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Mittwoch, 16. April 2014

Düngerfolgen


es fault und stirbt der Thymian
weil zu ihm falscher Dünger kam

da lacht sich schlapp Basilikum
bracht ihn danach der Dünger um

da seufzte die Zitronenmelisse tief
was ist das hier bloß für’n Mief?

können die nicht sterben wie wir auch
angenehm für die Nase und den Bauch

doch kaum geseufzt sank auch sie dahin
oh mein Himmel, wo ist da noch ein Sinn

Reim Dich oder ich fress Dich























manche gut gebauten lockeren Reime
sind gefährlicher als andere Keime
des Lasters leichtsinniger Anfang
bisweilen auch ein Leben lang

da schüttelt es die Worte
wenn sie sich reimen soll‘n auf Torte
oder auf den nächsten Quark
als wäre der im Geiste stark

denn manche Reime
sind eigentlich keine
nur meines Triebes toller Beginn
vermiss im Reim ich nur den Sinn

find nur meines Lasters Anfang
meines ganzen kurzen Lebens lang
drum kriegst Du hier jetzt zum Schluss
meinen fix gereimten Stolperkuss

von des Reimens müden Reimedichter
der nicht werden mag sein eigen Richter
über seine blass verreimten Tage
in denen er sich festgereimt, was‘ne Plage

kaum noch Worte findet er ohne Reim
blind vorwärts paddelt er in dem Schleim
ach, könnt ich Dich mehr als das vermissen
ohne schlechten Reim Dich küssen

ich wäre ein geheilter Mann
der außer Reimen auch was anderes kann

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

nicht jeden Tag


aus
Peter Silies
Vierzeilerbox:

Manchmal flutscht es
Dann wieder hakt des

aber wenn ich aus dem Fenster seh‘
liegt auch da nicht jeden Tag Schnee

Freitag, 11. April 2014

Feurareio













Brandschutzhauben
im Diskretionsabstand
Feuerlöschgerätetag
sprühwarm
der dunkle Rauchvorhang
Feurariotanz

wer zuerst kommt
fackelt nicht lange
die Letzten beißen
die Wunden
die Krüge
brunnennah
unheilbar nah
gesprungen

Feurario
die Sprengleranlage
tausend Düsen
und mehr
Wasser, am
Sammelplatz
alarmerprobt
Brandschutzhauben

Feurario

(c) zeichnung + text  jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Freitag, 4. April 2014

Familienbanden Anno Kautabak























ich hatte auch mal ne Tante
die jeden Tag mit mir rannte
und einen Onkel hatte ich mal
der machte aus allem ein Skandal
ein Opa wusch mir stets die Ohren
der andere schickte mich zu den Toren
eine der Cousinen zwickte mich
eine andere kam mir liederlich

ein Cousin wollte mit mir verreisen
ein anderer flog mit mir und den Meisen
ein Bruder schlug mich fürchterlich
ein anderer stets vergaß er mich
ein Vater hat mir alles nachgemessen
ein anderer 10 Jahre ohne mich gesessen
eine Mutter gab mir Brot mit Marmelade
einer anderen war ich für alles zu schade

so zog ich hin und zog daher
fiel vieles mir im Leben schwer
und vieles leicht wie Schaumgebäck
erfüllte alles bei mir seinen Zweck
ein Kuckuckskind im Rabennest
ein Flatterkind fürs bunte Lebensfest
ein Runnig Gag in illustren Runden
hat ein jeder was an mir gefunden

ja, auch hatte ich diese Schwester
bei der war ich ihr Bester
und auch ein junger Kaplan
hatte mit mir manch guten Plan
ein Lehrer schenkte mir seine guten Noten
schlug mir niemals nicht die Pfoten
ich durfte auch mal inne Kirche rein
da sollte ich sogar Vorsänger sein

egal, was solls, ihr hört es schon
mal gibt’s was, mal auch keinen Lohn
es lebt sich leicht mit Fremdgefieder
drum sing ich bass so munter Lieder
über Familienbanden Anno Kautabak
ist auch ab ihr Lack, ja, ab der Lack

(c) zeichnung + text jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Donnerstag, 30. Januar 2014

Kerngedanken


aus
Peter Silies
Stimmungslade:

Kerngedanken, Kerngehäuse,
Kernenergie, Kernschmelze,
mir alles zu kernig,
lieber knuddel ich

mit Pudels Kern

Samstag, 25. Januar 2014

Lyrischer Schmerz


Ach, klagt der Lyriker mal wieder
womit noch stimm ich meine Lieder
als mit der Klage Weh und Ach
läge sonst mein Weltschmerz brach

pure Freude zu verkünden, Lust
wurde mir meist arg verdrusst
wollen sie doch stets nur schwelgen
in meinen abgefahrenen Felgen

