

Montag, 28. Oktober 2013

Licht und Schatten






aus
Peter Silies
Morgenlade:




immer nur dem Licht
nie dem Schatten
sich entgegen strecken

die Schatten
holen uns stets
von alleine ein

das Licht
will genossen sein
auch wenn es uns
mit seinen Schatten bewirft

(c) bild philipp werltring + text jörn laue-weltring lingen 2013

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Herbstdepression



es krabbeln
des Regens
kalte Tropfen
mir ins Genick
über mir hasten
die bleichen
dämmervollen
Schattenriesen
auf der Flucht
vor greller Sichel
eines Mondes

schließe ich
meine Augen
müde ob des
was war was nicht
vollbracht
was
noch kommt aus
verlorener Schlacht

bette ich mich
ganz dicht
an Deinem Leib
zur kahlen Nacht
froh dem Morgen
bald gegenüber
zu stehen
ausgeruht
mit frischer Kraft
träume ich mich fort
mit Dir
an ferner Horizonte Strände
in unseren
geheimen Fluchten
dieses Meer täglich
neu zu erkunden

noch
ist unser Schiff
nicht völlig
leck geschlagen


Video: Süß bist Du Geliebte



(c) all rights reserved by jörn laue-weltring lingen 2013

Süß bist Du Geliebte


süß bist Du Geliebte
dein Haar auf nackter Haut
im Sonnenschein
dies Leuchten Dein
  
süß bist Du Geliebte
wo sich wie ein Kelch
Deine Schenkel öffnen
reich an Ambrosia

süß bist Du Geliebte
wenn Du zerfällst
in Deines Leibes
zarte Liebeswellen

süß bist Du Geliebte
wie Du sanft nachbebst
bei der Rückkehr
aus unserem Rausch

süß bist Du Geliebte
wie Du neben mir
Rücken an Bauch
still einschläfst

süß bist Du Geliebte
mir in jeder Stunde
die uns das Leben
so zusammen hält