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Sonntag, 26. Januar 2014

Herbstgedanken im Winter


decke mich
noch nicht zu
geb keine Ruh
Blätter lass fallen
im Farbentief
unseres Herbstes
ist genug Zukunft
im Kaffeesatz
für das was uns
im Frühling
auf erblüht
schüttel das Bett
frisch auf
Bewegung lebt
wo wir bewegt 
uns bewegen

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Dienstag, 10. Dezember 2013

Herbst im Dezember




ach was ist es hier nun dunkel
alles nur noch Matsch und kalt
aus Straßenlicht‘s Regengefunkel
droht uns Herbstes düstere Gestalt

schon wir weichen arg beklommen
dorthin wo eigenes Feuer scheint
harren der Tage die uns kommen
in denen nur das Glück uns weint

die bunten Farben fortgezogen
der bunten Blätter musizier‘n gefloh‘n
Freud und Lust nur noch verlogen
pfeift nun des Winters kalter Ton

da strahlen Augen vor den Kerzen
tun Kinder uns ihr Wünschen kund
beginnen auch wir erneut zu scherzen
brennen sie doch auf grünem Grund

entspannen unsere müden Glieder
die Angst verbannt ins Schattenreich
singen dem Advent wir alte Lieder 
genießen Liebe warm und weich

ach Advent, altgewordene Märchenzeit
voll der Träume die man Sehnsucht nennt
nutzen wir dein‘ jährliche Gelegenheit
bis am Baum die erste Kerze uns brennt

das alte Jahr sich von uns schleicht
mit schalen Worten hohlen Blicken
neu uns das Jahr als Feuerwerk erreicht
wir dank Advent froher vorwärts blicken

(c) bild + text jörn laue-weltring, lingen 2013

Samstag, 30. November 2013

Wartend auf Advent



wie die Wolken verdüstern
den Wald, schweigen wir
in der Erwartung des Windes

der Äste Knacken, der Stämme
Stöhnen kündigen ihn an
erwacht uns das Geraschel

aus dem kleine Schiffchen
kunterbunt zu Boden gleiten
was morsch ist herunterfällt

uns vor die fliehenden Füße
auf dem Heimweg, den Tee
auf zu gießen, Kerzen zu zünden

zu lauschen seinem munteren Spiel
rund um unsere Hütte mit allem
was nicht niet- und nagelfest

hocken wir beisammen froh
dieses Jahr bekommen zu haben
diesen Herbst, wartend auf Advent

geschmückt mit Waldgeschenken 
grünen Zweigen, braunen Tannenzapfen
mit kräftiger Sehnsucht Verlangen

nach Ruhe und Frieden, uns und überall

Freitag, 22. November 2013

auf den Kopf


aus
Peter Silies
Tageseinsicht:

umhüllt uns heute hier
mit Macht des Himmels Grau

kann er uns wenigstens
nicht auf den Kopf fallen

Hundstage


heute hier nur das Grau
zwischen den Häusern
die Beete belegt
mit Frost

traut sich
nur der Hund mit mir
bis zum Laternenpfahl
in dessen Lichtkegel
wir beide vergebens
auf der Suche
nach Artgenossen
mit ihnen gemeinsam 
unseren Himmel
ein wenig zu lüften

zieht uns dafür
dessen Grau
mit Macht zurück
in die warme Stube
legt sich dort
sofort auf das Sofa
schnallt uns fest
an diesen Novembermorgen
düst nur der Hund
von seiner Leine am Garderobehaken
befreit um unsere Beine
noch nicht begraben

hier
noch lange nicht

Freitag, 15. November 2013

Zum Leben gern bereit



wo meine vielen Worte bleiben
mit dem bunten Laub verweht
wie meine Lippen schweigen
wenn dies Jahr vorübergeht

wir dieses Schweigen lispeln
sobald einer von uns schläft
wie unsere Körper kräftig zittern
ist es wohl noch nicht zu spät

klopfen wir doch knochenstark
an die Seelenfenster dieser Nacht
reichen uns im Schlaf die Wärme
am Morgen frisch davon erwacht

für der Tage Miesepetrigkeiten
schaufeln wir uns die Wege frei
vom Gestern lassen wir uns leiten
genug der Liebe für uns dabei

wo unsere vielen Worte bleiben
wie buntes Laub davon getragen
unsere Lippen düster schweigen
die Augen trotzdem „Ja“ uns sagen

