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Samstag, 21. Dezember 2013

Überfall am Heiligen Abend im Auge des Weltalls



Am Heiligen Abend in einer kleinen und alten Hansestadt schmückte ein Greis alleine in seiner von Eichenmöbeln beherrschten Wohnstube einen Tannenbaum mit Kugeln, Lametta und elektrischer Lichterkette.
Der Baum reichte vom Boden bis zur Decke, gerade dass der golden funkelnde Stern oben als Spitze noch Platz fand.
Der Baumschmücker war gekleidet, als würde er anschließend ein Restaurant besuchen wollen, weißes Hemd unter der Krawatte, dunkelgrau melierter Anzug mit scharfen Bügelfalten in der Hose.
Schlank war er, vielleicht geblieben, vielleicht geworden. Sein Gesicht wirkte ledern aber freundlich durch die tiefen Lachfalten seiner vielen Jahrzehnte. Sein Haar leuchtete weiß und hell mit den Kugeln im Schein der kleinen Lichter.
Aus der Ecke, von unterhalb des großen, schwarz umrandeten Flachbildschirms, kam leise Adventsmusik von Chören und Orchestern, klassisch gespielt und gesungen.
Neben der Tür hing an einem großen, gusseisernen Ständer ein mächtiger Adventskranz, dessen Kerzen gemäß der Adventszeit unterschiedlich herunter gebrannt waren.
Auch an anderen Stellen fanden sich adventliche Dekorationen, kleine Tannenzweige mit ein wenig Goldglitter und Tannenzapfen, Nüssen oder getrockneten Apfelsinenschalen dekoriert, im Bücheregal drei sehr unterschiedliche Räuchermänner, auf der langen Kommode eine hohe Pyramide aus dem Erzgebirge mit drei Ebenen, sogar ein Adventskalender mit dem Motiv eines alten Weihnachtsmarktes hing an der Wand, alle Fenster ordentlich geöffnet und die Klappen säuberlich abgetrennt.
Der Mann summte die Lieder leise mit und sah kaum, was er tat. Er brauchte es auch nicht, hatte all die vielen Jahre hindurch am Heiligen Abend so den Baum geschmückt. Zu Beginn etwas wilder, billiger die Kugeln, mehr vom Lametta und noch jede Menge essbare Zuckerkringel, später dezenter, mit kostbareren Kugeln, die sie jedes Jahr Stück für Stück ergänzt hatten, erst noch mit den Kindern, später alleine.
Er tat seine Arbeit bedächtig, fast im Schneckentempo, als wäre dies ein heiliger Akt, den er da am Baum vornahm. Und genau das war es auch für ihn. Er liebte dieses Schmücken, die Tradition von Advent und Weihnacht. Das war schon immer der Jahreshöhepunkt für ihn gewesen. Ebenso der Kirchenbesuch am Abend, obwohl er lang schon nicht mehr an einen Gott zu glauben vermochte. Aber der Besuch war ihm notwendiger Teil des Abends, so auch den Kindern und seiner Frau. Es war eine Tradition, die das Jahr vollendete, den Sinn bewies, den das Leben trotz aller Sorgen und Bedrückungen, Schicksalsschläge und Anfeindungen für sie bereit hielt.
Und sie gingen in die Kirche um sich dort der Gemeinde anzuschließen, Teil zu werden ihres Viertels und all der Generationen, die vor ihnen hier hin gegangen waren, den Heiligen Abend zu würdigen.
Die Kirche entstammte der Zeit der norddeutschen Backsteingotik und war von den Bilderstürmern der Reformationszeit halbwegs verschont geblieben, so dass er jedes Mal während des Gottesdienstes sich in die vom damaligen Bürgertum gestifteten Bilder fast meditativ verlieren konnte.
Der alte Mann hier war immer ein kritischer Kopf gewesen, sehr zum Verdruss seiner Frau, die oft fürchtete, er könne durch seine Äußerungen und Handlungen seine Arbeit verlieren. Eine gute Arbeit, als Betriebsschlosser, später sogar als Meister der Betriebsschlosserei, sehr gut bezahlt und trotz Schichtdienst und Überstunden am Samstag relativ stressfrei. Es gab anderthalb Monatsgehälter Weihnachtsgeld, im Sommer kam auch noch ein halbes Gehalt Urlaubsgeld dazu.
Davon konnten die Kollegen heute nur noch träumen, das wusste er. Seine Firma war längst an einen amerikanischen Großkonzern verkauft, hatte die Tore schließen müssen und war schon länger umgebaut um ein Museum, ein Theater und Ateliers für junge Künstler auf zu nehmen. Seine Welt war das da nicht mehr.
Einmal im Jahr traf er sich mit den alten Kollegen, die naturgemäß immer weniger wurden. Dann saßen sie zusammen beim Bier und schwelgten in Anekdötchen und hatten doch ein wenig schlechtes Gewissen, wenn sie an die dachten, die heute in den Fabriken arbeiten mussten.
„Da haben wir es noch gut gehabt“, so ein Satz fiel oft in diesen Runden. Oder: „Die werden nicht unsere Rente haben, die nicht mehr.“ Das machte sie traurig.
Waren sie doch fast alle in der Gewerkschaft gewesen, hatten sich für ihre Kollegen eingesetzt. Er selber hatte jahrelang als Betriebsrat und Vertrauensmann an vorderster Front gestanden wenn es um die Abstellung von Übeln, wie Staub, Lärm oder schlechte Behandlung ging.
Zweimal hatten sie sogar gestreikt, eine tolle Zeit, wie er heute noch fand. Da war Solidarität und Kollegialität großgeschrieben gewesen, nicht wie heute mit diesem Mobbing und Bossing und Burn out oder wie das noch alles heißen mochte. Und dann diese Fremdfirmen, die die Tarife zerstörten, dieses Damoklesschwert Hartz IV, dass den Beschäftigten den Mut nahm, sich zu wehren.
Bei allem hatte er sich aber auch ganz allgemein für sowas wie Geschichte interessiert und die alten Gemäuer der Romanik und Gotik und die Bilder in ihnen waren ihm in ihren jährlichen Urlauben, meist in Italien, Frankreich oder Bayern, stets die liebsten gewesen. Dort konnte er sich entspannen, fand zu sich selbst, war sich mehr als nur der Prolet im Blaumann.
Vieles Alte war seit den Zerstörungen durch Krieg und Wiederaufbau endlich rekonstruiert, verschönert und restauriert worden. Auch seine Stadt prahlte mit ihrer „steingewordenen“ Vergangenheit, ein Adjektiv aus einem Zitat, das er sehr mochte.
Schon immer war ihm die Vergangenheit beim Schmücken am Heilig Abend so wie jetzt in den Sinn gekommen und hatte ihn begleitet bis die letzte Kugel oder früher der letzte Kringel am Baume hing.
Und er hatte die Atmosphäre genossen, sich darüber gefreut, dass sie es all die Jahre geschafft hatten diese Tradition nicht nur aufrecht zu halten, vor allem mit den Kindern, noch mehr aber sie auch zu genießen, sich nicht beirren oder anstecken zu lassen von der nach seiner Meinung fürchterlichen Amerikanisierung der Festtage und Verkitschung durch Billigprodukte, die er oft auf dem Sperrmüll gefunden hatte, auch den Opfern dieser Konsumschwemme offensichtlich nicht des Aufhebens oder der Pflege wert. Er fand das schade und sehr bedauerlich, hatte Mitleid mit den Käufern, die so nichts besaßen, als den schnöden, glanz- und erinnerungslosen Augenblick.
Nein, so hatten sie es nie gehalten. Sie hatten nur angeschafft, was bleiben konnte und wert war, auf Dauer ihnen Freude bereitete.
„Vielleicht stirbt das alles hier mit mir und ähnlich Gestrickten aus“, dachte er traurig. „Vielleicht geht das, ja wahrscheinlich sogar, so unter wie einst die Kultur der Inkas oder Ägypter. Und dann braucht es wieder Jahrhunderte der Barbarei, bis vielleicht irgendwo neu Kultur entsteht und aufblüht und sich pflegt. Oder diesmal geht alles den Bach runter, für immer. Wer versteht schon, dass wir das Auge des Weltalls sind, mit denen es sich selbst betrachten kann und will, seine Schönheit spüren und das Wunder alles Werdens in seiner unendlichen Zahl an Sonnen, Materie und Geburten von Planeten. Ohne uns verlöre sich doch auch für das Weltall der Sinn seiner Existenz. Es wäre wirklich tod und sich selber fremd.“
Der Mann hatte sich im Alter offensichtlich nicht nur für Geschichte interessiert.
Er hatte bereits früher, auch schon zu seiner Erwerbstätigenzeit, so „schnurrige“ Gedanken, wie seine Frau diese zu benennen pflegte, halb ironisch, halb ehrfurchtsvoll, gepflegt, gedacht und ausgesprochen.
Seine Frau würde heute Abend nicht da sein. So wenig wie seine Tochter oder sein Sohn, auch nicht deren Ehepartner. Alle gestorben, Krebs, Autounfall, Herzinfarkt, alle zu früh, vor allem die Jungen, viel zu früh. Aber auch das war jetzt eine Weile her, die Wunden waren Narben geworden, hart zwar, aber biegsam, in den Bewegungen kaum zu spüren. Enkel gab es keine. Warum auch immer. Pech. Ausgerechnet er, der älteste von ihnen allen, war am Leben geblieben, so wie er auch 5 Brüder und zwei Schwestern überlebt hatte. Warum auch immer. Er wusste es nicht.
„Vielleicht bin ich mit meinen Gedanken ja für dieses All da draußen wichtig“.
Er hatte den Baum fertig und er holte aus der Küche die Silberkanne mit dem Tee, Dresdner Stollen auf einem Schneideholzbrett, das lange Brotmesser, letztes Weihnachtsgeschenk der Frau, zwei Tassen und Kuchenteller, deckte dies auf am Wohnzimmertisch, als wäre seine Frau noch da und würde gleich neben ihm Platz nehmen.
Bedächtig wie er den Baum geschmückt hatte, schnitt er den Stollen für sich auf. Legte ihr und sich jeweils ein dickes Stück hin. Nahm das seine und aß es genüsslich.
Dabei betrachtete er den Baum und lauschte ruhig der Musik, während er sehr langsam kaute und nur ungern das Verschwinden des Stollens in seinem Gaumen zuließ. Am liebsten hätte er jetzt die Zeit angehalten.
Natürlich lagen unter dem Baum Geschenke, so wie früher. Die meisten, auch dies wie früher, in dem schon immer besonders schönen Weihnachtspapier der alten Buchhandlung am Eck. Die anderen Geschenke wurden verhüllt vom dem Glanzpapier einer Drogeriekette, die einen Einpackservice bereit hielt. Natürlich kannte er den Inhalt der Geschenke, hatte er doch alle ohne Ausnahme selber gekauft zu Beginn des Dezembers, auch dies wie schon früher.
Er wollte sich zeit lassen mit dem Auspacken, freute sich aber bereits auf das Lesen und Stöbern in den Büchern, den Duft des Rasierwassers und natürlich hatte er auch ihr wieder ein Parfümfläschen gekauft.
