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Dienstag, 8. April 2014

Reha-listische Impressionen II unvollständige Gedanken



Ankunft 
Ein „Gütesiegel“ auf der Eingangstür:
„Unsere Kompetenz
Richtig Essen“,
gutes Kochen wäre mir lieber.


„Alle Besucher werden gebeten sich beim Empfang zu melden!
Besuche auf den Patientenzimmern sind nicht gestattet!“
Na prima, geht gleich weiter. Dieses Schild ist das Größte hier, unübersehbar, formlos, lieblos an die linke Seite des Glaskastens vom Empfang gehängt, dafür riesig, unübersehbar.
Natürlich ist kein Mensch da im Empfang um mich zu empfangen. Dafür ein Schild „Bin gleich zurück. Ich bitte um Verständnis.“
Bin gespannt wie lange hier „gleich“ ist. Es stellt sich als sehr lang heraus, auf jeden Fall länger als kurz aber da steht ja auch nicht kurz sondern gleich. Dafür soll ich mein Verständnis hervorholen, was ich auch sogleich versuche, schließlich bin ich nicht hier, um mich auf zu regen oder meinem Zeitstress erneut zu verfallen.
Bin ich in diesem Moment eigentlich noch Besucher oder schon mehr, Patient zum Beispiel,  mit der Zimmer-betreten-Erlaubnis? Sind Besucher die, die Aufenthalter wie mich hier oder aus anderen Gründen das Haus besuchen oder alle, einfach alle die hier nicht arbeiten, beziehungsweise aufgrund eines Arbeitsvertrages ihre Aufenthaltsberechtigung für hier nachweisen können? Dürfen Letztere alle die Zimmer besuchen oder nur in bestimmten Fällen, genau deklarierten Ausnahmen oder sogar niemand, einfach niemand? Darf ich, wenn ich denn mal ein Zimmer hier erhalte, dann alleine das Zimmer betreten und nur so lange ich hier sein darf oder muss, nur ich alleine und sonst niemand? Wie ist es mit der Reinigung der Zimmer? Gibt es dafür Personal und dürfen die …?
Es gelang mir also die Wartezeit vor dem Empfang, bei dem sich alle … zu melden“ hatten, einigermaßen gedankenverspielt zu überbrücken. Natürlich reichte das nicht. Die Zeit des Wartens dehnte sich darüber hinaus.  Schließlich kam eine Frau, eifrig mit einem Papier beschäftigt, dies auch noch, nachdem sie sich den Empfang aufgeschlossen und sich hinter den PC gesetzt hatte. Da wusste ich, warum mir alles an diesem Tage geschehen war: Geduld. Ich sollte mich in Geduld üben. Vielleicht, dass ich so nicht wieder im „burn-out“ lande. Also Geduld. Mein Koffer steht ja auch ruhig da und hält es sicherlich noch ein paar Stunden vor dem Empfang aus.
Zugegeben, danach waren alle freundlich zu mir und so startete ich in meine Zeit des Wartens und Geschehens, mehr warten als geschehen, aber in einem Wechsel, der mich auf neue Art mit mir selber umzugehen ermöglichte.
Natürlich, das fiel mir weder leicht noch zu. Natürlich.


Meine Therapeutin hält mich für hochbegabt und zu schnell im Denken, Lesen und Verstehen. Das bringe mich in Konflikt mit anderen, die langsamer bei diesen Verben vorgingen. Vielleicht hätte ich damals doch Alice Miller, „Drama des begabten Kindes“ lesen sollen. Aber dann schockt mich die Therapeutin wirklich:
Was ich hier suche könnte ich nur in einer Privatklinik bekommen. Mein Verweis auf die lange Liste der Angebote der Klinik kontert sie mit dem Hinweis, was ich meine, warum das so klein geschrieben sei. Am nächsten Morgen bin ich mir nicht mehr sicher, ob das wirklich so gesprochen wurde oder ich nur einer meiner wirren Träume vor mir habe.


Die Unterbringung von uns „Meisen“, also die mit den Macken, die Psychos, erfolgt in den oberen Etagen (darunter kommen die „Stockenten“, früher „Körperversehrte“ genannt, die froh vor uns flüchten, wenn wir mit ihnen im Fahrstuhl hängen und in unser „Meisenheim“ weiter fahren). Gerüchteweise geschieht dies, damit die Burn-Outs nicht so starke Entzugserscheinungen bekommen, können sie auf diese Weise doch mehrmals am Tag, überwiegend mit dem Fahrstuhl, wie gewohnt „hochfahren“ und zu ihren Anwendungen, die sie ja runterbringen sollen, wieder „runterfahren“.
(Ich zumindest habe es in dieser Weise an manchem Tag für mich genutzt.)


