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Donnerstag, 28. November 2013

Unsere Steinzeit


unter dem großen Fels
über dem kantigen Stein
da funkeln matt die Sterne

ziehen zum Mond
unsere Gedanken
still verhakt

im vorbeiziehenden Tag
den Himmel uns
hier gefunden

ruhen wir aus
an diesem Stein
aus uraltem Meer

zu uns erhoben
gebrochen vom Fels
wie unsere Liebe

dereinst vor Jahren
aus unserem Ozean
einsamer Stunden

uns erschienen
uns nun Stein und Fels
in heftiger Brandung

wie die Sterne jede Nacht
es neu erzählen
genießen wir

den sanft zu uns
ansteigenden Abend
unserer Steinzeit

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Herbstdepression



es krabbeln
des Regens
kalte Tropfen
mir ins Genick
über mir hasten
die bleichen
dämmervollen
Schattenriesen
auf der Flucht
vor greller Sichel
eines Mondes

schließe ich
meine Augen
müde ob des
was war was nicht
vollbracht
was
noch kommt aus
verlorener Schlacht

bette ich mich
ganz dicht
an Deinem Leib
zur kahlen Nacht
froh dem Morgen
bald gegenüber
zu stehen
ausgeruht
mit frischer Kraft
träume ich mich fort
mit Dir
an ferner Horizonte Strände
in unseren
geheimen Fluchten
dieses Meer täglich
neu zu erkunden

noch
ist unser Schiff
nicht völlig
leck geschlagen


Mittwoch, 2. Oktober 2013

Tiefe im Meer und Teich







aus
Peter Silies
Grummellade:


wem es nicht gelingt
im Meer zu schwimmen
dem seien die Teiche
und Seen empfohlen

häufig verfügen
auch die über eine
gehörige Tiefe

Sonntag, 8. September 2013

Die Meister des Herbstes



der große Dirigent begann leise
seine Musik des Wassers an den Seen
ließ dann die Flüsse schneller werden
aus kleinen Glitzerhügeln ein wogendes Gebirge
langsam sich hoch wühlen das Meer
erst nur die Blätter rascheln dann
gewaltiger schlagen die Äste der Bäume
die Seen an ihre Uferpromenaden trommeln
die Flüsse ihre Wellen über die Brücken
das Meer mit Schaum über die Dünen
streichen, immer mehr, bis die Dächer der Häuser
wie Beckenklang auf die Straßen prallten
Stämme knackten, barsten, brachen, Mauerecken
erst priffen, dann heulten, Ziegel irrwitzig im Takt dazu
hüpften, Glas knirschte, dann klirrte im Parallelklang
zum Scheppern der Bleche und zerschellendem Porzellan
die Symphonie endlich alle Geräusche einsammelte und
zusammenband, die ihr Komponist zu Wasser und zu Lande
finden konnte und mit sich gerissen hatte, die Zuhörer
erschrecken und vor Angst erstarren ließen
da sogar die Sonne mit dem Mond
zu tanzen schien, eine schwerblütige Dunkelheit
über alles herfiel

bis er dann aber
kleinere Töne, mehr Dur als Moll
hinein zauberte mitten in das größte Getöse
Stampfen und Krachen, wie das Flüstern
der Mäuse auf den Dachböden und ihre
Trippelschritte im Heu, dazu langsam erste
ganz feine Sonnenstrahlen wie Seidenfäden
in der nachtgleichen Schwärze wie Edelsteine
funkelnd, das neues Licht erschien
die Fäden stärker wurden, goldenen Armbändern gleich
auch die Wellen sich streckten, sanfter anschlugen
Äste sich nur noch leicht berührten, Dächer
langsam sich zur Ruhe schaukelten, auf den Seen
ein sanftes Kräuseln nur noch ihre silbernen Tücher
humorvoll glucksend das Meer, so es
das Land kaum noch hörbar verließ, sich verbarg
im Teppich mit tanzenden Kronen aus Schaum
während die Besucher dieses Konzertes
tief durchatmeten, sich ansahen
froh, noch einmal lebend
davon gekommen zu sein
sich in warme Kleidung hüllten
draußen den Rest des Tages zu besehen

später meinten sie nur: „Die Aufräumarbeiten
haben länger gedauert als das ganze Konzert.“
So ist es eben hier seit Urzeiten, der Kunst
fällt es schwer, Gefallen bei den Leuten zu finden
aber vielleicht nimmt sie einfach
auch zu wenig Rücksicht