„Vielleicht sollte ich doch mal wieder Tabak besorgen und meine Pfeifen wieder schmauchen,“ überlegte er, denn irgendwie kam es ihm doch so vor, als würde etwas fehlen. Nicht die Familie, die war ja nicht mehr. Das war geklärt und nicht anders zu erwarten gewesen. An Wunder glaubte er schon seit seinen Kindertagen in diesem verfluchten Krieg, den seine eigenen hirnverbrannten Landsleute angezettelt hatten, nicht mehr. Nein, etwas anderes hatte er wohl vergessen, etwas, was ihm möglich gewesen wäre zu beschaffen und jetzt hier bei sich zu haben. Aber ob die Pfeifen ihn da retten könnten?
Nein, das war es sicher nicht.
Während er sich so dem Grübeln hingab und den letzten Bissen Stollen genoss, klingelte es an seiner Haustüre. Ganz entgegen seiner Gewohnheit zuerst aus dem Schlafzimmerfenster nach unten zu sehen, wer da Einlass begehren könnte, ging er direkt nach unten, durchschritt den kleinen Windfang und öffnete die Haustür.
Bis zu dieser Sekunde hatte er sich nicht einmal gefragt, wer da vor der Tür stehen könnte noch war er neugierig darauf gewesen. Das langsame Tempo seiner Handlungen an diesem Abend schienen auch auf sein Gehirn und dessen Geschwindigkeit von Wahrnehmung und Denken beeinflusst zu haben. So kam es, das sein Körper handelte, bevor er darüber nachdenken konnte. Vielleicht geschah es aber auch, weil Klingeln, folgendes sich Erheben und die Treppe hinuntergehen ihn von der Fragerei befreite, was er vergessen haben könnte, was ihm fehlen würde.
Mehr zu seiner Überraschung, denn zum Erschrecken, kam er nicht mehr dazu, die Tür weit zu öffnen und wie gewohnt den Besucher in Augenschein zu nehmen, noch weniger ihn nach seinem Begehren zu fragen. Die Tür wurde sofort nach vorne gedrückt, er mit der Tür gegen den Rahmen der anderen Tür des Windfanges, die in den kleinen Flur mit der Treppe führte, und noch bevor er dieses realisieren konnte, drängten zwei Männer mit Nikolausmasken ihn weiter, die Treppe hinauf, stießen ihn auf das Sofa neben dem Christbaum, bedrohte ihn der eine mit einer Pistole, während der andere sehr hastig alle Schubladen im Raum aufriss, die Vitrinen durchstöberte und schließlich so fortfahrend das ganze Haus durchsuchte, in einen Sack warf, was ihm werthaltig schien, bis er schließlich wieder vor dem alten Mann stand, fragte: “Geld, Scheckkarten?!“
Der alte Mann nickte, zeigte in den Flur, wo sein Wintermantel hing.
„In der rechten Innentasche, in der Brieftasche.“
Als der anscheinend mit dem Rauben Beauftragte zufrieden wieder kam, wollte der nur noch wissen:
„Irgendwo noch Bargeld, Schmuck, Aktien?“
Der Alte schüttelte Kopf.
„Rentner, nix mehr. Schon lange nicht mehr.“
„Sieht man. Ganz schön vertaubt hier. Auf wen wartest Du denn?“
„Warten? Ich? Auf niemand.“
„Verarsch uns nicht. Die zweite Tasse, das Stück Kuchen, na …! Wer ist es und wo!“
„Aber, das ist doch nur für meine Frau.“ Der Alte war verlegen, als wäre es ihm peinlich, dass diese Räuber ihn der Lüge bezichtigten.
„Ja und? Wo ist sie hin, die alte Dame? Oder hast Du alter Bock noch ne Junge?“
Beide lachten und grienten ihn an.
Er schüttelte den Kopf, was immer er damit sagen wollte, ob: „Nein, keine Junge“ oder, „Sie verstehen mich nicht.“
„Alter, los, wo ist die Tante, mach hinne! Wir haben nicht den ganzen abend Zeit!“
„Auf dem Friedhof.“
„Blumengießen am Heilig Abend? Ich fass es nicht. Alter, Du sollst uns nicht anlügen! Der da oben sieht alles und wir erst recht.“
Wieder lachten seine Räuber.
Der alte Mann, und fast ein Wunder war es wohl, dass es den beiden ungebetenen Besuchern gar nicht auffiel, blieb weiter völlig ruhig, fast unberührt, sagte nur leise:
„Nein, sie liegt dort begraben. Sie ist tod. Seit zwanzig Jahren.“
„Und da stellste ihr noch’n Keks hin?“
„Seit zwanzig Jahren, ja.“
Die Männer schüttelten den Kopf, sahen ihn abfällig, wahrscheinlich wie einen an, der ihrer Meinung nach nicht alle Schräubchen grade sitzen hatte, der eine von ihnen suchte dann noch hier und da weiter, schließlich schlug der Bewacher dem Überfallenen und nunmehr Ausgeraubten kurz und heftig auf den Hinterkopf und dann verzogen sie sich. Das alles hatte nicht viel mehr als 5 bis 10 Minuten gedauert.
Der alte Mann lag wohl das Mehrfache an Zeit bewusstlos auf seinem Sofa. Schließlich aber erwachte er, befühlte seinen Kopf, schlurfte langsam und vorsichtig in sein Badezimmer und besah sich im Spiegel. Er fand sein Gesicht blass und die Augen wässrig. Aber so sah es schon länger aus. Der Schlag hatte zwar eine Beule hervorgebracht aber keine blutende Wunde. Damit gab sich der Alte zufrieden und ging in die Küche, entnahm dem Kühlschrank etwas Eis, ging zurück in das Badezimmer, packte das Eis in einen frischen Waschlappen, den er bequem aus der Schublade fischen konnte, da der Räuber sie offen stehen lassen hatte. Mit dem Waschlappen am Hinterkopf ging er zurück in seine Weihnachtsstube und sah auf die Uhr. Eine Stunde noch, dann würde er sich auf den weg machen zur Kirche. Der Gottesdienst begann zwar erst eine Stunde danach, aber wenn er einen Sitzplatz ergattern wollte, musste er früher da sein. In diesem Moment, bei dem Blick auf seine Uhr und das Bild von der Kirche, das sie in ihm auslöste, begriff er, worüber er den Abend über gerätselt hatte. Ja, etwas fehlte, etwas sehr wichtiges hatte er vergessen und dies schon seit geraumer Zeit.
Die Menschen hatte er vergessen, vergessen sie zu besuchen, vergessen sie in seine Rituale ein zu beziehen. Da in der Kirche, da waren sie, die Menschen, aber nicht für ihn. So wie er ja auch nicht wegen ihnen dorthin ging.
Er war einsam geworden, hatte durch Tod und Bequemlichkeit seit Monaten mehr mit anderen Menschen gesprochen, im Höchstfalle mal gegrüßt, an der Kasse „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ gewünscht.
Und er sah sich selber, sah sich wie das All, einsam, ohne Gefährten, ohne Austausch, nur sich selbst erlebend, im blinden Flug der Geschichte, die ein Kreis sein mochte oder eine unendliche Bahn ohne Anfang, ohne Ende, ohne oder mit Gott. Egal, wenn man alleine ist und mit niemanden sprechen kann.
„Wir sind nicht nur das Auge des Weltalls, nein, wir sind auch seine Freunde, Gefährten, Geliebten, ja, das alles sind wir. Ohne uns ist es einsam, leer, vertane, verlorene Zeit im Irgendnirgendwo. Und so bin auch ich heute verloren in der Einsamkeit trotz meiner geheiligten Rituale, meiner Erinnerungen, weil es niemanden gibt, mit dem ich darüber sprechen kann. Ich muss wieder mehr unter Menschen und dort meine Bahnen ziehen.“
Als alter Facharbeiter und Meister war er es gewohnt nach dem Denken nicht lange zu zögern, sondern gleich an die Tat zu gehen. So zog er sich jetzt schon an, ging auf die Straße, beobachtete, ob da ein Mensch sei, den er ansprechen könnte und wenn es um Feuer für die Pfeife sei. An die Räuber dachte er nicht mehr. Sie waren ihm egal. Er hatte eine leichte Beule, an sein Geld auf dem Konto und seine Rente kamen sie nicht ran, anderes Wichtiges hatte er im Schließfach. Was die mitgenommen hatten ließe sich ersetzen. Auch hätte er ja vorher wie sonst auch aus dem Fenster gucken können. Nein, die interessierten ihn nicht, taten ihm, wenn er überhaupt etwas ihnen gegenüber zu fühlen vermochte, eher leid. Arme Gesellen, Idioten, durch die er sich seinen Heilig Abend bestimmt nicht kaputt machen ließ.
In der Kirche angekommen, war er sogar guter Laune und grüßte wie seit Jahren nicht mehr gut gelaunt und mit neugierigen Augen alle Menschen um sich herum. Und als es zum Friedensgruß kam, da lächelte er jedem dem er die Hand gab an und es geschah tatsächlich, dass zwei seiner Banknachbarn mit ihm vor der Kirchentür stehen blieben und sich mit ihm eine Weile unterhielten. Es stellte sich heraus, dass sie seit kurzem erst schräg gegenüber von ihm wohnten und so war der gemeinsame Rückweg eine schnell beschlossene Angelegenheit.
Wieder alleine in seinem Haus war es der Alte zufrieden, räumte auf und beseitigte die Spuren des Überfalls. „Immerhin ein Anfang,“ dachte er, „vier Menschen heute schon, erst die Diebe, na ja, dann die neuen Nachbarn. Mal sehen, was für Menschen mit dies Fest morgen in mein Leben bringt.“
Und so ging er, müde vom Tag, später doch leicht genervt von der Beule beim Einschlafversuch, in sein Bett, froh und erwartungsvoll wie wohl einst die Hirten auf dem Feld, als gemäß uralter Überlieferung der Engel zu ihnen kam und seine Botschaft verkündete.
„Ja, klein ist es das Weltall, für manchen bisweilen zu klein und dann doch wieder auch viel zu groß. Es ist ein, das, unser Weltall halt, einsam und auch nicht, vor allem dann nicht einsam, wenn es durch uns Menschen zu sich selber spricht.“ Mit solchen Gedanken, die sicherlich nicht jedem Menschen, dem er am nächsten Tag begegnen könnte, sofort und leicht einsichtig oder verständlich sein dürften, fand er auf das Gleis eines tiefen Schlafes.
Die Räuber? Die Diebe? Ob er sie nicht wenigstens am nächsten Tag angezeigt hat? Wozu? Es war für ihn so schnell gegangen, dass es ihm nächsten Tag schon so gut wie nicht mehr präsent, ja wie ungeschehen war. Und das der Kopf ihm wehtat? Nun, das geschieht schon mal im Alter. „Schmerzen sind die verlässlichsten Begleiter des Alters“, sagte er immer.
Aber das Geld und was sonst noch geraubt wurde? Das war ihm gleichgültig. Geld kam. Geld ging. Wie so vieles. Die Adventdekoration war ihm geblieben und alles andere war ihm nicht so wichtig. „Was hindert es die Erde an ihren Schönheiten zu wirken und zu gestalten, dass der Mond unbewohnbar und hässlich ist“, pflegte er auch dann und wann zu sagen. Und er war nicht ein Mal beleidigt gewesen, wenn die Gesellen nach so einem Satz leicht genervt nur noch laut „Meisteeeer!“ geschrien hatten.
Gedanken eines alten Mannes am Ende eines sehr langen Weges. Mögen sie ihm und uns gegönnt sein.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Ein Missgeschick am Heiligen Abend