Die einen lachen immer, vor allem nach jedem zweiten Satz, wohl als Hinweis, dass die zwei Sätze lustig, vielleicht sogar witzig bis zum Witz sind, dagegen andere knurren, murren, stumpf und grau ihr Leid im Gesicht wie eine zu dick aufgetragene Nachtcreme. Hauptsache Aufmerksamkeit, Zustimmung, Applaus.
Nichts von Zauberberg, keine geistig bemühten Verhakeleien, kein Weltuntergang, zumindest nicht philosophisch oder zynisch wohlwollend aufgenommen für ein Gespräch über das Verschwinden von X, Y, Z.
Ich durchschreite die verwirrend vielen Gänge und Stockwerke hier unter einer Glocke aus Trauer, Müdigkeit, ohne eigenes Ziel, eine gläserne Glocke, die offensichtlich auch verhindert, dass andere sich mir neugierig nähern oder zu sehr versuchen im Raucherpavillon mich in ihre Zwei-Satz-Lustigkeit mit einzubeziehen.
Ich fühle mich wohl, sowohl in meiner Trauer als auch in meiner Müdigkeit. Sie ummanteln und wärmen mich wie eine Kuscheldecke, nicht zu warm, nicht zu kalt, habe sie so als meine Begleiter angenommen, widme mich mit ihnen ganz der „Entschleunigung“, renne nicht mehr gegen sie an, nehme sie mit und lasse mich von ihnen tragen. An der Zeit war es schon lange, sich näher mit ihnen an zu freunden, weniger, sich dem Treiben strahlender oder grollender Augen allzu sehr auszusetzen oder gar in sie ein zu tauchen.
Ich kenne ihre Welten, ihre Rollen, seit Jahrzehnten habe ich in ihrem Theater mitgewirkt, als Regisseur, als tragischer Held oder Harlekin. Ich bin diese Bretter leid, die nicht die Welt bedeuten sondern Welt sind, Welt im Sturzflug, auf aberwitzigem Karussell trotz all unserer Bemühungen ungerecht, brutal, gierig, hemmungslos, verlogen, und so bezaubernd wie Bösewichte bisweilen auf uns wirken mit ihrem Charme und dem Reiz des Verbotenen.
Nun also zwischen Wald, Hügel, Schlachtfeldern europäischer Geister und Herrscher,  eingesprengelten angeblichen Märchenplätzen der sammelnden Brüder mit ihrer Ahnung, dass die „Aufklärung“ Kants uns Menschen nicht nur befreit sondern auch den Weg nach Auschwitz vorbereitet hat. „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“, ja, ja. Nein, nein. Die Vernunft gebiert Ungeheuer, ist selber ein Monster, heute auf der ganzen Welt verstreut sichtbar und erschreckend. Alles ist vernünftig, kennt gute Gründe und ist doch nur ein Moloch, zerstörend, verschlingend, seine Spuren Glas- und Beton gewordene mathematische Rezepte, blanker physikalischer Übermut.
Hier in der Reha-Klinik nicht. Hier hat der Prosaist Kafka gewirkt, ist sein „Schloss“ und ich bin der „Fremde“ in diesem Aquarium aus schwül dünstender Luft und Geräuschen einer Beschäftigkeit, deren Sinn sich mir entzieht und der ich mich mit Handtuch bewaffnet verschiedentlich andocken soll, zu mehr körperlicher und geistiger Frische führend, heißt es, mit Plan aus Papier, noch, demnächst wohl mit Clip am Ohr, der genau registriert inwieweit wir hier die Anweisungen befolgen..
Bald schon werde ich wohl hineingleiten in den Strom der Hin- und Hergeschickten, Angeleiteten, sich auf Matten und auf Geräten bewegenden Bewohner, nur noch meine Termine wahrnehmen und die daraus resultierenden Muskelkater und Müdigkeiten, werde mich entweder in die Zwei-Satz-Lach-Technik flüchten oder die dicke Creme auftragen aus Überforderung und Frust.
Ameisen zu Ameisen, Rindviecher zu Rindviechern. Wer hierher kommt ist Opfer und darum selber schuld. Die Täter sind Täter, bleiben unschuldig und kommen nicht hierher. Bisweilen bezahlen sie. Aber wofür?
Wir Opfer hier, Opfer unserer Unfähigkeit „nicht-Opfer-zu-sein“, zum größten Teil gescheiterte Täter, gefallene Engel wie einst Luzifer verstoßen aus dem Himmel der Erzengel, trotzdem wenn auch mit Kraft raubenden Aufwand, die Masken unserer Täterdaseins oder geträumten Täter-seins vor uns hintragend, den anderen antragend, in der Angst, man könnte uns auch diese Masken rauben und was bliebe dann noch für uns, wo wir dann nur noch Opfer wären und das doch nicht sein sollen, uns davon zu befreien haben, als gäbe es etwas zu werden, was weder Opfer noch Täter ist, als wäre da etwas, was wir verbrochen weil übersehen, nicht aufgenommen, nicht beachtet oder sonst was haben.
Schuld. Schuld. Schuld.
Und morgens Kaffee mit Zigarette im Raucherpavillon, Nachtcreme unter Zwei-Sätzen, irgend etwas an diesem Tag sollte doch uns gehören, so wie dieser Pavillon außerhalb der Gänge und Stockwerke wie ein hölzernes Fossil vergeblich gedachter Pläne da steht, angenehm warm und hölzern aus Handwerk, im Gegensatz zu den Sanftfarben der Betonfassaden drumherum.
Schuld. Schuld. Schuld.
So treten wir vorsichtig munter weiter. Schuld gewohnt. Schuld entlastet. Wir Opfer-Täter und auch andersrum.
Immerhin: alle hier wollen weiterleben, zumindest solange sie hier sind, und wenn auch nur in Zwei-Sätzen im Raucherpavillon.