sind zum Leben so wir weiterhin bereit
egal in welcher und was für einer Zeit

Dienstag, 5. November 2013

Novembers Augenblicke


wahnwitzige Augenblicke
in nebelstarker Morgenröte
der Tau
sein funkelndes Meer aus Eiskristallen
unter wildem Wolkenspiel
verstreut scheu gewordener Sonnentöne
feingliedrig glitzernde Strahlen

am Horizont vor kohlschwarzen Ästen
im Ackerland
auf Weidenland
glitschigem Grund
der rasch verkühlende November
auf den Straßen spiegelblank

lässt kein Abschied
mehr länger
auf sich warten
legen wir
aus alter Vorsicht
Steine auf Stein
denn
wer jetzt hier wandert
vertritt sich die Sorgen
wer kein zu Hause mehr findet
vergeblich weiter sucht

entrosten lieber eifrig
zukunftsverbunden wir
unsere hohen Zäune
schneiden die Hecken
überlassen milde gestimmt
sanft faulende Laubhaufen
Igeln und Insekten
am Rande der Gärten
als warmes Versteck

eilen hastiger wir als sonst
zwischen festes Mauerwerk
die Fenster
dicht geschlossen
entspannt und froh
erst im Kerzenschein

warme Kleidung
genug im Schrank
die Abrechnung der Heizkosten
nicht vor dem Frühling zu erwarten
schrecken uns nur die kalten Betten
in des Abends klammer Feuchtigkeit



Montag, 4. November 2013

der Krähen Herbst






aus
Peter Silies
Grummellade:




auf frisch gepflügter Ackererde
findet auch eine große Schar
an Krähen genug für sich
den Herbst zu überwintern

nur wir Menschen hier
nörgeln über das Wetter
verwünschen die Jahreszeit
finden so selten am rechten Ort
was wir warum auch immer suchen

Sonntag, 3. November 2013

Herbstes Allerseelen






















nun ist es an der Zeit mir
mit den herbstlichen Wolken
zu wandern gleich fröhlichen
Gesellen auf festlichem Ball

den schelmischen Augenblicken
zu folgen ihren Sonnenstrahlen
mitten hindurch der Blätter
unerschöpfliche Farbenpracht

die Ernte zu prüfen mit der Nase
die frisch gepflügte Ackerkrume
stiller zu genießen als sonst
dass wir leben an solchen Tagen

Kerzen zu zünden den Tee
zu servieren mit frischem Gebäck
genießen des Herbst Wunderstunden

Körbe zu flechten, den Blätterkranz
den toten Seelen als Blumengebinde
zu legen auf ihr uns erwartendes Grab


© bild + text jörn laue-weltring lingen 2013

Nach dem Herbststurm



die Stadt verhagelt
Straßen voll mit kleinen Seen
glitzernd in der kalten Sonne
darin der Wolken Spiegelbild

betreten wir den Tag
erschöpft vom Toben
des Sturmes in der Nacht
seinen gewaltigen Pranken
an Fenstern und Türen
von seinem krachledernen Orchester
unsere Ohren taub
vom ängstlichen Horchen danach
zählen besorgt wir
die Äste im Garten
fegen das Laub
zu leuchtendem Haufen
als hätte diese Nacht
Edelsteine zu uns gebracht
in allen Farben des Lebens

Ist es uns
als wären wir wieder
nur knapp davongekommen
müde Überlebende
einer fürchterlichen Schlacht
dabei leuchten uns
die letzten Rosen
von der Wand mit ihrer Kraft
lächeln die stolzen Sonnenblumen
gelb strahlende Riesen
auf ihrem Feld
unbeirrt vor sich her
als hätte dieser Herbst
für sie niemals genug Kraft
sie zu brechen

schmilzen die Hagelkörner
zu kleinen Tautropfen
unter unseren Schritten
während uns die Sonne lacht
küssen wir uns aufgeregt
wie nach einer Liebesnacht
beim unserem Aufbruch
in diesen Novembertag
nach dem großen Sturm




(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2013

Dienstag, 29. Oktober 2013

Das dritte Buch























im alten Wald nun
am steilen Abhang
brechen die Äste
fliegen die Blätter
begleitet vom Knirschen
und Seufzen der Stämme

darüber die Wolken
den müden Augen
dunkel geformte
Sagengestalten
auf ihrem wilden Ritt
durch frierende Herzen

hat der Himmel
sein drittes Buch
uns aufgeschlagen
lernen wir mühsam
diese Herbsttage
buchstabengetreu

wendig vor zu tragen
im lauten Orkangebrüll
gezerrt durch die Gassen
aufs Kopfsteinpflaster
geschlagen ausgerutscht
auf blutbeflecktem Laub