Es war in meinem vorletzten Jahr im Tal auf dem Weg zum Rhein zwischen den sanften Bergen an der Grenze zur Schweiz.
Ich war am Morgen des Heiligen Abends aufgestanden aus meinem Bett und wollte, schlaftrunken wie ich noch war, wohl nach dem Stubenofen sehen, dessen Bestückung mit Kohlen und Briketts aus dem Keller in mein tägliches Aufgabengebiet fiel. Jedenfalls an normalen Wochentagen, wenn Vater und Mutter fort zu ihrer Arbeit waren.
Ich öffnete also die Tür zum Wohnzimmer, war fast schon drinnen, als ich den Tannenbaum und darunter die Geschenke wahrnahm. Fast zeitgleich hörte ich meine Mutter nach mir schreien.
Das Grün des Baumes wirkte matt und stumpf im Tageslicht und war ohne das Leuchten der weißen Wachskerzen bar jeder Festlichkeit. Schnell schloss ich die Tür wieder und wendete mich in Richtung Küche. Meine Mutter stand bereits im Flur, hatte vor Zorn ein rotes Gesicht und schrie mich an.
Was ihre genauen Worte waren, weiß ich nicht mehr. Nur dass die Stimmung den ganzen Tag über verdorben war. Dass sie mir in ihrer Art wohl laut und immer wieder vorwarf, ihr die Stimmung verdorben zu haben und ich kein guter Junge sei, sondern verlogen und verschlagen und womit sie das denn verdient habe. Und dass ich mich gegen den Vorwurf zu verteidigen versuchte, absichtlich und neugierig die an diesem Tag verbotene Tür geöffnet zu haben. Ich wollte wirklich nicht schnüffeln. Es war ein Versehen, es war, weil ich noch nicht ganz wach war und daher nicht daran gedacht hatte, welcher Tag war.
Es war nicht möglich den Eltern das begreifbar zu machen und irgendwann dachte ich, dass es besser gewesen wäre, ihrer Sicht meines Missgeschicks, denn das war es für mich, nachzugeben und den Reumütigen zu spielen.
Bis zu diesem Tag, ich muss in der zweiten Klasse gewesen sein, glaubte ich noch irgendwie an den Weihnachtsmann, wollte an ihn glauben, trotz allerlei verschwörerische Hinweise seitens meiner Schulkameraden- und Freunde. Spielkameraden waren wir noch nicht, die gab es erst in späteren Zeiten. Spielten wir nicht? Damals, in unseren kurzen Lederhosen? Wahrscheinlich nicht. Wir stromerten herum, beobachteten die Erwachsenen und wir lasen, beziehungsweise betrachteten Filmplakate und Comics. Auch hingen wir wohl öfter vor Schaufenstern und wünschten uns etwas von den ausgestellten Waren. Auf jeden Fall nannten wir  uns Freunde, ohne Spiel davor.
Seit der morgendlichen Begegnung mit dem Tannenbaum geriet meine Weihnachtsmannvorstellung gefährlich ins Wanken. Waren es doch die Eltern, die das Zimmer für Heiligabend bestückten?
Auf jeden Fall kam der Abend und ich ging mit noch mehr Angst und klopfendem Herzen nach dem leisen Läuten der Glöckchen an der Hand meiner Mutter in die Stube. Mein Vater schaffte es mit seinem Frohsinn und dem von ihm angestimmten „Oh Tannenbaum“ rasch, die Laune in unserer kleiner gewordenen Familie zu heben. Es war das erste Weihnachten ohne die jüngeren Geschwister, die bereits beide bewegungslos und stumm in einem Krankenhaus lagen, und dann begann, als fast alles wieder gut schien, wie seitdem an jedem Heiligen Abend meine Mutter laut zu weinen und ließ sich nur schwer trösten vom Vater, während ich beruhigt und begeistert meine Geschenke auspackte.
Welche es in dem Jahr waren, weiß ich nicht mehr, nur meine Freude darüber, dass sie mir unter dem Tannenbaum geblieben waren und sich nicht verflüchtigt hatten wegen meines Missgeschickes, was die Mutter mir tagsüber angedroht hatte, daran kann ich mich noch heute gut erinnern. Und des Gefühls meinen Eltern gegenüber, die auf dem Sofa hockten, Mutter in Vaters Arm, weinend, von meinen Geschwistern redend, und nur schwer dazu zu bewegen, sich doch ihr Geschenk einmal an zu sehen, diese beiden, die mir nun ganz sicher die Schenkenden waren, meine Weihnachtsmänner und ich weiß noch, wie mir warm wurde bei diesem Gedanken. Das tröstete mich an dem Abend auch über die von mir so gefühlte Ungerechtigkeit der Vorwürfe hinweg.
So verlor ich zwar den Glauben an den Weihnachtsmann, gewann dafür aber den Glauben an meine so lieb schenkenden Eltern und ich begann sie kindgemäß noch mehr zu lieben.
Selbst heute noch, nach allerlei Streit und neuen „Ungerechtigkeiten“, den späteren Jahren des zornigen Schweigens und immer selteneren Begegnungen, vereint mehr in Verbitterung als in Verständnis und Liebe, lässt mich dieser Abend sie in einem milderen, versöhnlicherem Lichte erscheinen und mich in Gedanken manch Abbitte leisten.
Längst musste ich beide begraben, weit auseinander in zwei verschiedenen Städten und fern den Gräbern ihrer Kinder.

In der Erinnerung dieses Abends aber sind wir auf immer vereint, weinend meine Mutter, tröstend mein Vater, erleichtert ich und in Dankbarkeit ihnen zugewandt.