Auf meinem ersten Erkundungsgang in den Ort zur Kirche geflüchtet, vorbei an der hessischen Mischung aus unproportionalem Fachwerk mit spröden Farben und deren Abblätterung, zum Teil versteckt hinter wetterverschmierten Schiefertafeln.
Evangelisch, daher verschlossen, hält die Kirche aber meinen eindringlichen Blicken stand, bis eine kleine Frau, ganz älter, ganz Dame, mir eröffnet, nachdem sie ihren Kleinwagen ordentlich geparkt und verschlossen hat, mir die Kirche auf zu schließen, da gleich Bet-Kreis sei und es somit ihr möglich, mich hereinzulassen, was sie in ruhigem Schritt dann auch geschehen lässt.
200 Jahre wurde seit 1300 an dieser Stadtkirche gebaut, entsprechend der Zeit gotisch, also als himmelwärts aufstrebende Halle. Die Steine geben sich keine große Mühe vor uns ihr Alter und die Zeiten, die sie hier miterleben mussten, zu verbergen. Der ganze Bau scheint mir im Laufe der Jahre etwas in sich zusammen gesunken auf der Spitze des Hügels, von wo er eintürmig in die Landschaft ragt.  Imposant wie alle Kirchen im gotischen Geist, äußerlich zerkratzt, zerbröselnd, geschunden, weckt sie doch das Interesse in mir, der alten Dame in das Innere zu folgen. Ich weiß schon, dass mich dort der berühmte Flügelaltar von Konrad von Soest erwartet mit der angeblich ersten Darstellung einer Brille im europäischen Mittelalter, genauer aus dem Jahre 1403. Der Altar, gespannter Stoff völlig mit Gold überzogen, darauf figürlich bemalt, hält, was ich mir gar nicht von ihm versprochen hatte.
Ganz im Gegensatz zu dem „hochbarocken“ Grabmal des Grafen, der als Diener Venedigs, oder Söldner, auf Kreta durch die wohl bessere Kriegskunst oder Übermacht der Muselmanen zu Tode kam.  Das Ding vor mir ist riesig, so künstlerisch wie ein Comic vom alten Walt Disney, dafür weniger anarchisch, eher grau in grau wie der emsig behauene Stein hier an der Wand hängt mit seinen fast lebensgroßen Figuren und den angeblichen Tugenden des gefallenen Grafen: Hoffnung, Frömmigkeit, Standhaftigkeit und Klugheit.  Sein Ende erzählt mir etwas anderes. Meine Kirchenaufschließerin nähert sich und erklärt mir die Kunstwerke. Sie tut es mit angenehm unaufdringlicher Stimme.  Sie weiß nette Anekdoten zu dem Flügelaltar. Gemeinsam bewundern wir den flotten Erzählstil des Malers, seine munteren Figuren, sicher ungewöhnlich für seine Zeitgenossen, vielleicht auch frech und mutig. Schwebten vor seinem ersten Pinselstrich die Figuren noch über der Erde, Gesichter wie im Nebel, Gewänder ohne Bekleidungsabsicht, alles Allegorie und heilig, dem Betrachter sich entziehend, der zu ihnen aufschauen soll und heilige Ehrfurcht verspüren. So ganz anders der eifrige Conrad.  Seine Gesichter scheinen aus den gotischen Gässchen zu uns zu kommen, ihre Kleidung verrät Stand und Vermögen, die textilen Abenteuer seiner Zeit. Ihnen fühle ich mich nahe mit meinem Reha-Dasein, mit Mühsal und Plag beladen wie sie einst, ängstlich, fragend, bisweilen hoffend und auch Hosianna blasend. Wir kommen uns nah und ich fühle mich nicht mehr fremd. Die Frau fragt, ob ich beim Bet-Kreis mitmachen wolle, sie würden sich gegenseitig Psalmen vorlesen und beten. Sie nimmt meine vorsichtige Weigerung gelassen, dafür verspreche ich zum Gottesdienst am Sonntag zu erscheinen. So habe ich ein Ziel und die Möglichkeit, Conrads Erzählungen zu lauschen. Ich bedanke mich ehrlich bei ihr, fühle mich, als habe der Tag durch sie und ihre mir zu Teil gewordene Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft plötzlich eine unerwartete Wendung genommen, eine positive, die mir die Schritte zurück, wieder vorbei an den  traurigen Überbleibseln städtebaulicher Bemühungen durch die Jahrhunderte, vor allem der letzten Jahrzehnte seit dem Krieg, leichter werden lässt und auch noch am Berg, hoch zur Klinik, mich nicht verlässt.
Am nächsten Tag mutiger geworden und optimistischer, mache ich mich wieder runter vom Berg in die Stadt. Diesmal besehe ich mir die in meinem Land überall zu findenden Trümmer architektonischer „Schulen“ und ratsherrlicher Nachahmerei in der Hoffnung auf Anschluss an die Moderne und deren betonhaftem Wohlstand.
„Der neue Kind Nulltarif“ versperrt mir schildrig den Weg. „ICH HAB EIN KIND IM OHR … weil ich nichts dafür bezahlt habe.“ Irgendwie stelle ich mir Kinder noch immer anders vor und außerdem muss ich sofort an den Bundestagsabgeordneten denken, der sich über Jahre Bilder von nackten Kindern bestellt hatte im Internet. Was geschieht mit unserer Sprache? Was mit unseren Kindern, im Ohr oder nicht, mit Nulltarif oder Bafög? „DER NEUE KIND NULLTARIF … jetzt kostenlos testen.“ Nein, ich gehe weiter. Blöde Schilder. Kinder testen. Kind testen. Egal. Blöd.