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Donnerstag, 23. Januar 2014

Der Ungefähr


ich liebe sehr das Ungefähr
komme gern mit ihm daher

liebe auch den Konjunktiv
gleite oft mit ihm ganz tief

sanft vorbei an Kanten, Ecken
nie um mich so zu verstecken

weil‘s ruhiger ist, angenehm
mit der Wahrheit umzugehn

könnt ich gerne, würde ich
im vielleicht nie anstößig

liebe ich so das Ungefähre
als wenns meine Insel wäre

nur für Dich da gilt das nicht
konjunktivisch Herzen bricht

nicht ungefähr, dafür ganz liev
einfach ja und ohne Konjunktiv

ja, liev ich Dich, nur Dich
so wie Du ja auch lievst mich

und auch all die anderen
die mit uns gerne wanderen

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Mittwoch, 22. Januar 2014

Web 2.0


aus
Peter Silies
Grummellade

buck-faiss
auf-ge-twittert

ab-ge-äppt

ferne Wünsche








aus
Peter Silies
Beziehungskiste



als er sie
von Ferne sah
kam sie ihm
gleich unheimlich
irre nah

dass er sie
in der Nähe
heute bisweilen
lieber mal
öfter auch

von Ferne sähe

Sonntag, 22. Dezember 2013

Herzel unterm Tannenbaum



möcht‘ mit Dir kein Hühnchen rupfen
nur genüßlich Deine Löckchen zupfen
zum Abend koche ich uns Zuckerbrei
aus Schelmenglück und Liebelei

pack Dir’s heiß untern Tannebaum
verglitzer schlaberdibabb den Raum
lass uns nicht länger anneschaun
zur rechten Zeit uns die Herzl klaun

(c) bild + text jörn laue-weltring, lingen 2013

Montag, 9. Dezember 2013

Alkohol

aus
Peter Silies
Ernüchterungslade:

entgegen
hier im Land
häufiger
Gepflogenheiten
ist mit
Alkohol
weniger
zu spaßen
als man trinkt

Dienstag, 3. Dezember 2013

Ankunftsbegründung


einst war‘s ein Stall, der ihnen diente
als fies das Pech aus Herbergen griente
heute finden wir auch die nur schwer
selbst die Ställe gibt niemand mehr her

wo Ochs und Esel heut‘ Unterschlupf finden
sie kein Heil und Rettung mehr verkünden
drum musst‘ sein Sohn so früh erscheinen
wollt in einem Stall er mit ihm uns vereinen

Mittwoch, 27. November 2013

Vom großen X zum großen U


„Worüber freust Du Dich so?“
„Bisher haben sie uns doch immer nur ein X für ein U vorgemacht…!“
„Ja. Und …?“
„Jetzt machen sie uns endlich mal ein U für ein X vor.“
„Und das ist so viel besser, dass Du Dich so freuen kannst?“
„Nein, vielleicht, aber auf jeden Fall ist es mal etwas Anderes.“
„Ein U für ein X?“
„Ja!“
„Statt ein X für ein U?“
„Ja!“
„Und sonst hast Du keine Sorgen?“
„Doch, aber wer hat die nicht. Jetzt bewegt sich immerhin etwas.“
„Vom X zum U?“
„Ja, ist doch besser als gar nichts.“
„Und morgen wieder vom U zum X?“
„Ja, wäre doch phantastisch!“
„Und zum A hin?“
„Warum nicht. Auch gut.“
„Und zum B auch?“
„Ja, warum nicht?“
„Vom A zum B, hm, dann müssten die ja vielleicht nach dem A auch mal B sagen…!“
„So viel erwarte ich gar nicht. A wäre schon gut. Ein Riesenschritt vom U weg und vom X.“
„Erleben wir wohl nicht mehr.“
„Nein, wahrscheinlich eher nicht.“
„Na dann, auf ein gutes X!“
„Ja, und auf ein gutes U!“

Samstag, 23. November 2013

Dada Di


Jija
Jaja
hey

Du Dada
Ich Didi
Neyney

Dida
Dadi
Play

Ich Papa
Du Mimi
Nienie

Dadi
Dida
Cray

Du Pipi
Ich Aa
Jaja

Dida
Dadi
day

Jaja
Jija
hey

S’wär schäd


Heut‘ hab ich’s gemuckelt
voller Freud sanft gegrät

geschrumpt, verslichen
zu was einem’s so rät

alles hurt eingetuffelt
geschnibbelt, verbrät

dass Du kannst kommen
bitt‘ schän, nur nicht zu spät

weil, ja, fänd ich halt bläd
wo ich’s doch so schön für uns

gemuckelt, s’wär schäd

Abgehobene Bodenhaftung








aus
Peter Silies
Tageseinsicht:



wer auf dem Tisch tanzt
hat nur bedingt

den Boden unter
den Füßen verloren

ist noch lange nicht
völlig abgehoben

während die auf dem Boden
nach festerem Grund suchen

den gedeckten Tisch meistens
vor lauter Beinen nicht sehen

schlaue Dauer


aus
Peter Silies
Tageseinsicht:

nur von Dauer
wird keiner schlauer
auf die Dauer

Freitag, 22. November 2013

Zahnlücken lächeln





Peter Silie
auf
seinen
Gesichtsausdruck
angesprochen:




"Jo moi, s'Lächeln is nich so‘s Problem -

nur wohin mit den vielen Zahnlücken?"

Donnerstag, 21. November 2013

Narren wie wir


hoffnungstolle Narren wir
Schmierenhände
reißen nieder
der Lügen Wände

löffeln Freiheit
mit vollem Munde
trotzen so
noch jeder Schunkelrunde

klaut ihr uns
das Leuchten der Sterne
verziehen wir uns
ab in die Ferne

glaubt bloß nicht
wir wären leicht zu fassen
als Eurer Vorbilder
bunte Sammeltassen

zärtliche Narren wie wir
Schmierenhände
gniggern besonders gerne
unvernünftig ohne Ende