Ein Geldkoffer in neuen Zeiten


„Dass nicht alles so uneben sei, was im Morgenland geschieht“, an diese ersten Zeilen der Geschichte von Johann Peter Hebel, „der kluge Richter“ in seinem alten Deutschbuch „die Fackel“, musste er denken, als er den geöffneten Koffer voller Geld vor sich sah. In der Geschichte ging es auch um einen Geldfund und wie der Verlierer den Finder zu betrügen versuchte, aber in einem Richter seinen Meister fand.
Der Mann hier hatte kein Tuch mit eingenähtem Geld wie in der Geschichte gefunden, dafür einen Koffer in der Nähe einer Großbank im Park unter einem Gebüsch. Edles Leder, nun verschmutzt und von der nassen Erde verfleckt.
Gefunden hatte er ihn schon vor drei Tagen, aber sich noch nicht getraut etwas von dem Geld zu nehmen. Vielleicht gehörte der ja einer Mafiabande wie in den Nachtfilmen seines Fernsehers.
Heute Morgen dann hatte er einen Artikel im Regionalteil seiner Tageszeitung entdeckt, in dem über genau so einen Koffer geschrieben wurde, unter anderem was für ein Mensch ihn wie verloren hatte. Ein junger Taschendieb hatte den Koffer dem Mann vor der Bank entrissen und war mit dem Fahrrad geflüchtet. Sofort hatten sich mehrere Männer an die Verfolgung gemacht, was den Dieb wohl dazu bewogen hatte sich des Koffers zu entledigen. Jedenfalls hatten sie ihn ohne erwischt und seitdem leugne er, der Dieb zu sein.
Der beraubte Mann hatte daraufhin eine hohe Belohnung für das Auffinden des Koffers ausgesetzt. Am Ende des Artikels war eine Telefonnummer angegeben, bei der man sich melden könne, wenn man nicht die Polizei direkt anrufen wolle.
Der Finder sah den Koffer lange an, nahm einzelne Geldpäckchen heraus, schließlich alle und zählte. Eine Millionen Euro zählte er. So viel Geld hatte er noch nie auf einen Haufen gesehen.
Ob die Scheine wohl registriert waren? Wahrscheinlich. Die machten das heute in jedem Krimi mit Banküberfall so. Andererseits klang der Artikel nicht so, als wenn der Bestohlene zuvor selber die Bank ausgeraubt hätte. Dann wäre er ja kaum noch in Freiheit und könnte eine Belohnung aussetzen.
Überhaupt die Belohnung, 10% der Summe hier. Das waren 100.000 Euro. Auch so viel Geld hatte er zuvor noch nie zusammen gehabt, geschweige denn als Bündel vor sich liegen sehen.
Was tun? Allzu lange konnte er die Entscheidung nicht raus zu zögern. Nicht, dass man ihm noch unterstellt, er hätte das Geld behalten wollen. Andererseits liest nicht jeder Zeitung, aber als er das Radio wie gewohnt zur Nachrichtenzeit anmachte, berichteten auch die über den Diebstahl des Koffers.
Weder Zeitung, noch Radio aber nannten die Summe. Warum wohl? Er wurde nicht so richtig schlau daraus.
Er musste an die Schulbuchgeschichte denken und daran, wie der Verlierer den Finder betrügen wollte. Er hatte behauptet, dass genau jene Summe im Tuch fehle, die er als Belohnung ausgerufen, der Finder sich wohl also schon die Belohnung selber genommen hätte. Der Richter hatte dann aber beiden die Wahrheit zugesprochen, so dass der Verlierer weiter sich gedulden sollte, dass einer mit seiner Summe käme und der Finder sollte das Geld solange behalten, bis einer käme, der seine gefundene Summe vermisste.
„Wie wäre es“, überlegte unser Finder hier, „wenn ich tatsächlich den Geldbetrag vorher entnehme? Bringt man mich vor Gericht, kann ich bestimmt auch die ganze Summe behalten.“
Und so tat er. Er meldete sich telefonisch, gab an, nicht in den Koffer gesehen zu haben, brachte ihn zum dem Bestohlenen, der ihn hereinbat und den Koffer auf dem Wohntisch öffnete. Sofort zählte er 100.000 Euro ab und gab sie dem Finder.
Der ließ sich nichts anmerken und bedankte sich, trank in Ruhe den angebotenen Kaffee aus und wartete. Tatsächlich wurde das Geld gezählt, nicht von dem glücklichen Besitzer, aber von dessen Frau. Und so kam die Differenz heraus.
Und wie von dem Finder nicht anders erwartet, kam es zum Streit, gegenseitigen Vorwürfen und Beteuerungen, wobei er den Finderlohn in der Tasche behielt und sich wie geplant drei Monate später vor Gericht wieder fand, des Diebstahls bezichtigt und auf der Anklagebank.
Der Richter hörte sich beide Versionen über die Höhe des Geldbetrages und den Fund an, fragte wenig zuvorkommend den Finder wieder und wieder aus, der aber standhaft bei seiner Version blieb. Schließlich, als alle Fragen mehrfach ohne neues Ergebnis gestellt worden waren, kam das Urteil:
Der Finder würde des Diebstahls für schuldig befunden, da seine Version wenig glaubwürdig sei, hätte der Dieb doch auf seiner Flucht kaum die Zeit gehabt exakt 100.000 Euro dem Koffer zu entnehmen und außerdem bestreite der das.
Das keinerlei Fingerabdrücke des Finders am Geld oder Innenraum des Koffers sich befänden, wäre eher merkwürdig, da auch sonst keine Fingerabdrücke vorhanden seien, was aber schlechterdings nicht angehen könnte, müssten doch wenigstens die der Bankangestellten, die das Geld hinein gelegt hatten, sich finden lassen. Der Bestohlene jedenfalls sage auf jeden Fall die Wahrheit, dies hätten Belege und die Aussagen der Bankangestellten zur Genüge bewiesen.
Daher würde der Finder aufgrund der Hartnäckigkeit seines Leugnens zu einer Haftstrafe und der Rückgabe des Finderlohnes verurteilt.
Der arme Mann wusste nicht wie ihm geschah, ließ sich verbittert in das Gefängnis bringen und schrieb von dort dem Richter einen bösen Brief, in dem er das Urteil des Richters aus der Erzählung vom Dichter Hebel aufführte und auf dessen Weisheit verwies, die so ganz anders sei als die des von ihm jetzt angeschriebenen Kollegen. Der Richter las den Brief, überlegte lange ob er überhaupt antworten solle, entschloss sich aber dann doch mit leisem Schmunzeln.
„Sehr geehrter Herr X, sie vermissen zu Recht Weisheit in meiner Entscheidung. Die aber brauchte ich ja in ihrem Falle nicht. Nur den gesunden Menschenverstand.
Auch ich kenne diese Schulbuchgeschichte und sie hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass ich meinen Berufsweg in die Juristerei fand.
Ansonsten bleibt mir nur, Ihnen den Hinweis an ihr Herz zu geben: andere Zeiten, andere Menschen. Das werden Sie nach Ihrem Handeln doch bestimmt am besten verstehen. „
Der Finder las das, ärgerte sich sehr, sah sich durchschaut und saß daraufhin brav seine Strafe ab ohne in Berufung zu gehen.

Er versuchte nie wieder schlauer als eine gelesene Geschichte zu sein, kam damit ganz gut zurecht und wurde nie wieder straffällig.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Welche Worte