Ich mache Fortschritte. Zwar fallen mir in der Ruhe immer noch die Augen zu, aber ich schlafe nicht mehr dabei ein, kann hören, riechen, schmecken, meine Gedanken laufen lassen und bin jedes Mal ausgeruhter beim Öffnen der Augen. Und so bewege ich mich in diesem Gebäude hin und her, rauf und runter, wo es geht mit geschlossenen Augen, lehne mich zurück an Flur- und Fahrstuhlwände, im Stehen und im Sitzen, mit geschlossenen Augen, stehe auch draußen im Wind so, rauche meine Zigarette mit geschlossenen Augen und keine Unruhe überfällt mich, mein Herz bleibt ruhig und die Gedanken fließen statt zu hüpfen und zu springen. Ein echter Fortschritt.


Meine Lieblingsfigur bei Karl May war sofort und bis heute „Pepe der Schläfer“ im „Waldläufer“, der Roman eines Franzosen, von Karl May nur bearbeitet. Dieser Pepe ist ein Wachsoldat, der im Gegensatz zu seiner Berufsbezeichnung meistens auf der Erde vor seinem Bewachungsobjekt mit lang ausgestreckten Beinen sitzt, den Sombrero tief ins Gesicht geschoben, die Augen dahinter geschlossen, schlafend.
Er hätte auch geschlafen ohne den Sombrero vor dem Gesicht. Hatte es doch Vorteile, dass alle ihn schlafend vorfanden. Zwar wurde er bisweilen dafür getadelt, insgeheim aber von seinen Vorgesetzten für diese Fähigkeit überall und immer schlafen zu können, sehr geschätzt. So setzten sie ihn immer dort ein, wo ein echter Wachhabender mit offenen Augen ihnen eher gefährlich erschien und schlecht für ihre Unternehmungen.
Nun schlief Pepe nicht wirklich. Er döste, ergab sich seinen Gedanken und Geräuschen um ihn herum, dachte nicht viel, nur ab und zu, wenn er mitbekam was sie taten, dachte, dass er bei guter Gelegenheit davon Vorteil beziehen würde. Ein Schlauer war er nämlich, ein von seiner Umgebung sträflich Unterschätzter. Auch hatte Pepe nie ein schlechtes Gewissen. „Wenn sie mir schon so wenig bezahlen, hole ich mir den Lohn eben anders zurück.“ So dachte er und bekam alles mit in seiner Umgebung, verstand alles hinter seinen geschlossenen Augen, konnte sich auf alles einen Reim machen. Vor allem aber war Pepe froh, dass das niemand mitbekam und jeder ihn für einen dummen Faulpelz und eine Schlafmütze hielt.
Der gefällt mir also bis heute und jetzt, in dieser Reha, komme ich mir bisweilen selber wie dieser Pepe vor, vor allem wenn ich im Räucherhäuschen oder im Fahrstuhl meinen Kopf an die Wand lege, die Kapuze der Joggingjacke tief ins Gesicht gezogen, mit geschlossenen Augen meiner Umgebung lausche, völlig entspannt, ohne jeden Reflex mich einzumischen oder gar mit offenen Augen in ihre Gesichter zu sehen. Ich kannte sie genug. Kann mir schnell Gesichter einprägen, ganz im Gegensatz zu ihren Namen. Also, warum sie ansehen?
So peperisiere ich mich durch diese Tage und fühle mich wohl und in Sicherheit, wie ein kleines Kind, das beim Versteckspielen die Augen schließt und meint, so könnte es von keinem gesehen werden.


