Posts mit dem Label Satire werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Satire werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 16. April 2014

Düngerfolgen


es fault und stirbt der Thymian
weil zu ihm falscher Dünger kam

da lacht sich schlapp Basilikum
bracht ihn danach der Dünger um

da seufzte die Zitronenmelisse tief
was ist das hier bloß für’n Mief?

können die nicht sterben wie wir auch
angenehm für die Nase und den Bauch

doch kaum geseufzt sank auch sie dahin
oh mein Himmel, wo ist da noch ein Sinn

Freitag, 11. April 2014

Feurareio













Brandschutzhauben
im Diskretionsabstand
Feuerlöschgerätetag
sprühwarm
der dunkle Rauchvorhang
Feurariotanz

wer zuerst kommt
fackelt nicht lange
die Letzten beißen
die Wunden
die Krüge
brunnennah
unheilbar nah
gesprungen

Feurario
die Sprengleranlage
tausend Düsen
und mehr
Wasser, am
Sammelplatz
alarmerprobt
Brandschutzhauben

Feurario

(c) zeichnung + text  jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Freitag, 4. April 2014

Familienbanden Anno Kautabak























ich hatte auch mal ne Tante
die jeden Tag mit mir rannte
und einen Onkel hatte ich mal
der machte aus allem ein Skandal
ein Opa wusch mir stets die Ohren
der andere schickte mich zu den Toren
eine der Cousinen zwickte mich
eine andere kam mir liederlich

ein Cousin wollte mit mir verreisen
ein anderer flog mit mir und den Meisen
ein Bruder schlug mich fürchterlich
ein anderer stets vergaß er mich
ein Vater hat mir alles nachgemessen
ein anderer 10 Jahre ohne mich gesessen
eine Mutter gab mir Brot mit Marmelade
einer anderen war ich für alles zu schade

so zog ich hin und zog daher
fiel vieles mir im Leben schwer
und vieles leicht wie Schaumgebäck
erfüllte alles bei mir seinen Zweck
ein Kuckuckskind im Rabennest
ein Flatterkind fürs bunte Lebensfest
ein Runnig Gag in illustren Runden
hat ein jeder was an mir gefunden

ja, auch hatte ich diese Schwester
bei der war ich ihr Bester
und auch ein junger Kaplan
hatte mit mir manch guten Plan
ein Lehrer schenkte mir seine guten Noten
schlug mir niemals nicht die Pfoten
ich durfte auch mal inne Kirche rein
da sollte ich sogar Vorsänger sein

egal, was solls, ihr hört es schon
mal gibt’s was, mal auch keinen Lohn
es lebt sich leicht mit Fremdgefieder
drum sing ich bass so munter Lieder
über Familienbanden Anno Kautabak
ist auch ab ihr Lack, ja, ab der Lack

(c) zeichnung + text jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Mittwoch, 5. Februar 2014

