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Mittwoch, 23. Oktober 2013

Bilderrätsel


wann erlesen wir uns
die Bilder unseres Landes Grausamkeiten
die aus den Kontinenten
die uns kleiden und ernähren
suchen
nach den literarischen Vorlagen solch arger Strolche
untersuchen den Strich
der ausgeflippten Künstler und Denker Handschrift
im entflammten Inferno menschlicher Verkommenheit
halten stand dem Flehen
der Opfer ihren geschundenen Leibern
ihrer Angst vor unserem Interesse

zwischen den Säulen der Großbanken
in deren Städten festgeklebt
unser Horizont
die Gedanken frei
von uns
zum Überleben gefrierfähig verordnet geordnet
nehmen die Taxifahrer
uns als Gäste dankbar mit
wenn es um viele Kilometer und weit genug geht

ihre Tachometer erzählen unsere Strecke
nicht die Zeit
die uns noch bleibt

glauben wir den Bildern aufs Verrecken
warum sonst
schweigen wir bereits
im Angesicht des Vorspanns


Donnerstag, 16. Mai 2013

„Arbeit macht frei“



(zum Bild: Kinderarbeit in Indien)

Vernichtung durch Arbeit
ein System aus meinem Land
nach der Stilllegung der Öfen
und Gaskammern ungerührt
in die Welt getragen noch immer
unter der perversen Überschrift
„Arbeit macht frei“ ob in den
Textilfabriken von Bangladesch
oder den Erzminen Lateinamerikas
auf den Teeplantagen Indiens
oder den Zuckerrohrfeldern
der Philippinen



„Arbeit macht frei“ heißt nicht 
„macht gesund“ oder gar „reich“
geschweige denn glücklich
oder weniger arm wer das 
überlebt singt andere Lieder 
und fragt: verdammt
wen macht diese Arbeit „frei“
von was und verflucht 
für wen?



Sie können nicht glauben
dass wir diese netten Menschen
in ihren kleinen Fernsehern
es sind und nur auf den Preis
sehen den wir bezahlen
für sie ab und zu ein paar
Spenden nur übrig haben
nie mehr als ein paar
kurze Augenblicke wenn sie
für Sekunden durch unsere
Nachrichten geistern


Savar



Über tausend Tote
einkalkulierte
Kollateralschäden
für 700.000 Taka
(7000 Euro) pro
Todesopfer

oder

von oben
gebilligte
fahrlässig
in Kauf 
genommene
Tötungsdelikte
einer Mafia
im Dienste
des vornehm
eingestrichenen
Shareholder Values

Geiz ist geil
Nein, Mord!

Schnäppchenjäger



(zum Bild: Dhaka, so geil ist unser Geiz!)


ein Schnäppchen
waren auch sie
die in den Trümmern
bei der Herstellung
unserer Kleidung
geopfert wurden
für‘n „Appel und‘n Ei“
ein Schnäppchen
für uns
ihr Dasein
ihr Wasser
ihre Luft
ihre Landschaft

ein Schnäppchen
ihre Leiber
ihre Felder
ihre Freiheit
ihre Kinder
ihre Zukunft
und das alles
nur für uns
Schnäppchenjäger

weil Schnäppchen
vom Schnappen
das böse Kind
noch bissiger
noch hungriger ist
ächtet die
Schnäppchenjäger
schnappt
sie Euch alle
die Aufraggeber
der Schnäppchen

Montag, 11. März 2013

Tsunamis















während wir noch trauern
um die Opfer des Tsunami
seiner Folgen in Fukushima

reißt uns der gewaltige
Tsunami der Globalisierung
weltweit mit sich fort

ohne das uns hier
ein Reporter die Zahl
der Opfer nennen könnte

der gebrochenen Dämme
verstümmelten Bewohner
krepierten Gefangenen

so halten wir uns fest
an dem was wir erkennen
trauern blind im eiskalten Wind