Der Zeiten gelassenerer Gefährte sein

In Freude und Schmerz nicht übertreiben
In Maß und Mitte bleiben

Dafür setze ich auf Lese- und Bücherdiät, Informations- und Nachrichtendiät, Fernseh- und Radiodiät. Nicht zu vergessen die Rauchdiät.
Bei Wikipedia finde ich: Die Bezeichnung Diät kommt von griechisch δίαιτα (díaita) und wurde ursprünglich im Sinne von „Lebensführung“/„Lebensweise“ verwendet. Die Diätetik beschäftigt sich auch heute noch wissenschaftlich mit der „richtigen“ Ernährungs- und Lebensweise. Diäten werden hauptsächlich aus zwei Gründen angewendet: erstens zur Gewichtsab- oder -zunahme, zweitens zur Behandlung von Krankheiten (englisch „diet“ = auf die Bedürfnisse des Patienten abgestellte Nahrung, Krankenkost). Umgangssprachlich wird der Begriff zumeist gleichgesetzt mit einer Reduktionsdiät (Reduktionskost) zur Gewichtsabnahme und bildet somit ein Synonym zur Schlankheitskur. Seit Hippokrates wird als Diät eine spezielle Ernährung des Menschen bezeichnet, bei der längerfristig oder dauerhaft eine spezielle Auswahl von Nahrungsmitteln verzehrt wird.

Nach zwei Wochen habe 5 Kilo zugenommen, dies trotz Vollwertkost und Reduktionsdiät. Halte ich mich lieber an meine eigenen Diäten, Hippokrates zum Trotz.

(c) bild + text jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Montag, 7. April 2014

Reha-listische Impressionen, unvollständige Gedanken



An-fahrt Februar 2014

Rheine bis Hannover

Kein gleichmäßiges Rattern des Zuges mehr auf den Schienen, dafür schleifende Singstimmen durchbrochen von Stößen ohne Gefühl für Rhythmus und Jamben.

Umsteigen. Hannover:

Natürlich war der Fahrstuhl auf dem Bahnsteig defekt.  Natürlich fuhr die Rolltreppe nur rauf, nicht runter, auf beiden Seiten.  Natürlich ist mein Koffer viel zu schwer für die Treppe, natürlich ist sie zu hoch mit viel zu vielen Stufen. . Natürlich schleppe ich mich mit ihm hinunter, statt mich vergeblich auf die Suche nach einer uniformierten Hilfe des Bahnpersonals zu begeben.  Natürlich beschweren sich Beine, Gelenke und Rücken. 

Auf dem Bahnhofsvorplatz einer der letzten Asylplätze für Raucher vor hohen Türen aus der Glastürenzeit, die geduldig auf und zu gleiten.  Ob Eingang oder Ausgang entscheiden hier die, die kommen und die, die gehen.  Auf jeden Fall für mich ein lohnenswertes Zwischenziel. Zwei Zigaretten schaffe ich.


Auf dem Vorplatz im Angesicht des Pferdearsches unter dem Abbild des einstigen Königs von Hannover und England eine Schulklasse, plötzlich Kurzgebell: „Auf geht’s! Alles folgt mir! Zusammenbleiben!“
So ein Tonfall hätten den König da oben und seine Offiziere und Schulmeister wohl erfreut.

Wild gestikulierend oder die Handys eifrig weiter mit Lauten und Zeichen bestückend und wie das Kurzschwert eines Römers vor sich hinhaltend zerteilt der Klassenverband ohne auf unseren Protest und Unwillen zu achten uns Raucher vor der Tür.

Ihr Lehrer läuft nicht einfach vor ihnen her, mir scheint eher, er läuft vor ihnen weg, als hätten seine markigen Kommandos ihn seine letzte Kraft gekostet im Kampf gegen ihre Handys, permanente Unlust einerseits, und Lust auf Chaos andererseits.


Natürlich bin ich pünktlich, dieses Mal mildtätig beglückt vom Bahnhof und einer mich und meinen Koffer nach oben fahrenden Rolltreppe.  Natürlich ist der Zug laut Anzeige „5 Minuten später“, was eine weibliche Stimme über Lautsprecher bestätigt.

Etwas aufgebrachter bin ich dann schon, als die gleiche Stimme plötzlich verkündet, der Zug fahre heute auf einem anderen Gleis ein. Und schon schimpfen wir alle über die deutsche Bundesbahn, als hätten wir nur darauf gewartet. Ungelogen, bei mir und den anderen Klang Befriedigung mit und endlich befreites Knurren, Murren und Gejammere. So waren wir uns doch sicher uns in Deutschland zu befinden, seinen unpünktlichen Zügen und unmöglichen Bahnsteigen, nur gebaut und so geplant, damit der Wind uns dort mal so richtig durchblasen kann und dem Gefrierpunkt näher bringen. So genossen wir es uns als Deutsche aufzuführen.
Natürlich kommen wir alle rechtzeitig, wenn auch knapp, am anderen Bahnsteig an, erschöpft vom Schimpfen und Hasten.


