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Freitag, 11. April 2014

Glas blutrot























Kleine Blutstropfen
Glas im Kerzenlicht

wie lange
warte ich

bis mein Herz
die Brust durchbricht

auf Lungenflügeln
grabsteinfest ins Gräberparadies

Blutstropfen der Liebe
auf weißem Porzellan serviert

Du siehst es nicht
nur das Schimmern

letztes Aufflackern
vorm Kerzenlicht

(c) bild + text jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Mittwoch, 2. April 2014

Reha Bad Wildungen 2014




in „Charlys alter Hut“
Kellerkneipe
an der Brunnenallee
der „Rambla“ im Waldecker Ländle
auf der einst Zar Alexander
sich sein Heilwasser mitnahm
ins ferne Russland

nehme ich nun Abschied
im Abendlicht vieler Straßenlichter:

I.
hier fanden meine Füße
schöne Pfade
für meine müden Augen
fiel hier mein Schritt
Tritt auf Tritt
mit Stöckern und ohne
langsam zurück
in den Gänsegang
alter Flaneure

kam die Zeit zu mir
als Freund vergangener Tage

II.
hier hat mir einer
die Brust aufgeschnitten
Eiter und Schmerz
aus ihr entfernt
haben harte Wasserstrahlen
sanft meine Starrheit gelöst
im verspannten Rücken
meiner Lunge das Atmen
neu entfacht in tiefen, langen Zügen
so dem Herz den Takt zurück gefunden

hier haben die Tage
nicht mit mir Würfel gespielt

III.
hier habe ich den Pinsel geschwungen
lustvoll Farben verteilt, Striche gezogen
mit Blei und schwarzer Kreide
habe den Speckstein geschnitzt
aus rotem Ton Gestalten wachsen lassen
ging so fort von mir
endlich bei mir anzukommen
trank Dunkel Alt
Rotwein trocken
saugte der Kühle Luft
mir bis in die Muskeln und Knochen
kann, ja darf jetzt heim
wieder
meinen Namen buchstabieren
ihn in den Lebensstrand einritzen

ohne Panikattacken
Schluckauf und Gestotter

IV.
habe es hier geschafft
kann nun diesen Ort verlassen
in meine eigenen Orte gehen
da der mich hier
nicht

als Verlierer davon kommen ließ

(c) bild + text jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Samstag, 8. Februar 2014

My Goodby for a while

Liebe FB- und Google-Freunde und alle, die es auch mit Interesse lesen oder gar Wohlgefallen:

Die Zeit, die „man“ mir gab und ich mir dafür nahm ist nach knapp über einem Jahr nun vorbei. Ab 18. Februar beginnen 5 Wochen Reha, danach Wochen der Rückkehr in den Arbeitsprozess, so ist es zumindest geplant.

Ich wollte während meiner Abstinenz aus Arbeit und Stress endlich mal wieder etwas tun, was ich schon immer gerne tat und wollte: schreiben, einfach so, ohne Ziel und Hausbaupläne.
Dies sollte, wenn möglich, ein Jahr umfassen. Und so ist es denn auch mir und Euch, verzeiht, geschehen.
Die Texte sind in der Regel alle am Tag, zumeist am Morgen ihres Erscheinens geschrieben, also echte FB-Notizen von meinen Tagen mit dem „gelben Schein“ und in keinster Weise von mir für einen Druck präpariert oder aufgehübscht.
Einfache literarische Momentaufnahmen, mal modern, mal antiquiert, nie ohne Fehl und Tadel, also unkorrigiert, meist völlig unorganisiert, zuerst für mich und dann, ja doch, auch Euch, insofern es interessiert und ihr Gefallen daran finden mochtet.
Auch die Bilder, alle vom Handy und ohne aufwendiges Bildprogramm bearbeitet, sollten Momentaufnahmen und Schnappschüsse bleiben, verspielte „Hingucker“ vor allem.

Dieses Projekt ist, auch innerlich, nun abgeschlossen. Mal sehen, zu was mich die Reha treibt. Vielleicht melde ich mich, vielleicht auch nicht. Vielleicht gibt es ein Tagebuch oder hin und wieder ein Euch, manchem sattsam, bekannten Textanflug. Mal sehen. Auf jeden Fall werde ich wohl wieder auftauchen. Wie auch immer.
Wer bis dahin etwas von mir lesen will, kann dies gerne auf meinem Blog tun. Dort lässt sich stöbern unter knapp über tausend Texteinfällen. Ja, Ihr Armen, die Ihr das lesen musstet, wolltet, soviel sind es geworden, auch dank Eurer Anregungen.