Es geschah nicht lange nach dem großen Krieg in einer kleinen Stadt der Mittelgebirge. Ein junges Ehepaar, immer noch frisch verliebt und noch frischer verheiratet, wenn auch nur standesamtlich, stand in ihrer kleinen, frisch renovierten Wohnstube vor dem Adventskranz.
Draußen stürmte es mächtig. Immer wieder rüttelten Orkanböen an den hölzernen Fensterklappen und an den Dachpfannen. Dazu schlugen kleine Hagelkörner mit schepperndem Klang gegen alles was aus Blech oder Kupfer am und rund um das Haus war.
Es war zu der Zeit, da die Männer noch dachten, sie wären Haushaltsvorstand, hätten alles zu entscheiden und die wichtigsten Dinge alleine in die Hand zu nehmen.
Uns so stand der junge Mann mit seinem vom Vater geerbten Benzinfeuerzeug vor dem Adventskranz und zündete mit seiner Hilfe langsam und vorsichtig die erste von den vier großen, kugelrunden leuchtend roten Kerzen an. Den kräftigen Kranz aus edlen Tannenzweigen hatten sie gemeinsam ausgesucht. Da waren sie modern. Er wollte einen großen Kranz. Den hatte er bekommen. Sie wollte keinen Schmuck daran, keine Schleifchen und Glitzerbändchen oder gar Lametta wie bei ihren beiden älteren und schon lange mit Kindern gesegneten Schwestern. Und so war es geschehen.
Jetzt beherrschte ein dicker, von den Tannenzweigen kräftig grün leuchtender Kranz, der von der Decke über ihrem Esstisch hing und matt leuchtete vom flackernden Licht der weißen Flamme, den Raum.
Und weil er ja jetzt Ehemann war und ihr Vorstand und überhaupt ein Mann, frisch examinierter Jurist und sie seit Jahren bereits eine fleißig akribische Bankbeamtin mit Weihnachtsgeld und Firmenrente, beide also am Beginn eines danach zu beurteilenden angenehmen Lebens in Sicherheit und Wohlstand, beide sich dessen im Kerzenlicht wohl auch bewusst waren, begann er die, wie er meinte, ihm nun zustehende und wohl auch abverlangte kleine Ermahnungsrede zu halten, aber mehr nachdenklich und besinnlich als ermahnend. In dieser Beziehung zeigte er sich wiederum modern.
„Sieh diese Kerze, Schatz. Sie flackert vor uns her im Dunkeln, bedarf keiner Worte, unserer Worte jedenfalls nicht und doch schwirren uns Bilder und Worte durch Kopf und Herz. Ich zum Beispiel sehe mich wieder als kleinen Bub vor eben diesem Kranze stehen und staunen und fühle mich wieder so angenehm wohl und geborgen, ja sorgenfrei, verstehst? Kein Gedanke mehr an die Mathe-Arbeit und das verflixte Diktat oder an Nachbars Paul und seine Hänseleien auf dem Schulweg. Ich sehe, wie wir im Krieg so wie jetzt dagestanden, einen Moment die Angst vergessen und gesungen haben, die Fenster verdunkelt wegen den Kampffliegern. Und ich sehe dieses Jahr, unser Jahr, wie uns alles so schön gelungen ist und ich sehe uns in ein paar Jahren, in einem wunderschönen Haus mit vielen Kindern vor eben solch einem Kranze andächtig stehen. Ja, diese Adventskerze erleuchtet uns und hilft uns aus der Zeit, schenkt uns Bilder aus Zukunft und Vergangenheit. Hast Du gehört, Schatz. Jetzt habe ich sogar gereimt. Schatz?“
„Ja Liebster?“
„Hörst Du überhaupt zu. Da gebe ich mir so viel Mühe mit meinen Worten und Du!“
„Worte? Was für Worte, Liebling?“
Erschüttert in seiner Männlichkeit sah er sie an, begann aber dessen ungeachtet wie sie schweigend in das Kerzenlicht zu sehen. Nach einer für ihn mehr als langen Zeit des Schweigens und ohne große Gedanken vor sich hin Starrens, dachte er, nicht ohne einen zärtlichen Blick in ihr schein’s träumendes Gesicht zu werfen: „Ja, Worte! Was für Worte?!“
Und so ändert sich bisweilen etwas auf der Welt, einfach so, fast kaum zu merken und doch ist etwas anders geworden. So hat er nie wieder versucht gewichtige und erhabene Worte für seine danach rasch wachsende Familie zu finden. Schaffte es mit der Zeit sogar umgekehrt deren Worte zu erhören. Auch das Anzünden der Kerzen überließ er forthin ihr. Und wenn sie nicht gestorben sind, stehen sie vielleicht tatsächlich in einem schönen Haus, bekommt er noch immer seinen großen Wunschadventskranz und sie den Verzicht auf jegliche Schmückung, stehen sie mit ihren Kindern im Advent stumm und staunend vor ihren flackernden Kerzen und denken gemeinsam an nichts und lassen die Bilder kommen. Ja,
diese Adventskerzen erleuchten sie
helfen ihnen aus der Zeit
schenken ihnen stumm die Bilder
aus Zukunft und Vergangenheit
sind ihnen in des Winters dunkler Nacht

heller Traum, wärmende Gegenwart.