den Kopf oben zu halten
die steifen Knochen
nackt kaum noch gelingt
einander zu wärmen
zwischen den Wolken
der Sonne Strahlen zu finden

bis im vierten Buch
der Schnee erscheint
uns einzukuscheln
der Lichterschein der Kerzen
gleich uns voll
der Hoffnung tanzt

mit den Schatten
an unseren Wänden
bevor wir auf
der Kälte Eiskristalle
sanftmütig geworden
bereit nun uns legen

zum großen Abschied hin

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Herbstdepression



es krabbeln
des Regens
kalte Tropfen
mir ins Genick
über mir hasten
die bleichen
dämmervollen
Schattenriesen
auf der Flucht
vor greller Sichel
eines Mondes

schließe ich
meine Augen
müde ob des
was war was nicht
vollbracht
was
noch kommt aus
verlorener Schlacht

bette ich mich
ganz dicht
an Deinem Leib
zur kahlen Nacht
froh dem Morgen
bald gegenüber
zu stehen
ausgeruht
mit frischer Kraft
träume ich mich fort
mit Dir
an ferner Horizonte Strände
in unseren
geheimen Fluchten
dieses Meer täglich
neu zu erkunden

noch
ist unser Schiff
nicht völlig
leck geschlagen


Dienstag, 22. Oktober 2013

Böen im Nebelrausch


Herbstböen schlagen auf nassen Asphalt züngeln
um die Ecken der müden Gassen Alterssteinzeit
durchforsten uns auf dem Weg ins gefrorene Neonlicht
unter dem kaltlächelnden Mond halbversteckt

hinter seinen Dämmerwolken ein Flugzeug gelenkt
über das versiegelte Land durchkreuzt von Autobahnen
mancher nun vergeblich um Verlorenes stiller weint

horchen wir nur noch hastig ob ein Plan sich erfüllt
ein Sterben uns neue Grabsteine aufzwingt horchen
und reden wir uns warm entkommen den Nebeln knapp

vielleicht bis Morgen in dieser Stadt gotischer Turmhoheit


Mein goldener Oktober























wenn über den Dächern
die letzten Wolken fliehen
der neue Tag
vor meiner Tür
sein Laub hin fächert
vom großen Ahorn
die Roten
von den Eichen und Platanen
die Gelbgrünen
und das leuchtende Gelb
der Birken
zum Himmel scheint
im friedlichen
Wettstreit mit der Sonne
weiß ich mich willkommen
im leisen Freudenfest
eines goldenen Oktobers
tanze unbeschwert los
mit seinem Wind
auf leuchtender Erde
wie damals als Kind
ich die Kastanien
mit mir nahm
Hände und Herz
meiner Mutter
zu erwärmen

© bild + text jörn laue-weltring lingen 2013

Video: Licht des Herbstes


Freitag, 18. Oktober 2013

Video: Drachenzeit



Aus: "zuhören nicht zu lesen" verlyrickte Wanderungen

Bisweilen 
geht es dabei nicht 
ohne Wiederholung 
dank 
netter Unterbrechung.

(c) all rights reserved by jörn laue-weltring lingen 2013

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Lasst den Sommer ziehen

















Herbst

Nun lass den Sommer gehen,
Lass Sturm und Winde wehen.
Bleibt diese Rose mein,
Wie könnt ich traurig sein?


Joseph von Eichendorff

Lasst den Sommer ziehen

auch die schönste Sommerzeit
muss einmal ruhen
für des Herbstes
schönes Kleid
bis auch der der
Landschaft ihre Ruh verschafft
für des Winters prächtiges Gewand

so lasst ihn ziehen
den Sommer jetzt
gebt Ruh, sammelt
seine Früchte in deren Süße
noch seine Hitze Eure Zungen kitzelt
wie sein Aroma Eure Nasen

ja, wendet Euch dem Ernten zu
lasst Sturm und Regen Ihr Werk
verrichten nun
für ein neues Auferblühen
unter des nächsten Frühlings Rock

das dürft ihr dann sehen
das könnt ihr dann sehen
wen ihr nicht gar zu sehr
dann hinterm Ofen hockt

der Sommer, ja, war schön
aber er hat uns noch viel Schöneres
eingebrockt zum Staunen und
zum Weiterziehen

seht die Rose an dem Stock
sie will im nächsten Jahr uns größer noch
und gewaltiger erblühen, dafür aber lasst
jetzt den Sommer ziehen

(c) bild + text "lasst den Sommer ziehen" jörn laue-weltring lingen 2013