Bleibt mir gewogen, oder auch nicht, vor allem aber dem Frieden, der Kultur und der Toleranz. Ich habe immer gehofft, wir könnten unseren Kindern bei unserem Abgang eine für Mensch, Natur und Tier bessere Welt übergeben. Ich hoffe immer noch.
Lasst uns weiter bei Rassismus, soziale Ausgrenzung und Ausbeutung so wie Umweltzerstörung dagegen halten. Es gab ja Erfolge. Wir können uns an diese halten und sie ausbauen.

Ich danke Euch nun für viele gute Worte, interessante Dialoge, Schmeicheleien und Trost, wo ich ihn brauchte.
Ich danke regelrecht lobpreisend für hervorragende Geschichten und Gedichte, denn noch nie zuvor habe ich so viel und so gut gelesen.
Ich danke auch sehr für viele Anregungen und Tipps.
Und drücke nun zum Abschied (vorläufig, na klar) in Gedanken ganz fest die, die mir wahre Freunde hier geworden. (Ich möchte hier nicht Eure Namen nennen um andere nicht zurück zu drängen)
Allen, deren Geburtstage ich nun nicht mehr verfolgen kann, wünsche ich ein gutes Erreichen und Gelingen dieses Ereignisses und muntere weitere Jahre.

Möge das Leben mit Euch sanft und nicht zu arg umgehen.
Bleibet Euch und uns munter, kritisch liebend erhalten wünscht auf diese, seine Weise und sich jetzt bis auf weiteres verkrümelnd ganz leise der Jörn, der kulturelle Rumtreiber aus dem schönen Lingen.

(Natürlich auch im Namen von Peter Silie, der von meinem Schritt nicht sehr entzückt ist.)

Sonntag, 24. November 2013

Still alive


In Deines
letzten Schattengruß
sehen tränenschwer
meine Augen
unsere Tür
zufallen
meinen Tag
davon eilen
mit Dir

unsere Jahre nicht mehr
die wir noch
hätten fliegen können
über der Welt
beider Poole
von den Niagarafällen
bis zum Mond
durch das Sternenmeer

bis zu den Quellen
unseres Taifuns
auf allen Bühnen
unseres Lebens
ist das Klacken jetzt
beim Zufallen der Tür
nur noch bitterer Hohn
unseren Klängen
im gemeinsamen Spiel
rien ne va plus

Non, je
ne regrette rien
auf dem Plattenteller
weht der Hauch
Deines Schattens
an mir vorüber
einsamer Stern ich
der nur noch
meinen Namen trägt
an einem Firmament
ohne Dich

mais, je ne
regrette rien
i’m looking
to your shadows
on our painted walls
still alive
waiting for your
comeback

Dienstag, 29. Oktober 2013

Das dritte Buch























im alten Wald nun
am steilen Abhang
brechen die Äste
fliegen die Blätter
begleitet vom Knirschen
und Seufzen der Stämme

darüber die Wolken
den müden Augen
dunkel geformte
Sagengestalten
auf ihrem wilden Ritt
durch frierende Herzen

hat der Himmel
sein drittes Buch
uns aufgeschlagen
lernen wir mühsam
diese Herbsttage
buchstabengetreu

wendig vor zu tragen
im lauten Orkangebrüll
gezerrt durch die Gassen
aufs Kopfsteinpflaster
geschlagen ausgerutscht
auf blutbeflecktem Laub

den Kopf oben zu halten
die steifen Knochen
nackt kaum noch gelingt
einander zu wärmen
zwischen den Wolken
der Sonne Strahlen zu finden

bis im vierten Buch
der Schnee erscheint
uns einzukuscheln
der Lichterschein der Kerzen
gleich uns voll
der Hoffnung tanzt

mit den Schatten
an unseren Wänden
bevor wir auf
der Kälte Eiskristalle
sanftmütig geworden
bereit nun uns legen

zum großen Abschied hin

Sonntag, 22. September 2013

In der Zwischenzeit





in den hohen Bäumen der grauen Straßenendlichkeit
da wartet auf unsere Trauer das herbstliche Treiben
strahlen noch die Steine der Mauern, in der Zwischenzeit
trocknet auf den Balkonen das letzte Sommerkleid

erdröhnt zum Ausklang in der Ferne das Altstadtfest
gebe ich Dir die scharfe Schere, schneidest du die Rosen
den Kindern unsere großen Körbe, denn das Obst fällt
was für den Sommer war, verschwindet im Herbst im Keller

lass uns genießen in trauter Nachbarschaft die Plätze
hier auf den Straßen verweilen ein letztes Mal im Jahr
danach uns die Mauern, bereits winterfest, umschließen
erwarten dort gewärmt wir die Lichter im Weihnachtsfest