Freitag, 6. Dezember 2013

Auf der Brücke zwischen Leben und Springen


Ich könnte mich jetzt einfach umbringen. Ich könnte von unserer Fußgängerbrücke hier vor mir auf die Schienen springen, die unter ihr kaum merklich zittern von der gerade durchgefahrenen Regionalbahn.
Aufhängen dagegen liegt mir nicht. Weiß nicht warum. Vielleicht weil sich Bekannte von mir und Freunde dafür entschieden. Gute Freunde, gute Bekannte, die uns traurig und vor allem hilflos hinter sich gelassen haben. Immer wieder geschah es in all den Jahrzehnten.
Immer wieder Fragen ohne Antworten, nur Mutmaßungen, ärztliche Hinweise, nichts für unser gewohntes Weiterleben.
Andererseits ist die Fußgängerbrücke zwar schön, weniger schön aber, dass ich nicht weit vom Bahnhof landen würde. Wer weiß, wer das dann alles mitbekäme.
Der Wirt vom Bahnhof hatte sich für das Aufhängen im Flur zu den Toiletten neben seinem Gastraum entschieden. Seine Witwe habe ich gestern noch gesprochen. Nach 5 Jahren gibt sie nun auf, verlässt den Bahnhof, ihre Wohnung dort, die Gaststätte, den Kiosk. Es hat sie zu sehr an ihn erinnert, an ihren zerbrochenen Lebenstraum in dem Bahnhof zusammen alt zu werden.
So verschwindet, was gut war und alle Reisenden erfreute. Und so möchte ich lieber nicht in Erinnerung bleiben, so als Gespenst zwischen liebgewordenen Mauern.
Aber die Brücke reizt mich. Vor Jahren bin ich fast jede Nacht auf sie rauf und wieder runter gefahren. Immer wieder. Es war nach der OP, als sie mit einen Nerv im rechten Fuß eingeklemmt haben und das bei ihren Untersuchungen nicht heraus fanden. Und so schmerzte der Fuß, ließ mich nicht schlafen. Erst wenn ich ihn auf der Brücke genug nieder getreten, schwieg der Schmerz, lange genug für mich, endlich ein zu schlafen.
Oder es ist dieser alte Traum vom Fliegen. Ich sehe gerne den Ski-Springern zu, ihrem Flug von den Schanzen. Zu fliegen wie ein Vogel, oft habe ich es geträumt. Immer wieder in den unruhigen Nächten, wenn der Stress mich nicht aus seinen Klauen lässt. Fliegen, einfach abheben, davon gleiten. Fliegen, ja. Das könnte es sein.
Vielleicht ist es auch nur das Springen, das mich hier anlockt, die Sehnsucht schneller vorwärts und raus aus der Tretmühle zu kommen. Im Springen war ich nie gut, weder weit noch hoch, schon in der Schule nicht, schon gar nicht im Sportunterricht auf dem Sportplatz. Springen statt Stehen, Gehen, ja Kriechen. Springen, nicht schleichen, aufrecht, nicht geduckt und verhockt, die Augen nach oben statt nach unten.
Bisweilen wäre es mir auch ganz lieb ohne eigenen Aufwand in ein Grab getragen zu werden, beerdigt mit leisen Reden und stillen Schluchzern, in Erinnerung bleibend durch die Publizierung meiner Werke durch den Sohn, der das schon länger möchte. Aber ich befürchte, der kommt auch nach meinem Dahinscheiden nicht dazu. Ihm kommt immer etwas dazwischen. Vielleicht ist es ja auch besser so.
Meine Werke? Nun, das sind kleine Texte über die Herkunft und den Sinn von Wörtern, vor allem den neuen Wörtern, die wie Schnee im Winter auf uns kommen in den Medien, den Gesprächen und Liedern. Worte wie „anbaggern“, „relativ“, „shitstorm“, „tapen“, „freisetzen“ oder „Kollateralschäden“. Worte, die sich eingeschlichen haben, ohne dass wir ihre wahre Herkunft oder Bedeutung noch erahnen. Tausende von wunderschönen kleinen Texten habe ich darüber fabuliert, mal bissig, mal zärtlich oder traurig, auch mal wütend und hitzig. In ihnen kann ich heute die Achterbahn unserer und meiner Geschichte ablesen, nach empfinden, wie ich meine Zeit jeweils empfunden habe. Ab und zu habe ich mal ein paar öffentlich vorgetragen, stieß auf Wohlwollen, selten auf Begeisterung. Vielleicht lese ich auch nicht gut genug, zu verklemmt, zu leise, vor allem weil es mir nicht gelingen will das Nuscheln mir ab zu gewöhnen.
In meinen Grabträumen aber sehe ich herrlich gestaltete kleine Bücher, leinengebunden mit Dünndruckpapier und Goldschnitt. Alle haben ein seidenes Lesebändchen. Und ich sehe sie auf Büchertischen liegen, unsere Buchhändlerin höre ich sie empfehlen.
Dann aber, am Ende dieser Träume, fällt mir auf, dass ich als Toter all das ja nicht erleben kann. Es gelingt mir nicht, mich auf eine Wolke zu retten und von dort das Geschehen genüsslich wohlwollend zu genießen. Auch kann ich mir das Dasein auf so einer Wolke nur kalt und zugig vorstellen.
Bin ich endlich aus dem Traum befreit, bleibt mir nur, fest zu stellen, dass es besser ist lebend berühmt zu werden als nach dem Sterben. Denn da ist man einfach tot und kriegt davon nichts mit.
Berühmt? Wenn ich meine kleinen Werke so betrachte, fällt es mir schwer sie in eine einem Buch angemessene Ordnung zu bringen. Es fehlt mir einfach jedes Gefühl für Reih und Glied. Kann mich nicht entscheiden, was davon wohin oder gar nicht hinein kommen sollte. Kann sie nur schreiben, in ihnen den Moment leben und das sehr intensiv. Ein Buch würde sie verändern, sie mir fortnehmen. Es gäbe Anfang und Ende bei ihnen, der Fluss wäre gestoppt. Übrig bliebe ein langweiliges Staubecken, dass nichts mehr mit mir zu tun hätte.
Und so schreibe ich weiter Text nach Text, ohne Rücksicht auf die überbordende Menge an Material für meinen so bemüht denkendem Sohn und seiner Absicht, sie für schöne Buchdeckel zu bändigen.
Irgendwie hält mich das am Leben. Jeder Fluchtversuch in den Tod wird von ihnen abgelenkt in den Genuss des Schreibens, Findens und auch Suchens, denn nicht immer weiß ich den Hintergrund eines Wortes oder seines Ursprungs sofort. Aber ich weiß wie viele Worte es noch gibt, über die ich bisher keine einzige kleine Zeile geschrieben habe.
Das also hindert mich am Springen, ist diese Fußgängerbrücke auch noch so schön und wenn ich sie aussuchen müsste unter unzähligen anderen, es nur sie sein dürfte, mir den Flug zu ermöglichen, diese fliegenden Sekunden vor dem Aufprall auf den Schienen.
Unter anderem hindert es mich.
Ein paar Kilometer weiter von hier in Richtung Süden befindet sich eine Schienenkurve, die leicht dort und sanft in Richtung unseres Städtchens sich biegt. Dort werfen sich fast schon traditionell die Selbstmörder unsers Landkreises vor die Züge, was des Öfteren zu unvorgesehenen Verspätungen führt und die Begeisterung über die Strecke bei den Lokomotivführern, falls die heute noch so heißen, in Grenzen hält. Wenn ich an die armen Männer denke, vergeht mir sogar die Lust auf das Fliegen. Die meisten müssen danach ins Krankenhaus und manche müssen ihren Beruf aufgeben. Das will ich nicht bewirken.
Also kein Sprung von der Brücke, wobei ich ehrlich auch nicht wirklich glaube, dass ich springen könnte. Genauso wie beim Autofahren.
Im Auto auf meinem täglichen Weg zu unserem Nachbarstädtchen und zurück zu meiner Familie zweigeschossigen Bleibe sind mir das erste Mal solche Gedanken gekommen. Was wäre wenn ich jetzt einfach gegen einen Baum rase oder gegen den großen LKW, der da vom Wind geschüttelt mir entgegen kommt?
Absichtlich ausscheren wie der Türsteher unserer Discothek, der mit seinen kaputten Knochen als ehemaliger Sportler nicht mehr weiter Teens und Twens ein- und auslassen mochte. Der hatte einen Freund als Beifahrer mitgenommen in den Tod, war einfach auf die Gegenfahrbahn gebogen, hatte dort einen PKW voll erwischt. Überlebt hat keiner von ihnen.
Dabei war der immer ein netter Kerl gewesen. Und dann sowas.
Nein, nicht abbiegen, andere mitnehmen in den Tod. Vielleicht, ja wahrscheinlich wollen die das in dem Moment gar nicht, vielleicht viel später einmal. Wer weiß. Wie soll ich das hinter meiner Windschutzscheibe entscheiden. Herr über Leben und Tod, nein, das war noch nie mein Bestreben.
Trotzdem waren da diese kleinen grauen Gedanken, wie Schatten meiner kleinen Texte, Fußabdrücken gleich, hartnäckig bohrend, wie Fliegen, die sich nicht fangen und vertreiben lassen. Wie wäre es, wenn ich nur in Gedanken von der Fahrbahn, meiner Spur, abkomme und dann …? Im Ergebnis gleich. Nicht ganz, ich würde zutiefst erschrocken aufschrecken, für den Bruchteil einer Sekunde vielleicht und dann wäre es schon vorbei.
Zu gefährlich für andere Verkehrsteilnehmer. Aber die Brücke ist ja auch nicht ideal. Hängen mag ich nicht. Gift ist mir zu rational, würde von mir verlangen kalt und berechnend vor zu gehen. Aber darum geht es mir ja nicht. Es geht um das halb bewusste Schweben, meine Sehnsucht, sanft zu entschlafen, einfach davon zu gleiten.
Und weiß doch nicht, warum eigentlich so eine Sehnsucht in mir herum schwirrt und mich bisweilen ansticht. Ist das bei allen so, haben auch andere bisweilen solche Gedanken? Ist es Sehnsucht oder doch nur Angst vor Tod und Sterben, Angst davor, dass es über Demenz, langes Siechtum oder tagelange böse Schmerzen auf uns zukommt?
Meine Textarbeiten helfen mir da nicht. Sie antworten nicht auf Menschen, nur auf ihre Sprache. „Suizid“ neutralisiert alles, enthebt es von der Dramatik der Betroffenen. Bei den Spaniern dagegen klingt ihr „suicidio“ fast heiter. Das nur auf Deutsch zusätzlich und eigenständig benutzte „Selbstmord“ kommt dagegen juristisch daher und verurteilt im zweiten Teil des Wortes eine Handlung, die vor Gericht eventuell noch als „Tötung im Affekt“ davon käme.
Was sagt das über mein Volk, wenn es als einziges ein solches Wort benutzt? Oder ist es nur ein Zeichen unserer Angewohnheit alles bürokratisch exakt zu bezeichnen, juristisch geprüft und staubtrocken genug für möglicherweise sich daraus ergebender und anzumeldender Ansprüche, von welcher Seite auch immer?
Zeigt sich hier, wie wenig unser staatliches und sprachliches Leben die Trennung von der Kirche im öffentlich-rechtlichen Leben durchzusetzen vermochte?
Selbstmörder sind in der christlichen Religion nicht vorgesehen und Selbstmord gleichgesetzt mit der Abtreibung, auch so ein merkwürdig typisches Deutsch. Selbstmörder dürfen nicht zwischen den ansonsten, egal ob dahin gemordet, verunglückt oder durch Krankheit Dahingeschieden, mit Stein und Kränzen Beerdigten ihren Platz einnehmen.
Für Abtreibung benutzen andere in Europa vor allem den Stamm „Abort“, was dann doch viel anders klingt. Über „Abtreibung“ wurde mein Text vor Jahren schon sehr viel länger als sonst, da es mir wie ein „No-Go-Wort“ daher kam, eines, das keiner Nachfrage stand hält.
Abtreiben ist schließlich eher ein Vorgang auf dem Wasser, von Wellen, Strömung und Wind begünstigt. Was die aber bei einem „Schwangerschaftsabbruch“, wiederum ein wunderbar bürokratischer Begriff, zu suchen haben, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.
Also, ich springe nicht. Heute nicht und wahrscheinlich auch nicht morgen. Meinen eingeklemmten Nerv haben sie nach zwei Jahren ja auch endlich gefunden und befreit. Seitdem kann ich ohne Brückentraining schlafen, setze zwar dadurch mehr an und werde wieder kurzatmiger. Aber das liegt auch am Rauchen, meiner Form des bequemen „sucidio“, dessen Folgen vielleicht, laut Statistik eher wahrscheinlich, unangenehm sein dürften, mich aber nicht heute treffen. Also lieber rauchen als abfliegen von der Brücke. So bin ich eben. Damit muss ich, will ich leben. Ja, will! Doch.
In diesem Moment jedenfalls, mich jucken da noch so ein paar Worte und meine kleine Familie hängt auch noch an mir, trotz meiner Anhäufung von kleinen, von niemand nachgefragten Textchen. Und wie könnte ich denen Kummer bereiten.
Ihre Tränen möchte ich nicht „provozieren“, auch so ein Wort für das sich eine Betrachtung meinerseits lohnt.
In diesem Sinne mit mir und der Brücke zufrieden gehe ich nun weiter gestaltend meine Stunden die Brücke hinauf, den Zügen hinterher zu schauen in der Hoffnung, dass heute sich keiner ihnen vor die Lok werfen möchte. Es glitzern mir hier die Schienen wunderbar hinauf. Irgendwo müssen auch sie enden, ist Schluss mit der Weiterfahrt der Züge. Irgendwo, jeden Tag, in dieser Stunde, dieser Minute endet eine Strecke. Meine aber, so hoffe ich, noch länger nicht. Beim Verlassen der Brücke, mit jedem Schritt nach unten, spüre ich Erleichterung, sogar meine Lunge scheint sich vom Teer befreien zu können und unten, ja unten angekommen bei der letzten Stufe, fühle ich mich so leicht, als würde ich fliegen und nicht länger angepresst von der Erdanziehung auf dem verkiesten Weg bis zur Kreuzung meine bis hierhin dahin gelebten Jahrzehnte vorwärts quälen.