Die Konferenz


Für die Korrespondenten ergab sich das für sie gewohnte Bild einer Konferenz in Afrika. Angeleiert von der UNO mit Vertretern der Weltwirtschaft, der Regierungen und Hilfsorganisationen, die einzeln mit dicken, schwarzen Limousinen vorfuhren, mal mit, mal ohne Frau, in die Kameras lächelten und rasch von den nachrückenden Fahrzeugen aus dem Bild gedrängt wurden.
Das Thema war das Thema wie seit Urzeiten aller Korrespondententätigkeiten über solche Konferenzen. Arm und Reich, Abgeben und Nehmen. Schwarz und Weiß. Inzwischen Weiß mit Gelb gemischt, da sich die Asiaten zu den reichen Weißen gesellt hatten.
„Hauptsache gutes Essen und Trinken,“ meinten die Korrespondenten.
Zwei Tage, das würde leicht zu überstehen sein.
Der Saal war zu ihrer Überraschung leer. Kein Tisch. Kein Stuhl. Und so standen alle mehr oder minder Würdenträger ratlos herum und erwarteten ein Signal, sich in einen anderen, vorbereiteten Raum zu begeben. Das geschah nicht.
Stattdessen kamen kaum bekleidete Afrikaner herein, abgemagert und mit Hungerbäuchen. Sie trugen alte Benzinfässer und große Tierknochen herein. Erschrocken wich man vor ihnen aus und sah fassungslos zu, wie diese ihre Mitbringe im Kreis aufstellten als Tisch- und Sitzgelegenheiten.
Als die ersten Gäste laut wurden und ihre Chargen zu sich riefen, den Sachverhalt auf zu klären, kamen weitere Leute, darunter diesmal auch Kinder in ähnlich erbärmlicher Verfassung mit offensichtlichen Speiseresten aus Hühnern, Schweinen und undefinierbaren anderen Ursprüngen.
Noch immer traute sich niemand, sich an dieser Art gedeckte „Tafel“ zu setzen.
Inzwischen raunte es unter ihnen, dass es sich wohl um ein Theaterstück handeln müsse, bestimmt wie meist aus ihren Spenden und Zuschüssen finanziert, weil der Kontinent ja neben Food auch Kultur dringend nötig hätte.
Schließlich kamen die vermeintlichen Schauspieler wieder, dieses Mal mit stark vom Tragen gezeichneter Kleidung, legten diese einzeln sorgfältig zusammen und verschnürten das Ergebnis mit Geschenkbändern. Auch Schuhe waren darunter, Mützen und Schals. An jedem Platz lag so am Ende ein Geschenk.
Während der ganzen Aktion gab es nur das noch das Raunen, verschämtes Flüstern. Die Afrikaner selber sagten kein Wort. Als sie sich endgültig entfernt hatten, herrschte eine Weile Schweigen. Alle waren gespannt, was nun folgen mochte.
Erst jetzt fiel ihnen auf, dass der offizielle Gastgeber, ein hochrangiger und allseits hoch gepriesener Staatschef eines der kleinen Länder hier noch nicht erschienen war. Er sollte den Vorsitz übernehmen auf der Konferenz im Auftrag der UNO.
Er betrat den Raum, als die Spannung kaum noch aus zu halten war und leichte Verärgerung spürbar wurde.
Er begrüßte alle Anwesenden in üblicher Manier und lud an die Tische, damit sie die Konferenz beginnen könnten.
„Ich denke, wir konnten Sie erfreuen und positiv überraschen. Wir haben uns erlaubt Sie mit dem willkommen zu heißen, was wir Ihnen wert sind und was Sie bereit waren bisher an uns ab zu geben aus Ihrem Reichtum. Und da es Ihnen das Beste scheint für uns, dachten wir, wäre es jetzt an uns, es ihnen mit gleichem Respekt wieder zu schenken. Ich hoffe, Sie sehen es als Zeichen unserer Dankbarkeit.“ Und dann setzte er sich.
Die Korrespondenten mussten stehen bleiben und sich nach der Eröffnung entfernen, worüber sie mehr als froh waren. Keiner kam auf die Idee, diesen ungewöhnlichen Beginn in die Heimat zu berichten. Stattdessen schrieben sie: „Ein weiteres Treffen, dessen Ausgang vorhersehbar war. Die Afrikaner fordern, die reiche Welt mauert. Im Ergebnis überflüssig.“