jetzt aber, zwischen nicht mehr und noch lange nicht
die Erinnerungen an unbeschwerte Sonnentage sich krallen
in unseren Bewegungen fest, während wir ahnungsbeladen
fliehenden Vogelschwärmen unsere Sehnsucht verraten

manch einem fällt jetzt das Sterben leicht, oder erwischt es
bei Regen, Nebel und glitschigem Straßenbelag, gefährlich
nun die Kurven, des Sommers rasende Geschwindigkeit
erzählen uns frische Gräber und Beete vom traurigen Rest

dabei warten Äpfel und Pflaumen auf ihren lockeren Teig
wie Kerzen und Backöfen bereit, den Duft zu verströmen
ein zu läuten unseres Landes viel gerühmte Gemütlichkeit
warten auf uns entspannte Stunden in bunter Herbstlichkeit

© Bild und Text: Jörn Laue-Weltring, Lingen 2013

Sonntag, 8. September 2013

Jahreszeitenwechsel



während dicke Regentropfen
stürmisch
an unsere Fenster
klopfen
verdampft sich
der Sommer
im Morgennebel
auf glänzenden Straßen
prahlen zum Abschied
laut die Vögel
auf den Stromdrähten
eine riesige Vollversammlung
für ihren Abflug nach Süden
ertönen noch gewaltiger
die Gewitter in den Wolken
den Herbst zu wecken
bereiten zaghaft noch
und zitternd
die Bäume
sein Farbenfest vor
bleibt uns jetzt das Haus
viel Zeit zum Warten

wer jetzt bleibt
hat gute Gründe
wer jetzt aber flieht
kommt nirgendwo mehr an

Donnerstag, 5. September 2013

Kleiner Dank an große Flieger



Ja, wir können uns nicht wiedersehen
Ihr Hummeln, Fliegen, Wespen, Bienen
aber Eure Kinder werde ich gerne
wieder begrüßen in unserem Garten

wie sie auf den Blüten sitzen
herum surren und flitzen
ihre kleinen Flügel blitzen

ja, was wären sie hier die Blüten
die farbgewaltigen Sommer-
Frühlings- und Herbstverkünder
ohne Euer fleißiges Stibitzen

wie sie auf den Blüten sitzen
herum surren und flitzen
Eure kleinen Flügel blitzen

schenke ich Euch zum Abschied
diese Zeilen, mein Verweilen
zwischen Eurem Abschiedsflug
habt Dank, freue mich schon

wie sie wieder auf den Blüten sitzen
herum surren und flitzen
ihre kleinen Flügel blitzen

Dienstag, 3. September 2013

schattenhaft



warme Schatten
verbeugen sich
vor mattem Sonnenlicht
ihr letztes Spiel
an Häuserwänden
auf Parkplätzen
huschen sie
in die Gassen
auf und davon

wie Dein Lächeln
am Bahnsteig
eine Trennung
allerlei Schatten
nun Erinnerung
das Versprechen:
Ich liebe Dich

Donnerstag, 8. August 2013

Vor dem Abschied



komme mit mir
zeichne die Zeit
gehe von mir
alle warten

stürze Dich davor
mit mir
in die Fluten
abseits der Deiche

fange mich auf
beim Knochentango
schlürfe den letzten
Tropfen Sekt

der nach nichts
allem
und vor allem
nach mir und
Dir schmeckt

Sonntag, 28. April 2013

Verlassen der Liebe

ich sah dich alt
ich sah dich kalt
in unserem Regen gehen

hielt ich Dich warm
sah ich Dich arm
beim Auseinanderstehen

sah ich Dich alt
sah ich Dich kalt
in unserem Regen wehen

hielt ich Dich nicht
stieß ich Dich nicht
beim Auseinanderstehen

Du sahst mich an
Du warst jetzt dran
zum Auseinandergehen

es gab kein Wort
Du gingst nur fort
auf Nimmerwiedersehen

gab es kein Wort
gingst einfach fort
als hätten wir uns nie gesehen

Samstag, 27. April 2013

Danach weiter wie






manch Abschied hängt mir in den Knien
schwer weiter so durch's Leben zieh‘n

um wie viele trauern wir in unserem Leben
traf ich sie dann doch in denen wieder
die stets mir brachten neue Lieder
so bitter wohl das Leben ist, leider eben

zwangen mich das Bein zu schwingen
es geht es kommt es bleibt
so habe ich‘s mir einverleibt
von Lebenslust erneut zu singen

den Schmerz das Leid erfahren
so gestärkt noch gut gefahren