Aber der Sitzplatz, den ich danach im Abteil für mich einfordere, erbost auf meine Sitzplatzkarte zeigend, der steht mir wirklich nicht zu. Da hatte ich mich vertan bei den Karten und aus Versehen die für die Rückreise gezückt.


Bis ich mich wieder beruhigt hatte, erreichten wir schon das Leinetal, das behäbig in seiner Breite und seinen Hügeln neben uns her glitt, als traue es sich nicht Ecken und Kanten zu zeigen, als wäre ihm die Erde sicherer als der Himmel, das karge Leben näher als irgendein Paradies, Mut oder Phantasie.


Wie das Tal so die Menschen? Ich weiß es nicht. Aber es heißt so, man sagt es. Es hätten die frühen Reisekaiser, die Ottonen und Heinrichs,  sie zu sehr zu Diensten gezwungen und die Köpfe geduckt, als dass sich die nächsten Jahrtausende noch viel hätte erheben könnten. Und so hätten sie vergessen, dass sie Mensch geworden waren, als sie die Köpfe über die hohen Gräser gehoben und mutig hierhin vorgestoßen waren mit ihrem Feuersteinutensilien für Jagd, Feuer und Fischzubereitung.

Das näher kommende Göttingen sei keine Ausnahme, es ducke sich mit seinen Überresten  aus Mittelalter und Nachkriegsbaracken dicht in das Leinetal, ärgerlich über die Kirchturmspitzen die die Frömmlichen hier hochgezogen hatten, duckt es sich nah an das Plätscherchen von Flüsschen, das weder hier, noch vor- oder nachher sich selbst als Wässerchen darüber zu trüben scheint.


Dann sehe ich es, an den Hängen über Göttingen, das uralte Geismar, erkenne es an seinen verzweifelten in Beton gegossenen Bemühungen, auf sich aufmerksam zu machen, mit seinen Bettenburgen noch immer bitter klagend, dass dieses Fachwerkgerümpel im Tal zum Namen geworden war, obwohl viel jünger und unreifer, und nicht die Siedlung, in die sich die Bewohner einst aus dem Tal geflüchtet hatten vor den Raubrittern und Vagabunden, vorchristlich, aber nicht unchristlich, keineswegs das Geismar mit der gefällten Eiche des Iren Boni, nicht Irren, anderswie zum Kreuz gekommen und doch darunter geraten, eingevogtet vom fernen Kaiser und in Knechtschaft eines Vasallen, der als Fürst alle so drangsalierte, dass selbst die Göttinger die Nase voll bekamen und seine Burg schleiften. Ein unzuverlässiges Gesindel in den Augen der Geismararaner, zwar später Mitglied der Hanse und doch nur auf Händel und Streit aus mit allen, die sich nicht schnell genug aus dem Staub machten. Und dies bis heute, betonen einige Altgeismaraner. Heinrich Heine und die Märchenbrüder wussten bereits ihr jeweiliges Lied davon zu singen.


Mich verbindet mit Geismar das Endgültige, der so rasch mögliche Wechsel vom Spiel in den Ernst des Lebens in seiner härtesten, klarsten Form: dem Tod.
Es war in unserem ersten Semester, in dem wir noch alle kulturellen und politischen Ereignisse in unsere Biographien reinzwängen wollten.
Der Tod kam auf die Bühne in Geismar, in ein Antikriegsstück des Trotztheaters. Er kam mit schnellerem Atem mitten im Kriegsgetöse vom Tonband hinter der Bühne. Dann atmete er schwer. Wir sahen im Fastdunkel nur noch schemenhafte Schatten hin und herlaufen, fallen, sich krümmen, darunter der Schauspieler Uwe Voth.  Sahen wenig, hörten trotz des Lärms ihre Bewegungen und diesen Atem, der immer heftiger kam, kaum noch durch die Brust zu kommen schien, ja, fast gar nicht mehr. Dann rief eine Stimme um Hilfe, um einen Arzt.
Wir saßen fasziniert ob der Echtheit der Szene stocksteif, betroffen einerseits und erwartungsfroh auf den Fortgang andererseits, dachten alle nur: „Ja, so ist Krieg!“ Und waren mit dem Theater mehr als zufrieden, schließlich versprachen wir uns von ihnen ja etwas Packendes, Gelungenes gegen den Krieg, für den Frieden, für den wir damals besonders waren unter der Bedrohung von Pershings, Cruise Missiles und weit von uns entfernter Präsidenten Stare-Wars-Phrasen-tasien.
Alles war gut, alles prima und anschließend bräuchten wir nur noch eine Pizzeria mit Preisen für Baföghaushaltskassen finden und der Abend würde mehr als gelungen für uns sein.
Aber das Licht ging an, Uwe Voth atmete wirklich nicht mehr, es wurde wirklich ein Arzt gebraucht, weniger um ihn zu retten als die Todesursache festzustellen.
Schweigend saßen wir noch eine Weile da, erschüttert, einige weinten, andere starrten nur ungläubig auf die Bühne. Das am nächsten Tag der Schauspieler Uwe Voth auf der ersten Seite der Bildzeitung landete, machte die Sache für ihn und uns auch nicht besser.
An Pizza, schönen Vino oder kühles Bier war auch nicht mehr zu denken.
Wie wir aus dem kleinen Theater herausgingen, Geismar verließen um in unsere Studentenbuzzen zu gelangen, wusste wohl keiner von uns hinterher.
Uns blieben für den Rest unseres Lebens Uwe Voths letzte verzweifelte Atemzüge auf dem Weg in seinen Tod auf einer Theaterbühne in Geismar.