Donnerstag, 28. November 2013

Diese Menschen


Nikolaus und Knecht Ruprecht glaubten ihren Ohren nicht. Hatte der Erzengel Gabriel wirklich gerade zu ihnen gesagt, sie würden altersgemäß in den Vorruhestand „erhoben“ und durch Superman und Batman ersetzt?
„Und was sagt er da oben dazu?“
„Alles abgeklärt und von ihm genau so und nicht anders gewollt, Ruprecht. Ja, ja, er sagte es schon, mit Dir würde das nicht so einfach werden!“
„Wieso?“
„Ja, bist halt doch ein widerspenstiger Gesell, allzu sehr dem Kritikasten verfallen, gell?“
„Was redest Du für‘n Schmarrn mit mir?“
„Lass Ruprecht, die wollen uns nicht mehr. Der da oben will wohl auf Zeitgeist spielen, seine Kirchen werden ihm zu leer.“ Der Nikolaus ließ sich resignierend auf den großen Sack fallen, den Ruprecht neben ihm abgestellt hatte.
„Und das Christkind?“
„Was soll mit dem sein, lieber Ruprecht?“
„Wird das auch schon …?!“
„Nein, wo denkst Du hin, dafür ist es doch noch viel zu jung. Nein, wir haben ihm eine Auszeit gegönnt. Nach den vielen Jahrhunderten wohl auch mal Zeit. Es tritt gerade eine wundervolle Kreuzfahrt mit dieser AIDA an. Bestimmt kann es da eine Menge über die Wünsche von heute lernen, so nebenbei, neben dem Erholen, meine ich. Die sollen sogar Las Vegas auf ein Schiff verfrachtet haben mit allem Drum und Dran. Da brauchen die Passagiere nicht mal mehr Landausflüge über sich ergehen lassen. Alles steht ihnen auf dem Schiff jederzeit zur Verfügung. Der Weihnachtsmann übrigens ist, nur so nebenbei, ganz friedlich in seinen Vorruhestand abgedüst. Könntet Ihr doch auch so machen!“
„Was steht ihnen zur Verfügung: Land und Leute oder nur die Glücksspielattraktionen? Und so nimmt das Christkind nach Eurem Willen eine Auszeit?“, Ruprecht konnte es nicht fassen.
„Und die Kinder der Menschen da unten, ihre Eltern?“
„Die warten doch sowieso lieber auf ihren Superman und diesen Batman.“
Nikolaus zog Ruprecht am Arm.
„Lass, wenn es der Herr denn so will!“
„Niko, die Kinder, ihre Eltern! Das kann er nicht wirklich wollen!“
Gabriel schob sich zwischen die beiden.
„Ruprecht, was soll mit den Kindern und deren Eltern sein?“
„Die werfen wir jetzt diesen Konsummaschinen zum Fraß vor. Gabriel, was sollen die denn von uns denken, wenn selbst wir uns diesem Konsumterror beugen? Was?“
„Sich freuen halt, auf Superman und Batman! Sonst bleibt doch alles wie gehabt: Sack auf, Geschenke raus, Sack zu und ab.“
„Aber ohne meine mahnenden Worte!“
„Wie kommst Du darauf: das macht jetzt der Batman, passt doch gut, der mit seinem tiefschwarzem Umhang.“
„Batman?“
„Ja!“
„Und er da oben glaubt wirklich, so wären sein Nikolausabend und sein Heiligabend zu retten, seine so heiß geliebte Advents- und Weihnachtszeit?“
„Ja, er ist völlig überzeugt davon und schon ganz aufgeregt, wie es ablaufen wird.“
„Und die Kirchen würden so wieder proppe voll?“
„Ja, unsere Untersuchungen deuten so ein überaus positives Ergebnis an.“
„Untersuchungen?“
„Ja, haben wir extra in Auftrag gegeben da unten bei einem führenden …“
„Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Ist doch klar, dass so ein Ergebnis dabei rauskommt. Die leben doch von der Konsumindustrie!“
„Auch wenn wir hier im Himmel sind, Ruprecht, wäre es nett, wenn Du mich ausreden lassen würdest.“
„Niko, komm! Die können mich mal. Ich fahre nach unten und beginne mit der Bescherungszeit!“
„Halt Ruprecht! Superman und Batman sind schon unterwegs!“
„Na und? Auf die warten weder die Kinder noch ihre Eltern! Die wollen von uns ihre Figuren haben, ja, auch Superman und Batman. Aber von uns, als Spielzeugfiguren und nicht als Ersatz für uns und das Christkind!“
Jetzt verfluchte Gabriel, dass er sich bei dem da oben kein Handy genehmigen lassen hatte. So musste er barfuß hinauf eilen und völlig außer Atem berichten.
Die Antwort, die er danach erhielt, machte selbst ihn sprachlos.
„Lasse sie doch, lieber Gabriel. Die da unten pflegen die Marktwirtschaft und den freien Wettbewerb. Lass uns sehen, wie Nikolaus und Ruprecht sich schlagen.“
„Aber die Kinder …!“
„Die werden mit ihrer Marktmacht entscheiden, lieber Gabriel.“
„Wenn die da unten wüssten“, dachte der Erzengel zähneknirschend und ausnahmsweise mal in den letzten Jahrtausenden an seinem Herrn leicht aber doch etwas immerhin zweifelnd.
Zu seiner mehr als großen Überraschung kamen Nikolaus und Ruprecht nach dem 6. Dezember froh gelaunt und zu Scherzen aufgelegt zurück.
„Na, wie ist es gelaufen? Ich kann Euch nur sagen, Glück habt ihr gehabt, viel Glück, dass er da oben Euch das durch gehen ließ.“
„Nein, Gabriel, Glück haben wir gehabt, weil die Menschen uns haben wollten und nicht Superman und Batman als unseren Ersatz. Bisweilen solltet ihr hier oben denen da unten doch mal ein wenig mehr vertrauen.“
„Vertrauen, denen, die mit ihrer Geldgier seinen Planeten zerstören, seine Kinder verhungern lassen oder in Kriegen fürchterlich ermorden? Denen?“
Der Erzengel war außer sich.
„Ja, stimmt, Gabriel, das richten die an und noch Schlimmeres. Aber in ihrem tiefsten Herzen ist immer noch ein Kern, der Anlass zur Hoffnung gibt. Und deswegen wollen sie uns zum Nikolaustag und nicht irgendwelche ihrer von ihnen selbst gebauten Helden.“
„Bist Du Dir da ganz sicher Nikolaus?“
„Wir haben es gerade hinter uns, Gabriel. Am besten Ihr sagt dem Weihnachtsmann und dem Christkind schon mal Bescheid das nichts ist mit einer Auszeit. Da unten werden sie sehnsüchtig erwartet.“
Knecht Ruprecht sah Gabriel fröhlich und voll des Triumphes schelmisch an.
„Ja, und wie, dass glaubst Du nicht, wie sie die beiden zur Tür hinaus gejagt haben, zurück in die Kamine geschossen, die Treppen runter geworfen, aus den Kaufhäusern vertrieben mit Wachen und harten Knüppeln. Die sehen jetzt aus wie gerupfte Gänse mit arg verbrannten Federn und haben sich in Batmans Höhle verkrochen, weigern sich laut jammernd und klagend  jemals wieder als unser Ersatz hervor zu kommen.“
"Superman und Batman, klagend, jammernd, sich verkrochen?"
„Ja, und das war ein Spaß wie lange nicht. Sogar die Kinder haben sie ausgepfiffen und sich über sie lustig gemacht."
"Die sahen zum Schluss aber auch aus und wie die zitterten!"
Der Nikolaus konnte sich nun ebenfalls ein prächtiges Grinsen nicht mehr verkneifen. 
„Aber meine Herren, wir sind hier im Himmel! Wenn er solche hämischen Worte von ihnen da oben hört!“
Aber Gabriels Warnung kam wohl zu spät, denn von oben, von ganz weit oben, da ertönte ein großes Gelächter wie es der Himmel schon seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt hatte und es war von der Art, dass es alle ansteckte bis nach Nikolaus und Ruprecht auch der Erzengel Gabriel lachte, so lange und heftig lachte, bis Petrus selber laut lachend darum bat, endlich inne zu halten, er könne nicht mehr vor Lachen.

„Diese Menschen,“ gnugste und gniggerte Gabriel noch eine ganze Weile. „Diese Menschen!“

Brennende Geduld frei nach Brecht


Und dann war da noch der alte Weise, der, weil er bereits heilig war, als einziger noch lebend in dem abgebrannten Haus gefunden wurde. Ansonsten nur Leichen, vom Parterre bis zum Penthouse, alle Bewohner verkohlt, inmitten der Asche ihrer geliebten Einrichtungsgegenstände.
Auf die mehr und mehr genervten Nachfragen der ermittelnden Polizei hin erzählte der Weise schließlich leise, wie er mehrfach, dabei erhob er seinen Zeigefinger gen Himmel, wie gesagt mehrfach, die Bewohner auf den beginnenden Brand hingewiesen habe, aber keiner bereit gewesen wäre, das Haus zu verlassen, bis er schließlich verzweifelt alle Stockwerke abgerannt sei, wenigstens ein paar oder zumindest einen von ihnen zu retten.
Was diese denn für Gründe angegeben hätten für ihr Verbleiben? „Viele, “ seufzte der Weise, „zu viele“.
Der älteste Polizist trat an den Heiligen heran und versuchte ihn zu trösten.
„Das hier kenne ich von Brecht. Sie sind da offensichtlich nicht allein.“
„Wenn es denn nur bei Brecht bliebe, sehen sie, um uns herum brennt es auch bereits und wir kümmern uns um alte Asche und Argumente von Leuten, die aus Furcht etwas zu verlieren und sei es nur ihre Bequemlichkeit, alles verloren haben.“
Erschrocken drehten sich alle um und tatsächlich, sie waren bereits fast von den Flammen umzingelt. Aber keiner machte sich auf, den letzten freien Weg zur Flucht zu nutzen.
„Was erwartet uns dahinter? Heiliger, können sie uns das sagen?“
„Hier, das kann ich euch sagen, erwartet Euch der Tod, “ und er dachte still bei sich: „Nicht schon wieder, wird langsam langweilig.“ Wie man sieht, verfügen auch die Heiligen und Weisen nicht über unbegrenzte Geduld.