Dienstag, 4. Februar 2014

Der Fürsorgliche



Zum Tag des Krebses 

Es lebte in einer Neubausiedlung am Rande der Stadt ein Mann mittleren Alters. Den hatte seine Frau über alle Maßen lieb, denn er verwöhnte sie sehr. So machte er ihr vom ersten Tag ihrer Ehe an das Frühstück. Mittags sorgte er dafür, dass sie etwas Warmes zu Essen bekam. Deckte natürlich auch den Abendbrottisch und sorgte dafür, dass immer genug zum Knabbern für sie da war. 
Fuhren sie in den Urlaub, nahm er stets eine breite Palette an Süßigkeiten für sie mit. Und so überlebten sie manches Jahr.
Sie wurde dicker und dicker, er hingegen blieb schlank wie am ersten Tag. Sie quälte sich im Fitness-Studio während er mit seinen Kollegen in der Kneipe Bier zu sich nahm.
Als sie ihm immer öfter vorschlug, doch weniger fettes Fleisch, Wurst und Kalorienbomben auf zu decken, nickte er nur. „Natürlich gerne, mein Schatz.“
In der Regel hielt er sich eine Weile daran, schmuggelte aber immer wieder „Leckeres“ dazwischen, bis sie es aufgab anderes zu verlangen.
Auch küsste er sie stets überall und betonte immer wieder, dass er jedes Stück Körper an ihr liebe, egal wie viel es wäre.
Dann bekam sie Krebs und musste zur Chemotherapie.
Der Arzt fragte nach ihren Essgewohnheiten und gab ihr einen ganz anderen Essensplan. Da standen lauter ihr wenig vertraute Sachen drauf wie viel Obst und Gemüse, Nüsse, frisch gepresste Säfte, kein Fleisch, keine Wurst, wenig Käse, viel Fisch und so weiter, dass ihr allein bei dem Gedanken daran schlecht wurde.
Die Chemotherapie vertrug sie auch nicht gut und umso mehr sehnte sie sich nach den essbaren Verlockungen aus der Küche ihres Mannes.
Ende vom Nahrungslied: sie verstarb.
Am Tag ihrer Beerdigung ging ihr Mann nach Hause, kochte sich eine Broccolisuppe und studierte aufmerksam ihren Essensplan, der unbesehen über dem Küchenschrank hing.
„Jetzt fange ich von vorne an“, sagte er laut zu sich oder den Küchenmöbeln. „Die nächste Frau bringe ich anders um. Schneller vor allem, es ging doch arg lang.“ 

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Über-setzungen


in vielen
Dia-log-en kaum noch
„durch-sich-tige Worte“
dafür Mo-no-loge
"Selbst-ge-spräche"
in der Dia-lek-tik
"Kunst der
Unter-redung"
zur Unter-haltung
mu-tiert


Donnerstag, 30. Januar 2014

Kerngedanken


aus
Peter Silies
Stimmungslade:

Kerngedanken, Kerngehäuse,
Kernenergie, Kernschmelze,
mir alles zu kernig,
lieber knuddel ich

mit Pudels Kern

Samstag, 25. Januar 2014

Lyrischer Schmerz


Ach, klagt der Lyriker mal wieder
womit noch stimm ich meine Lieder
als mit der Klage Weh und Ach
läge sonst mein Weltschmerz brach

pure Freude zu verkünden, Lust
wurde mir meist arg verdrusst
wollen sie doch stets nur schwelgen
in meinen abgefahrenen Felgen

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Donnerstag, 23. Januar 2014

Der Ungefähr


ich liebe sehr das Ungefähr
komme gern mit ihm daher

liebe auch den Konjunktiv
gleite oft mit ihm ganz tief

sanft vorbei an Kanten, Ecken
nie um mich so zu verstecken

weil‘s ruhiger ist, angenehm
mit der Wahrheit umzugehn

könnt ich gerne, würde ich
im vielleicht nie anstößig

liebe ich so das Ungefähre
als wenns meine Insel wäre

nur für Dich da gilt das nicht
konjunktivisch Herzen bricht

nicht ungefähr, dafür ganz liev
einfach ja und ohne Konjunktiv

ja, liev ich Dich, nur Dich
so wie Du ja auch lievst mich

und auch all die anderen
die mit uns gerne wanderen

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Mittwoch, 22. Januar 2014

Arbeit auf Crash-Kurs

aus
Peter Silies
Arbeitswelt

ausgelernt
angelernt
ungelernt
eingestellt

zu Lohn
-dumpings
Crash-Kurs 



Web 2.0


aus
Peter Silies
Grummellade

buck-faiss
auf-ge-twittert

ab-ge-äppt

ferne Wünsche








aus
Peter Silies
Beziehungskiste



als er sie
von Ferne sah
kam sie ihm
gleich unheimlich
irre nah

dass er sie
in der Nähe
heute bisweilen
lieber mal
öfter auch

von Ferne sähe

Montag, 23. Dezember 2013

politischer Rund- und Werdegang


zum Wohle des Volkes
im Namen des Volkes
auf Kosten des Volkes
im Arsch des Volkes
zum Wohle ...
im ……..

