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Sonntag, 12. Januar 2014

Mauern wir Dir



Mauern Dir sein auf allen Wegen
Stütze Halt
Teil zu sein von Deinen Stegen
warm und kalt

Sicherheit und Schutz Dir gebend
Tag und Nacht
sind stets wir Dir Teil und Ganzes
darauf bedacht

das aus unserer Mauerwerke Kraft niemand
Dich kann verbiegen
keine Steine herausgelöst aus unseren Fugen
gegen Dich fliegen

sind wir Dir Mauern auf allen Wegen
Stütze Halt
Teil wie Ganzes von Deinen Stegen
warm und kalt

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014


Freitag, 15. November 2013

Zwischen Pflicht und Traurigkeit ein Jahr


was uns, wo gehen, stehen
wir, da es zum Ende drängt
das Jahr mit unseren Tagen
den Stunden wie im Märchenschrein
dieses Lächeln
voller Sonne
nicht mal
das Laub mit seinem Farbgewitter
bei uns bleibt
was beten wir, was kauen
unsere Kiefer schwer
zwischen den Wänden
laut die Fernseher
überschwemmen uns Katastrophen
das Leid der Welt
beim Abendbrot
fragen unsere Kinder
nach mehr Taschengeld
und was
ist ein Grammophon
das uns, in
unseren eigenen vier Wänden
beginnt draußen
die Treibjagd
Jagdsaison
auf allen Kanälen
viele die jetzt frieren
mancher Abschied
beschert den Friedhofsgärtnern
kräftigen Umsatz
während wir
das Jahr zu Ende zählen
den Adventskranz aufstellen
unsere Tränen aufteilen
zwischen Pflicht und Traurigkeit