Auf meinem Weg in die Reha-Klinik, in der auch Traumata-Patienten behandelt werden, frage ich mich nun, hier im Zug, während Geismar langsam hinter mir verschwindet, ob dies eines meiner Traumata sein könnte, eines dieser Ereignisse, die mir die schwarze Seele füllten, dieses schwarze Loch ohne fassbare Ecken und Kanten, ohne Gesichter und mögliche Verortungen, ohne genaue Erinnerung?
Haben wir es verarbeitet? Wie lange war sein Tod, unser Dabei-Sein noch Bestandteil unserer Gespräche, unseres Denkens?
Ach, wir waren so jung und so herrlich vergesslich, so wahnsinnig nach vorne orientiert. Wie sollten wir uns damit lange aufhalten, was hätte es ändern können? Ja, was? Vielleicht uns?


In Göttingen wurde uns der Sohn geboren, ungeplant, fast nicht mehr auf unserer Lebensplanliste, Nicht für das Kreuz, für das Leben haben wir ihn dort die ersten Jahre unterstützt beim Wachsen und Erwachen. Das Kreuz hatte seinen Sohn. Wir brauchen von unserem keine Vergebung, nur die für uns so spannende Teilhabe an einem Leben, dass zwar durch uns in Gang gebracht wurde, aber doch nicht das unsere ist.


Während Friedland mit seiner Glocke vorbeifliegt, ebenso die längst abgeklungene Euphorie über die dort Ankommenden, frage ich mich, warum auch immer, was es bewirkt haben mag im Leinetal, dass weder Geismar noch Göttingen je Kaiserpfalz waren, stattdessen dieses zum verrandeten Dorf mit neuzeitlichem Pendersiedlungscharakter Grone, Pfalz Grona, und schon gar nicht dieses Grone zwischen Autobahn und Bahnstrecke, nein, es war dieses bisschen Ge-Steine oben auf dem Kamm des Hügels entlang der Leine, längst geschliffen, abgetragen, woanders verbaut, was einst des Kaisers war.
Ja, was? Was Grona war, wurde verschart, was Nichts war weltberühmt, zumindest die hier begonnenen Grimmsmärchen, geräucherten Würste und wissenschaftlichen Ergebnisse (ja, siehe Heine, noch immer unschlagbar, nicht nur in Bezug auf Göttingen).


Das Große wird klein nur, was Klein ist zu groß, oder wie?


Rosdorf ist vorbei. Dort war unsere Bronzezeit, unsere Steinzeit. Dort fingen unsere Urahnen Fische, entwickelten die Angeln und vor allem die Netze. Und ich rutsche mehr, denn dass dieser Zug mich rollend fährt, an ihren Wirkstätten vorbei, nur ihre Faustkeile im Kopf und ihren Muschelschmuck.


Soll ich ihn verraten? Ja, ich verrate ihn, wenn auch nicht mit Namen, den kenne ich auch gar nicht. Auch nicht seine Herkunft. Sein Alter aber kann ich schätzen. Seine in die Jahre gekommene Bürgerlichkeit zwischen gut versorgt und Altersarmut im Pflegefall. Zur Zeit noch in der Auslaufzone, gerade um die 60 geworden.
Er sitzt zwischen mir und dem Gang des ICEs, das rechte Bein über das Linke geschlagen. Seine Kleidung habe ich schon vor 50 Jahren an Männern seines Alters und Standes gesehen: dicke Cordhose, dicke Tweedjacke, Typ englisches Fabrikat, Rolli, dunkelbraunes Schuhleder in Frachtkähneformat, auf keinen Fall italienisch, dafür mit dicken Sohlen und Streifensocken, wahrscheinlich an der Ferse frisch gestopft.
Ich liebe meine Vorurteile, je älter ich werde umso mehr und da er in ein paar von diesen Vorurteilen passt, liebe ich auch ihn, in diesen leider mit ICE-Trasse viel zu stark verkürzten und vertunnelten Minuten zwischen Hannover und Kassel.
Er wirkt müde, aber bemüht konzentriert. In seiner rechten Hand führt er einen noch länger tauglichen Bleistift, in der linken Hand eine Kladde, wie ich sie, ebenfalls in meinen Kinderjahren, oft bei Lehrern sah, aufgeschlagen bei einem wohl mit diesem Bleistift geschriebenen Gedicht in erkennbaren Strophen und wahrscheinlich Reimen.
Er dreht den Bleistift ständig um, da dieser am Ende ein Radiergummi festhält.
Er beginnt damit ein Wort auszuradieren, dreht den Bleistift, schreibt ein neues Wort. Findet ein anderes Wort, radiert es aus, schreibt ein neues. So radiert und schreibt er, schreibt er und radiert bis wir kurz vor Kassel sind. 
Natürlich bin ich neugierig, was für einen Text er so umgräbt und umgräbt wie der Maulwurf letztes Jahr unseren Garten.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er den Text, vielleicht ein Gedicht, vor allem genießt und braucht für das Wegradieren und neu Einsetzen von Worten, denke, dass er enttäuscht sein wird, wenn ihm kein Wort mehr radierfähig erscheint und Platz machen kann für ein neues.
Er liest seinen Text nicht. Er sucht darin. Tut dies so ruhig und entspannt wie die Frau zwei Sitze weiter vor uns ihren Schal weiter strickt.