(c) bild + text jörn laue-weltring, lingen 2013

Sonntag, 22. Dezember 2013

Herzel unterm Tannenbaum



möcht‘ mit Dir kein Hühnchen rupfen
nur genüßlich Deine Löckchen zupfen
zum Abend koche ich uns Zuckerbrei
aus Schelmenglück und Liebelei

pack Dir’s heiß untern Tannebaum
verglitzer schlaberdibabb den Raum
lass uns nicht länger anneschaun
zur rechten Zeit uns die Herzl klaun

(c) bild + text jörn laue-weltring, lingen 2013

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Drohnende Spiele

I. 
lasse uns mal wieder drohnen gehen
Du in mein Fenster, ich in Deines sehen
den Nachbarn jagen mit dem Gewehr
mit den neuen Drohnen fällt’s nicht schwer

lasse uns Postdrohnen Pakete abjagen
mit den Dingern lässt sich’s mutig wagen
bald schon jage ich Dich, jagst Du mich
das Drohnengemetzel wird gar fürchterlich

II. 
was kommt da an, umschwirrt mein Haupt
wer hat denen diesen Angriff nur erlaubt
jetzt packen sie mich, tragen mich durch Lüfte
ich rieche schon des großen Müllbergs Düfte

schmeißen sie mich zu all den anderen dort
werfen sie einfach uns, ihre Herren fort
wird so der Kostenfaktor Mensch abgeschafft
dank der Drohnen eigener Steuerkraft


Montag, 9. Dezember 2013

Alkohol

aus
Peter Silies
Ernüchterungslade:

entgegen
hier im Land
häufiger
Gepflogenheiten
ist mit
Alkohol
weniger
zu spaßen
als man trinkt

Freitag, 6. Dezember 2013

Größe, Große und Kleine









aus
Peter Silies
Grummellade:

sehr viel mehr Größe wäre im Land
täten sich die Kleinen mehr zusammen

tun sich die Großen zusammen
kommt nur Kleinholz dabei raus

Dienstag, 3. Dezember 2013

Ankunftsbegründung


einst war‘s ein Stall, der ihnen diente
als fies das Pech aus Herbergen griente
heute finden wir auch die nur schwer
selbst die Ställe gibt niemand mehr her

wo Ochs und Esel heut‘ Unterschlupf finden
sie kein Heil und Rettung mehr verkünden
drum musst‘ sein Sohn so früh erscheinen
wollt in einem Stall er mit ihm uns vereinen

Mittwoch, 27. November 2013

Vom großen X zum großen U


„Worüber freust Du Dich so?“
„Bisher haben sie uns doch immer nur ein X für ein U vorgemacht…!“
„Ja. Und …?“
„Jetzt machen sie uns endlich mal ein U für ein X vor.“
„Und das ist so viel besser, dass Du Dich so freuen kannst?“
„Nein, vielleicht, aber auf jeden Fall ist es mal etwas Anderes.“
„Ein U für ein X?“
„Ja!“
„Statt ein X für ein U?“
„Ja!“
„Und sonst hast Du keine Sorgen?“
„Doch, aber wer hat die nicht. Jetzt bewegt sich immerhin etwas.“
„Vom X zum U?“
„Ja, ist doch besser als gar nichts.“
„Und morgen wieder vom U zum X?“
„Ja, wäre doch phantastisch!“
„Und zum A hin?“
„Warum nicht. Auch gut.“
„Und zum B auch?“
„Ja, warum nicht?“
„Vom A zum B, hm, dann müssten die ja vielleicht nach dem A auch mal B sagen…!“
„So viel erwarte ich gar nicht. A wäre schon gut. Ein Riesenschritt vom U weg und vom X.“
„Erleben wir wohl nicht mehr.“
„Nein, wahrscheinlich eher nicht.“
„Na dann, auf ein gutes X!“
„Ja, und auf ein gutes U!“

Samstag, 23. November 2013

S’wär schäd


Heut‘ hab ich’s gemuckelt
voller Freud sanft gegrät

geschrumpt, verslichen
zu was einem’s so rät

alles hurt eingetuffelt
geschnibbelt, verbrät

dass Du kannst kommen
bitt‘ schän, nur nicht zu spät

weil, ja, fänd ich halt bläd
wo ich’s doch so schön für uns

gemuckelt, s’wär schäd