Weit weg von uns


Alle im Dorf nannten die beiden seit ewigen Zeiten Pat und Patachon, nach alten Stummfilmchen im Fernsehen. Wie sie richtig hießen wusste hier kein Mensch mehr, vielleicht noch der Pastor, der hier alle 14 Tage die Messe las.
Ihr Dorf war eigentlich gar kein Dorf, denn der einzige Bauernhof war der von Pat und Patachon und die und deren Eltern hatten den Leuten aus der Stadt die Felder verkauft für ihre hübschen Häuschen und Gärten. So war mit der Zeit eine Siedlung gewachsen, die heute sich Dorf nennen durfte mit Dorfbürgermeister, neuer Dorfkirche und Dorfkindergarten in dem alten Bauerngarten. Alle Straßen wurden abends großzügig beleuchtet, die Kanalisation war perfekt und sie hatten sogar schnellen Internetzugang. Das Dorf hatte den Namen „Heimlingen“ erhalten, womit auch alle recht zufrieden waren. Was ihnen nun noch fehlte war eine eigene Dorfschule.
Pat und Patachon hatten viel Geld für den Ausbau der Kirche und den Kindergarten gespendet, ansonsten aber mit dem vielen Geld von den Verkäufen nichts anfangen können. Dafür hatte der Filialleiter der Sparkasse ein paar Ideen gehabt. Nicht alle waren gut gewesen und so blieb den Beiden nicht viel von ihrem Vermögen. Ihnen war es recht, mussten sie sich so keine weiteren Gedanken über das Geld machen. Sie gingen viel lieber Arbeiten, da sie aber nichts gelernt hatten konnten sie nicht in der Stadt arbeiten an Arbeitsplätzen wie ihre Dorfbewohner. Dafür pflegten sie deren Gärten, führten in den Häusern kleinere Reparaturen aus und halfen auch bei den Neubauten als Handlanger.
Eines Tages aber, zur Mittagszeit, rannte ein kleines Mädchen schreiend durch das Dorf, lief die geraden Straßen kreuz und quer, fand nicht sein Elternhaus, da die Straßen doch recht ähnlich aussahen. Schließlich lief es Pat und Patachon in die Arme. Obwohl es noch mehr schrie, trugen diese das Mädchen in ihr Bauernhaus und bald schon war nichts mehr von dem Mädchen zu hören.
Die Dorfbewohner, die gerade frei hatten oder zu Hause geblieben waren, weil sie eine Krankheit hatten oder der Arzt sie einfach mal krankgeschrieben hatte, hörten das Schreien des Kindes zwar, dachten sich aber nichts dabei und sahen auch nicht auf der Straße nach. Kinder schrien nun mal.
Ein paar Wochen darauf lief ein anderes Kind schreiend durch die Straßen. Diesmal kamen einige Anwohner vor die Tür, weil sie sich in ihrem Mittagsschläfchen gestört fühlten. Zwei Männer hatten sogar ihre Luftgewehre aus dem Schützenverein unter dem Arm. Eine ältere Frau schließlich fing das Mädchen ein und nahm es zu sich nach Hause. Dort berichtete das Mädchen so Ungeheuerliches, dass die Alte vor Schreck es zuerst nicht glauben mochte. Dann aber handelte sie energisch. Sie rief die Polizei an und berichtete, was das Mädchen erzählt hatte. Die Polizei reagierte sofort, fuhr mit mehreren Polizeiwagen und dem SEK auf den Hof von Pat und Patachon und durchsuchte das Bauernhaus. Pat und Patachon verfrachteten sie in das Gefängnis der Stadt.
Den Polizisten gelang es zwölf kleine Kinder aus den alten Ställen zu befreien. Das Dorf erfuhr davon noch am gleichen Tag, da die Polizisten sich im Dorf auf die Suche nach möglichen Eltern machten. Zuerst waren sie nicht sehr hoffnungsvoll, da es keine Vermisstenanzeigen gab aus dem Dorf. Dann aber meldeten sich doch mehr und mehr verstörte Eltern, die ihre Kinder nicht in deren Kinderzimmer und vor den Computern gefunden hatten und nun sehr in Sorge waren. Mit der Zeit meldeten sich so viele Eltern, dass mehr Kinder vermisst wurden als die Polizisten gefunden hatten. Aufgrund von Hinweisen der Kinder begann daraufhin eine große Grabungsaktion rund um das Bauernhaus. Auf diese Weise fanden die Polizisten auch den Rest der Kinder und bald schon hatten sie alle zu den Eltern zugeordnet, was aber nicht einfach war. Die Eltern konnten sich nur ungenau an das Aussehen erinnern. Aber Dank Gen-Tests war das keine große Hürde für die Polizei.
Das Dorf war nun entsetzt über Pat und Patachon und deren Verbrechen und viele meinten, denen noch nie getraut zu haben, zwei Männern ganz ohne Frauen.
Die Polizei versuchte in den Vernehmungen der Eltern heraus zu finden, warum sie die Kinder nicht vermisst hatten. Aber alle fragten nur ihrerseits: „Wann denn? Warum denn? Die hatten doch alles, Zimmer, Essen im Kühlschrank, Mikrowelle, Spielsachen, Computer, Spielconsole, einfach alles und dazu jede Menge an Freiheit!“
Der Bürgermeister seinerseits verbrauchte viel Kraft um die Polizei dazu zu bewegen, die Fragen sein und sein Dorf wieder in Ruhe zu lassen. Es sei doch nicht viel passiert, die Täter gefasst, alle könnten wieder ruhig schlafen, also was wolle man noch.

Das Dorf liegt sehr weit entfernt von hier und nur so ist es mir erklärbar, was dort geschah. Bei uns unvorstellbar, so etwas. Als wenn unsere Eltern nicht mehr wüssten, was ihre Kinder treiben.
Was die beiden Täter zu den scheußlichen Verbrechen getrieben und was sie mit den Kindern angestellt haben? Besser, Sie wissen es nicht und werden es nie erfahren, liebe Leser, glauben sie mir. Sie wollen das gar nicht wissen, es würde sie verfolgen bis an ihr Lebensende, jede Nacht.
Seien wir lieber froh, dass es so weit weg von uns geschah und kümmern wir uns lieber um unsere Kinder.

