Posts mit dem Label Ausbeutung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausbeutung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 21. Oktober 2013
Video: fürstliches Totenhaus
Labels:
3. Welt,
Ausbeutung,
Gedicht,
Laue-Weltring,
lyrics,
Lyrik,
Poem,
Poetry,
reiches Europa,
Rezitation,
Unterdrückung
Standort:
Lingen (Ems), Deutschland
Donnerstag, 29. August 2013
Das Unwort
Der junge
Mann konnte kaum schlafen. Die ganze Nacht rang er mit sich und dem Wort. Er
hatte es in der Zeitung gelesen und auch im Fernsehen hörte er es. Es steckte
in ihm und fraß ihn auf, verdeckte seine Gedanken und Gefühle wie eine klebrige,
zu dick geratene Soße und schmecken tat es auch nicht.
Er kannte wie
alle das Wort sein Kindertagen, ein Unwort, eines, das man nicht am Kragen
haben sollte und nicht auf der Stirn oder in den Augen. Aussätzig war es
schlimmer als die Aussätzigen. Verpönt war es, schlimmer als Pfurzen und
Rülpsen am Tische. Und jetzt hielt man es ihm und seinesgleichen vor, bewarf
sie geradezu damit.
„Neid, nur
purer Neid!“ So schrieben sie, so redeten sie. Und er sah seinesgleichen dazu
im Hintergrund, als Bild daneben oder im Text unüberlesbar genannt.
Und doch, es
musste sich etwas ändern, war das alles ungerecht, musste etwas geschehen!
Und er wollte
für sich jetzt damit anfangen, aussteigen aus dem Schweigen, dem Abnicken, dem
Hinnehmen.
Trotzdem
hatte er einen schweren Stand gegen das Wort und so dauerte es bis zum frühen
Morgen, bis er sich zu einer Entscheidung und einer darauf aufbauenden Handlung
durchringen konnte.
Er hatte zum
Schluss für sich klar, dass sie das Wort als Waffe gegen ihn und die anderen einsetzten,
damit ablenken wollten von dem Skandal und sie am Widerstand hindern, vor allem
sollte es helfen, die, die noch nicht aufstanden, davon abzuhalten sich dem
Widerstand an zu schließen.
Nach dem
Aufstehen und einem schnellen Frühstück verkleidete er sich als Batmann und
fuhr so mit dem Fahrrad zu seiner Arbeitsstelle. Dort lehnte er das Fahrrad an
den Werkzaun und schlich geduckt zum Firmenparkplatz. Bei dem Porsche seines
Chefs angekommen, holte er die Sprayerfarbe raus und sprühte auf den silbrig
glänzenden Lack:
„Es ist kein
Neid, wenn ich hier ihren Porsche bemale! Es ist Not! Sie können sich viele
Autos wie diesen leisten und wir müssen noch zum Amt, um dort Geld zu erbitten,
weil ihr Lohn für unser Leben nicht reicht. Sie beschimpfen uns täglich als zu
faul und zu habgierig, machen auf unsere
Kosten den dicken Matze! Weil sie uns nicht den Lohn zahlen, der uns zusteht,
sind sie ein echter Sozialschmarotzer, der auf Kosten von uns Steuerzahlern im
Luxus lebt. Und darum ist das hier kein Neid, das was ich geschrieben habe.“
Als er fertig
war, fotografierte er das Auto mit dem Text, schlich zurück zu seinem Rad und
fuhr nach Hause. Dort stellte er das Bild sofort in das Internet und wartete.
Schon bald gab es viele Klicks, Likes und Kommentare. Fast alle positiv.
Es
war sein freier Tag und er hatte zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl,
dass er wirklich frei war an diesem Tag.(c) Bild und Text: Jörn Laue-Weltring, Lingen 2013
Labels:
Aufstocker,
Ausbeutung,
Erzählung,
Gerechter Lohn,
Gute Arbeit,
Hartz IV,
Kurzgeschichte,
Laue-Weltring,
novell,
Schmarotzer,
Sozialneid,
Sprayer,
unsozial,
Widerstand
Standort:
Lingen (Ems), Deutschland
Freitag, 28. Juni 2013
Prakikantenwahnsinn
aus
seinem
Grübelladen:
ist
eigentlich einer
der
vor der Tür
seiner
Großkotzvilla
einen
Edelschlitten
stehen
hat
in
seiner Agentur
für
Werbung und Design
alles
auf’s Beste
ausgestattet
hat
in
der andererseits
bis
auf ein bis zwei
Hanseln
nur Praktikanten
für
die Arbeit eingesetzt
und
die auch noch als Kosten
von
wegen Einarbeitung
bei
der Steuer absetzt
ist
der dann wirklich
erfolgreich,
ein guter Unternehmer
oder
einfach nur ein Betrüger und Looser
einer,
der es nicht einmal schafft
Preise
für seine Produkte
durchzusetzen,
von denen er
auch
seine Leute
gut
bezahlen kann
Wer
und was ist denn jemand
der
zwar nicht seine Leute
anständig
bezahlen kann, aber
dem
Autohaus den hohen Preis
für
seine Nobelkarosse
und
der Bank die Raten
für
seine Prachtvilla
ja,
was ist der und für was
hält
er sich, dieser Versager
und
möchtegern Erfolgreiche
für
wen hätten wir ihn zu halten
und
für was halten wir ihn?
Ps.:
gilt auch für Schlachthöfe, Kaufhäuser oder Massentierhaltungsbetreiber
Labels:
Ausbeutung,
Gedicht,
Kritik,
Laue-Weltring,
Lyrik,
Peter Silie,
Poetry,
Praktikanten,
Satire,
Unternehmer
Standort:
Lingen (Ems), Deutschland
Donnerstag, 16. Mai 2013
Schnäppchenjäger
(zum Bild: Dhaka, so geil ist unser Geiz!)
ein
Schnäppchen
waren
auch sie
die
in den Trümmern
bei
der Herstellung
unserer
Kleidung
geopfert
wurden
für‘n
„Appel und‘n Ei“
ein
Schnäppchen
für
uns
ihr
Dasein
ihr
Wasser
ihre
Luft
ihre
Landschaft
ein
Schnäppchen
ihre
Leiber
ihre
Felder
ihre
Freiheit
ihre
Kinder
ihre
Zukunft
und
das alles
nur
für uns
Schnäppchenjäger
weil
Schnäppchen
vom
Schnappen
das
böse Kind
noch
bissiger
noch
hungriger ist
ächtet
die
Schnäppchenjäger
schnappt
sie
Euch alle
die
Aufraggeber
der
Schnäppchen
Labels:
3. Welt,
Arbeitsbedingungen,
Ausbeutung,
Bangladesh,
Gedicht,
Geiz ist geil,
Laue-Weltring,
Lyrik,
Mord,
Poetry,
textilindustrie
Standort:
Dhaka, Bangladesch
Abonnieren
Posts (Atom)