….

Paco Lucia ist tot. Leider keine CD von ihm zur Hand. Nur auf Youtube. Aber das stottert hier und das will ich ihm zu Ehren und mir zum Genuss nicht antun. Bleibt die Erinnerung seines Spiels in meinem Kopf und damit nicke ich kurz ein.

 

Was würde Heine heute schreiben? Zum Beispiel über diese Landschaft mit ihren Asphaltbändern, Betonklecksen und fassadengrauen Flecken mal gewürfelt, mal vereinzelt, die nicht nur hier das Land „bestücken“?
Haben sie deswegen so viele Tunnel in die Kasseler Berge gegraben für die Züge, damit wir das gesprenkelte Elend draußen nicht mehr sehen?
Vielleicht schießen sie uns ja morgen nur noch durch solche Röhren? Konzepte dafür gibt es bereits. Als Alternative zum Autofahren!
Vorher gibt es dann beim Fahrkartenkauf „Happy-Trial-Pillen“, mit denen wir uns während der Schussfahrt fortträumen in die Züge der Vergangenheit, ihr Rattern zu hören, am Fenster vorbeiziehen, nicht fliegen, eine Landschaft wie sie nur noch die Kinderbuchillustratoren zeichnen, damit die Kinder nicht schon am Anfang nur noch bebaute Ungeheuerlichkeiten als Natur ansehen. Und dann träumen wir auch Kühe auf Weiden, goldgelbes Getreide statt grünen Mais, träumen Schweine und Hühner im Freigehege, träumen Weidenhügel und Eichen-, Birken- und Buchenwälder, träumen Weiden an Bächen die wie schlangen sich durch die Täler winden, richtige Weiden träumen wir, die noch Himmel anbieten für die Verliebten. Aber es ist zu befürchten, dass es diese Kapseln nur als Sonderzuschlag mit entsprechendem Zuschlagspreis gibt und der Rest, dem das zu teuer ist, darf sich während seines Schussfluges in „Flugmeditation“ üben.


Natürlich gibt es ab Kassel keinen Zug mehr für mich. Umsteigen in einen Bus oder zwei Stunden warten, heißt es. Der Bus sei aber mit der Fahrkarte nutzbar.

Also Bus. Der erste, der uns bis Fritzlar mitnimmt, sieht die Sache so wie die Bahn. Der zweite, der uns nach Bad Wildungen bringen soll, natürlich nicht. Sein Bus gehöre nicht zur Bahn und darum müssten wir zahlen. Ihn interessiere nicht was die Bahn sage und seine Firma rufe er deswegen auch nicht an. Wir müssten  ja nicht mit ihm fahren, könnten doch auch zum Bahnhof gehen und dort den nächsten zug abwarten. Alle meckern, schimpfen, protestieren. Es hilft nichts. Wir müssen abdrücken. Eine ältere Türkin neben mir lächelt und sagt: „Ist doch auch schön, so merken wir dass wir in Deutschland sind.“ Daraufhin wäre ich am liebsten sofort der Deutsch-Türkischen Freundschaft beigetreten. Genau dieser Gedanke war mir heute doch schon mal begegnet. In diesem Sinne: es lebe die deutsche Engstirnigkeit und Bürokratie.

(c) bild + text jörn laue-weltring bad wildungen 2014

Freitag, 30. August 2013

Holz statt Schafe


Mein Therapeut meint, ich sollte mal eine Weile pausieren in der Arbeit mit Menschen. 



Schafe züchten bekäme mir im Moment besser.



Ich weiß aber nicht wohin mit denen. 



Darum habe ich mir Holz aus dem Wald gesucht und arbeite halt mal ein Weilchen damit.
Mal sehen, was dabei heraus kommt.