Donnerstag, 14. November 2013

Mangelnde Erkenntnis


Kaum hatte Eva Adam den Apfel gegeben und er ein großes Stück heraus gebissen, da bekam er schon zu ihrer und seiner Überraschung einen großen Ständer. Beide wussten zuerst überhaupt nichts damit an zu fangen. Vorsichtig näherten sich ihnen die Tiere, die ebenfalls durch den Apfelklau neue Gefühle bekamen und hofften, die beiden Menschen da könnten ihnen zeigen, was damit an zu fangen sei.
Zu Evas Entsetzen kam Adam recht schnell auf eine Idee, die ihr aber gar nicht behagte. Er bekam große gierige Augen, als wäre sie nun für ihn der Apfel. Als er sie zu sehr bedrängte, floh sie in ein Gebüsch, sich dort mit Blättern zu bedecken. Das hatte sie nie zuvor getan und wusste auch jetzt nicht so richtig warum. Aber es schien zu helfen. Adam beruhigte sich etwas, wenn auch der Ständer unverändert zu ihr hinwies.
Die Tiere hatten das gesehen, die Weibchen zierten sich wie Eva und die Männchen umrundeten sie ratlos.
Adam gab nicht auf, entfernte die Blätter von Eva, sprach sanft zu ihr hin und streichelte sie.
Eva war enttäuscht. Wo war nur der nette Spielkamerad geblieben? Seine Grabbelei auf ihrer Haut wirkte fremd und ungewohnt. Mit der Zeit aber zeigte sich eine ihr völlig neue Wirkung. Sie sehnte sich nach ihm, nach seiner Berührung und schließlich taten sie, was auch den Tieren rund um sie herum eine Lösung dieser völlig neuen Probleme im Paradies beschwerte.
Als Adam schließlich von Eva abließ, bedeckte auch er sich mit Blättern und schämte sich. Eva tat ihm nach und hatte das Gefühl, das irgendetwas fehlen musste bei diesem neuen Spiel. Im Gegensatz zu ihm fühlte sie sich nicht müde und zufrieden. Schlimmer noch. Adam schlief einfach neben ihr ein, als wenn es nichts zu besprechen gäbe und sie musste alleine vor sich hin denken.
So entdeckte der Alte sie am nächsten Morgen, bemerkte sofort, dass auch bei den Tieren nichts mehr war wie zuvor, dachte sich sein Teil und vertrieb die ganze Horde aus dem Paradies. Bei seinen Äpfeln war er nun mal sehr eigen.
Eva schnallte als erstes, das dieses merkwürdige Spiel Nachwuchs in ihr reifen ließ und noch vor ihr hatten viele der Tiere plötzlich Junge.
Adam fand das aufregend und bedrängte sie Tag und Nacht. Schließlich willigte sie ein, fand auch heraus, wie sie auch auf ihre Kosten kommen konnte. Vor allem aber hoffte sie, auf diese Art zu einem männlichen Wesen kommen zu können, dass sie wirklich lieben konnte. Adam ging ihr nämlich ziemlich auf den Geist, allein der Mangel an Auswahl ließ sie bei ihm bleiben.
Und Adam? Der träumte von einem schönen Mädchen, dass sie ihm gebären würde, einem Mädchen, dem er seine ganze Liebe schenken könnte. Eva, das spürte er, war dazu nicht das ideale Objekt.
Den Tieren waren diese menschlichen Vorbilder bald suspekt und sie trieben es auf ihre Weise und waren sich bald darauf selbst genug.
Nur bei den Menschen hofften die Paare, wenn auch bald schon mit größerer Wahlmöglichkeit im Angebot der Partner, in ihrer Not noch immer auf die Kinder und dass sie diese dann lieben könnten, viel mehr als ihre Partner. Und da sie trotz vielfacher Bemühungen bis heute nicht ausgestorben sind, träumen sie auch wohl heute noch vor allem von ihrer Nachkommenschaft in den schönsten Tönen. Die sollten es einmal besser haben.
Der Alte aber in seinem Paradies besah zweifelnd den Baum der Erkenntnis und dessen Äpfel. Wirkten die Äpfel doch nicht so richtig oder hatten die beiden einfach nur zu wenig vom Apfel gegessen? Auf jeden Fall hatte er sich viel mehr von deren Wirkung versprochen.

Montag, 22. April 2013

Wir, die Fellträger alter Zeit



noch tanzen wir mit uns in hellen
Momenten aufgehender Nacht
schwimmen umher auf Fellen
die uns das Leben eingebracht

sorgsam geflickte teure Felle
mühsam nur erreichte Nacht
im Tag haust jetzt das Schnelle
die Hast, alles halb vollbracht

faulende Äcker, bröckelnde Stufen
flüchten wir durch Nebelbauten
gleiten stockend mit rostigen Kufen
im Feindesland, als Argonauten

ist es hier auch noch so verrufen
bleibt uns der Dolch doch erspart
lassen wir vergeblich uns rufen
engumschlungen wird ausgeharrt

retten schließlich uns die Kinder
unsere Seelen mit ihrem Balsam
liebevoll, unsere letzten Pfadfinder
für uns da im Riesenrad, wachsam

bis große Kraniche weiter ziehen
Ikarus aus groben Fluten steigt
vor Dädalus Plänen zu entfliehen
der Erde, ihren Blüten, zugeneigt

sind am Ende wir bereit
trägt uns das Abendrot
fort von hier, sein Boot
sanft uns aus der Zeit