Freitag, 15. November 2013

Weit weg von uns


Alle im Dorf nannten die beiden seit ewigen Zeiten Pat und Patachon, nach alten Stummfilmchen im Fernsehen. Wie sie richtig hießen wusste hier kein Mensch mehr, vielleicht noch der Pastor, der hier alle 14 Tage die Messe las.
Ihr Dorf war eigentlich gar kein Dorf, denn der einzige Bauernhof war der von Pat und Patachon und die und deren Eltern hatten den Leuten aus der Stadt die Felder verkauft für ihre hübschen Häuschen und Gärten. So war mit der Zeit eine Siedlung gewachsen, die heute sich Dorf nennen durfte mit Dorfbürgermeister, neuer Dorfkirche und Dorfkindergarten in dem alten Bauerngarten. Alle Straßen wurden abends großzügig beleuchtet, die Kanalisation war perfekt und sie hatten sogar schnellen Internetzugang. Das Dorf hatte den Namen „Heimlingen“ erhalten, womit auch alle recht zufrieden waren. Was ihnen nun noch fehlte war eine eigene Dorfschule.
Pat und Patachon hatten viel Geld für den Ausbau der Kirche und den Kindergarten gespendet, ansonsten aber mit dem vielen Geld von den Verkäufen nichts anfangen können. Dafür hatte der Filialleiter der Sparkasse ein paar Ideen gehabt. Nicht alle waren gut gewesen und so blieb den Beiden nicht viel von ihrem Vermögen. Ihnen war es recht, mussten sie sich so keine weiteren Gedanken über das Geld machen. Sie gingen viel lieber Arbeiten, da sie aber nichts gelernt hatten konnten sie nicht in der Stadt arbeiten an Arbeitsplätzen wie ihre Dorfbewohner. Dafür pflegten sie deren Gärten, führten in den Häusern kleinere Reparaturen aus und halfen auch bei den Neubauten als Handlanger.
Eines Tages aber, zur Mittagszeit, rannte ein kleines Mädchen schreiend durch das Dorf, lief die geraden Straßen kreuz und quer, fand nicht sein Elternhaus, da die Straßen doch recht ähnlich aussahen. Schließlich lief es Pat und Patachon in die Arme. Obwohl es noch mehr schrie, trugen diese das Mädchen in ihr Bauernhaus und bald schon war nichts mehr von dem Mädchen zu hören.
Die Dorfbewohner, die gerade frei hatten oder zu Hause geblieben waren, weil sie eine Krankheit hatten oder der Arzt sie einfach mal krankgeschrieben hatte, hörten das Schreien des Kindes zwar, dachten sich aber nichts dabei und sahen auch nicht auf der Straße nach. Kinder schrien nun mal.
Ein paar Wochen darauf lief ein anderes Kind schreiend durch die Straßen. Diesmal kamen einige Anwohner vor die Tür, weil sie sich in ihrem Mittagsschläfchen gestört fühlten. Zwei Männer hatten sogar ihre Luftgewehre aus dem Schützenverein unter dem Arm. Eine ältere Frau schließlich fing das Mädchen ein und nahm es zu sich nach Hause. Dort berichtete das Mädchen so Ungeheuerliches, dass die Alte vor Schreck es zuerst nicht glauben mochte. Dann aber handelte sie energisch. Sie rief die Polizei an und berichtete, was das Mädchen erzählt hatte. Die Polizei reagierte sofort, fuhr mit mehreren Polizeiwagen und dem SEK auf den Hof von Pat und Patachon und durchsuchte das Bauernhaus. Pat und Patachon verfrachteten sie in das Gefängnis der Stadt.
Den Polizisten gelang es zwölf kleine Kinder aus den alten Ställen zu befreien. Das Dorf erfuhr davon noch am gleichen Tag, da die Polizisten sich im Dorf auf die Suche nach möglichen Eltern machten. Zuerst waren sie nicht sehr hoffnungsvoll, da es keine Vermisstenanzeigen gab aus dem Dorf. Dann aber meldeten sich doch mehr und mehr verstörte Eltern, die ihre Kinder nicht in deren Kinderzimmer und vor den Computern gefunden hatten und nun sehr in Sorge waren. Mit der Zeit meldeten sich so viele Eltern, dass mehr Kinder vermisst wurden als die Polizisten gefunden hatten. Aufgrund von Hinweisen der Kinder begann daraufhin eine große Grabungsaktion rund um das Bauernhaus. Auf diese Weise fanden die Polizisten auch den Rest der Kinder und bald schon hatten sie alle zu den Eltern zugeordnet, was aber nicht einfach war. Die Eltern konnten sich nur ungenau an das Aussehen erinnern. Aber Dank Gen-Tests war das keine große Hürde für die Polizei.
Das Dorf war nun entsetzt über Pat und Patachon und deren Verbrechen und viele meinten, denen noch nie getraut zu haben, zwei Männern ganz ohne Frauen.
Die Polizei versuchte in den Vernehmungen der Eltern heraus zu finden, warum sie die Kinder nicht vermisst hatten. Aber alle fragten nur ihrerseits: „Wann denn? Warum denn? Die hatten doch alles, Zimmer, Essen im Kühlschrank, Mikrowelle, Spielsachen, Computer, Spielconsole, einfach alles und dazu jede Menge an Freiheit!“
Der Bürgermeister seinerseits verbrauchte viel Kraft um die Polizei dazu zu bewegen, die Fragen sein und sein Dorf wieder in Ruhe zu lassen. Es sei doch nicht viel passiert, die Täter gefasst, alle könnten wieder ruhig schlafen, also was wolle man noch.

Das Dorf liegt sehr weit entfernt von hier und nur so ist es mir erklärbar, was dort geschah. Bei uns unvorstellbar, so etwas. Als wenn unsere Eltern nicht mehr wüssten, was ihre Kinder treiben.
Was die beiden Täter zu den scheußlichen Verbrechen getrieben und was sie mit den Kindern angestellt haben? Besser, Sie wissen es nicht und werden es nie erfahren, liebe Leser, glauben sie mir. Sie wollen das gar nicht wissen, es würde sie verfolgen bis an ihr Lebensende, jede Nacht.
Seien wir lieber froh, dass es so weit weg von uns geschah und kümmern wir uns lieber um unsere Kinder.

Donnerstag, 14. November 2013

Mangelnde Erkenntnis


Kaum hatte Eva Adam den Apfel gegeben und er ein großes Stück heraus gebissen, da bekam er schon zu ihrer und seiner Überraschung einen großen Ständer. Beide wussten zuerst überhaupt nichts damit an zu fangen. Vorsichtig näherten sich ihnen die Tiere, die ebenfalls durch den Apfelklau neue Gefühle bekamen und hofften, die beiden Menschen da könnten ihnen zeigen, was damit an zu fangen sei.
Zu Evas Entsetzen kam Adam recht schnell auf eine Idee, die ihr aber gar nicht behagte. Er bekam große gierige Augen, als wäre sie nun für ihn der Apfel. Als er sie zu sehr bedrängte, floh sie in ein Gebüsch, sich dort mit Blättern zu bedecken. Das hatte sie nie zuvor getan und wusste auch jetzt nicht so richtig warum. Aber es schien zu helfen. Adam beruhigte sich etwas, wenn auch der Ständer unverändert zu ihr hinwies.
Die Tiere hatten das gesehen, die Weibchen zierten sich wie Eva und die Männchen umrundeten sie ratlos.
Adam gab nicht auf, entfernte die Blätter von Eva, sprach sanft zu ihr hin und streichelte sie.
Eva war enttäuscht. Wo war nur der nette Spielkamerad geblieben? Seine Grabbelei auf ihrer Haut wirkte fremd und ungewohnt. Mit der Zeit aber zeigte sich eine ihr völlig neue Wirkung. Sie sehnte sich nach ihm, nach seiner Berührung und schließlich taten sie, was auch den Tieren rund um sie herum eine Lösung dieser völlig neuen Probleme im Paradies beschwerte.
Als Adam schließlich von Eva abließ, bedeckte auch er sich mit Blättern und schämte sich. Eva tat ihm nach und hatte das Gefühl, das irgendetwas fehlen musste bei diesem neuen Spiel. Im Gegensatz zu ihm fühlte sie sich nicht müde und zufrieden. Schlimmer noch. Adam schlief einfach neben ihr ein, als wenn es nichts zu besprechen gäbe und sie musste alleine vor sich hin denken.
So entdeckte der Alte sie am nächsten Morgen, bemerkte sofort, dass auch bei den Tieren nichts mehr war wie zuvor, dachte sich sein Teil und vertrieb die ganze Horde aus dem Paradies. Bei seinen Äpfeln war er nun mal sehr eigen.
Eva schnallte als erstes, das dieses merkwürdige Spiel Nachwuchs in ihr reifen ließ und noch vor ihr hatten viele der Tiere plötzlich Junge.
Adam fand das aufregend und bedrängte sie Tag und Nacht. Schließlich willigte sie ein, fand auch heraus, wie sie auch auf ihre Kosten kommen konnte. Vor allem aber hoffte sie, auf diese Art zu einem männlichen Wesen kommen zu können, dass sie wirklich lieben konnte. Adam ging ihr nämlich ziemlich auf den Geist, allein der Mangel an Auswahl ließ sie bei ihm bleiben.
Und Adam? Der träumte von einem schönen Mädchen, dass sie ihm gebären würde, einem Mädchen, dem er seine ganze Liebe schenken könnte. Eva, das spürte er, war dazu nicht das ideale Objekt.
Den Tieren waren diese menschlichen Vorbilder bald suspekt und sie trieben es auf ihre Weise und waren sich bald darauf selbst genug.
Nur bei den Menschen hofften die Paare, wenn auch bald schon mit größerer Wahlmöglichkeit im Angebot der Partner, in ihrer Not noch immer auf die Kinder und dass sie diese dann lieben könnten, viel mehr als ihre Partner. Und da sie trotz vielfacher Bemühungen bis heute nicht ausgestorben sind, träumen sie auch wohl heute noch vor allem von ihrer Nachkommenschaft in den schönsten Tönen. Die sollten es einmal besser haben.
Der Alte aber in seinem Paradies besah zweifelnd den Baum der Erkenntnis und dessen Äpfel. Wirkten die Äpfel doch nicht so richtig oder hatten die beiden einfach nur zu wenig vom Apfel gegessen? Auf jeden Fall hatte er sich viel mehr von deren Wirkung versprochen.