Donnerstag, 27. Juni 2013

Strandumtriebe



Sie gehen zu zweit. Kein Mensch außer ihnen da am Strand. Nur jede Menge Fußabdrücke. Sie gehen langsam, fast behutsam, als könne der Sand unter ihnen Schaden nehmen von ihren Schritten. Ein Mann. Eine Frau. Nur das Meer vor ihnen kann ihre Augen sehen. Ein großes Meer, der Ozean.
Sie bleiben vor der Gischt der Wellen stehen. Er legt seinen Arm um ihre Schulter, sie ihren Arm um seine Hüfte. Ihre Köpfe ruhen an ihren Schultern.
Je länger sie so dastehen, umso mehr schwanken sie hin und her, als treibe der Wind mit ihnen sein Spiel.
Ihre Köpfe schauen dabei unbewegt auf das Meer in Richtung Horizont, wo nur der Mond noch auf dem Wasser sein silbernes Lächeln verstreicht.
Dann beginnen sie sich zu drehen, heben mehr und schneller die Beine, tanzen in die Gischt hinein, in das Wasser, tanzen bis nur noch ihre Oberschenkel frei vom Wasser sind.
Schließlich drehen sie sich mit einem heftigen Ruck um, rennen zum Strand, die Dünen hinauf, verschwinden im fahlen Dämmerschein beginnender Nacht.
Unten kommen die Wellen näher und näher, erste schlagen an den Dünen an. Der Wind wird stärker und stärker. Es ist, als wolle das Meer zu dem Paar, wolle nicht ohne sie sein.
Hinter einer Düne packt ein Mann im dunklen Mantel sein Fernrohr ein.
Er geht mit gesenkten Schultern zu einem hinter Bäumen verborgenen Wagen, steigt ein.
Da erheben sich weit von ihm entfernt lautlos zwei Schatten und folgen ihm mit einigem Abstand, stark nach vorne gebeugt, noch in den Knien geduckte Schatten, verharren dann bis er wegfährt, sein Wagen leicht hustend hinter einer Kurve verschwindet,
in gekrümmter Haltung, richten sich langsam auf, der Rechte führt einen Arm zu seinem auftauchenden Kopf, eine Hand bildet sich, ein rechteckiger kleiner Schatten verschwindet mit der Hand hinter dem Kopf, eine Stimme flattert bruchstückhaft Vokale über die Dünen. Dann geschieht nichts mehr.
Die Schatten wirken aufgerichtet wie zwei Schießbudenständer, bewegungslos. Plötzlich ertönen in der Ferne Geräusche wie quietschende Reifen und das Knallen von heftig zugeschlagenen Autotüren. Danach ist es wieder still. Die Schatten bewegen sich in entgegengesetzter Richtung bis auch sie eins werden mit der Dunkelheit.
Dem Mond bleibt nur, den Rest zu beleuchten, wie das Wasser langsam ermattet, für Momente zu ruhen scheint auf dem Strand und dann allmählich in kleinen Prielen sich zum Ozean zurück begibt.
Kurz darauf, als hätte das Wasser sie angezogen und zurückgeholt, taucht erst der Mann, dann die Frau wieder zwischen den Dünen auf. Nicht mehr Hand in Hand oder Kopf an Kopf, jetzt weit voneinander entfernt, gehen sie rasch zu der Stelle, wo der Mann mit dem Fernglas gelegen hatte. Die Frau bückt sich, geht in die Hocke, zeigt auf etwas. Der Mann scheint mit ihr zu reden, jedenfalls kommen Sätze über die Dünen.
„Auf dieser Welt ist man wohl nirgendwo mehr wirklich allein. Was ist noch das, was es scheint und wer weiß noch wirklich was geschieht?“
„Mit uns?“
„Mit uns allen!“


Montag, 15. April 2013

Meeresrauschen



an mir perlt das Meer
ab
bricht der Stock der Zeit

aus den Tiefen allen Schmerzes
der Gezeiten
burlesker Jahrmarktchor

verspielt an dünigen Ufern
verschnauft im Gesträuch
ob Ebbe ob Flut in alle Ewigkeit

über den Wassern getragen wohin
warum auch
immer nur vorwärts im Gepäck

Tsunami geschwängert
das Tosen der Stürme
vergebliche Schreie der Opfer

an mir perlt das Meer
ab
bricht der Stock der Zeit