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Sonntag, 26. Januar 2014

Stolperstart 2000



Entsetzen, Trauer, vergebens Hoffnung
immer wieder
was nur denkt sich
dies neue Jahrtausend dabei
bei diesen ersten Jahren
seines ersten Jahrhunderts
so mit uns zu starten
zeitlich gestreckt Wunden zu schlagen

digital, D-igit-all
Digitt-All
ohne positive Auswirkung auf
die Bekämpfung der Armut
den Naturhaushalt der Erde
alles nur noch digital
bis auf den Hunger, das Sterben
die Kriege, die Zelte
auf allen Kontinenten Flüchtlinge
im Dauerzustand

was nur ist mit diesem Jahrtausend
vergebene Hoffnung, Trauer, Entsetzen
nichts gelöst, alles scheint verworren
was waren das für Leuchtraketen
was hat uns der Himmel damals vorgelebt
als wir Hand in Hand
unsere Kinder dicht bei uns
Dich jubelnd begrüßt

nun das, diese Leere, dieses Schweigen
mal wieder über so viele Untaten
und Täter, wie Anlässe zum Besseren
dieses Schweigen im Sensationsgetümmel
was lässt uns nicht los
was hat sich eingenistet aus Deinen Vorgängern
waren wir zuvor schon so bodenlos
den Zeiten hinterher
Anlasser, Kupplung, was
sind wir Dir hier in diesen erneut
jungen Wildjahren

Entsetzen, Trauer, Hoffnung?

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Freitag, 6. Dezember 2013

Lust am Leben


aus
Peter Silies
Medienlade:

in jeder Trauer steckt mehr Lust am Leben

als in den Lachsalven aller Comedyshows

Donnerstag, 28. November 2013

Wenn nur dann


wenn nur Trauer uns bleibt
an den Fersen und im Sinn

wenn nur Sehnsucht uns treibt
von hier nach irgendwo hin

wenn nur schwer sich heben
unsere Schritte vom glatten Asphalt

wenn nicht mal kurze Glücksmomente
uns stärken und liefern neuen Halt

wenn, ja wenn es so nur vorwärts geht
sollten wir stehen bleiben, nicht weiter gehen

der Trauer Zeit geben zum Heilen
der Seele Raum, sich ganz zu sehen

uns endlich die Chance, unsere Luftwege
frei zu atmen, uns einlassen zu träumen

so lasst uns innehalten, das Geschenk
des Lebens nicht länger zu versäumen

wenn nur Trauer uns geblieben
an den Fersen und im Sinn

wenn nur Sehnsucht uns getrieben
von hier nach irgendwo hin

Freitag, 15. November 2013

Zwischen Pflicht und Traurigkeit ein Jahr


was uns, wo gehen, stehen
wir, da es zum Ende drängt
das Jahr mit unseren Tagen
den Stunden wie im Märchenschrein
dieses Lächeln
voller Sonne
nicht mal
das Laub mit seinem Farbgewitter
bei uns bleibt
was beten wir, was kauen
unsere Kiefer schwer
zwischen den Wänden
laut die Fernseher
überschwemmen uns Katastrophen
das Leid der Welt
beim Abendbrot
fragen unsere Kinder
nach mehr Taschengeld
und was
ist ein Grammophon
das uns, in
unseren eigenen vier Wänden
beginnt draußen
die Treibjagd
Jagdsaison
auf allen Kanälen
viele die jetzt frieren
mancher Abschied
beschert den Friedhofsgärtnern
kräftigen Umsatz
während wir
das Jahr zu Ende zählen
den Adventskranz aufstellen
unsere Tränen aufteilen
zwischen Pflicht und Traurigkeit

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Wut und Trauer


aus
Peter Silies
Grübellade

baue mir einen Song
aus Wut und Trauer

läßt der Schmerz nach
kribbelt mich ein Schauer

Mittwoch, 18. September 2013

Am Ende der Trauer









aus
Peter Silies
Morgenlade:






am Ende jeder Trauer
sucht uns die Freude am Leben

will uns an der Hand nehmen
tröstend uns hinaus führen

aus Schmerz und Leid.

Sind wir nur ein wenig dazu bereit

Mittwoch, 4. September 2013

Hinterher und "klüger"













Peter Silie
begrüßt
die Weisheit:
*
des Hinterher
„klüger Seins“
nach vollends
gestrauchelten
einst guten Ideen

nicht ohne seine
traurigen Gedanken
das ein bisschen
vielleicht doch

oder immerhin
ein Tropfen
auf heißem Stein

vielleicht, ein paar
Menschen doch
aber was nicht ist
kann ja noch

Sonntag, 1. September 2013

Schmerz, Trauer, Wut



Ja, es hat sich etwas geändert über die Generationen hin, von unseren Eltern und Großeltern zu den Urenkeln, unseren Kindern. Etwas hat sich geändert.
Als mein Lieblingsonkel tödlich verunglückte, mit seinem Motorrad auf den Wagen eines alten Bauern prallte, der einfach von einem Feldweg auf die Straße gebogen war, an einem wunderbaren Frühlingstag mit strahlender Sonne und erster Wärme, Vorboten eines heißen Sommers, der in dem Jahr auch tatsächlich folgte, da hatte ich nur leise geweint, immerhin schon geweint, und das als Mann, mein kleiner Sohn aber, der hatte geschrien, hatte es nicht ausgehalten in der Wohnung und war auf den Balkon hinausgestürzt und hatte geschrien, die ganze Nachbarschaft zusammen geschrien, so sehr, dass allen, die es hörten, plötzlich ein wahnsinniger Schmerz in die Brust kam, als hätte sein Schrei Pfeile losgeschickt und sie damit tief getroffen.
Als ich in seinem Alter war und  meine Geschwister starben habe ich nicht geschrien und nur wenig Tränen für sie übrig gehabt und die Erwachsenen um mich herum hatten nur düster geguckt, die Frauen leise geschluchzt, und beim Butterkuchen in der Gaststätte danach war es schon wieder normal, man redete, lachte, prahlte. Niemand veränderte sich durch den Tod eines anderen. Nur die Frauen, die trugen nach dem Ableben ihrer Männer bis zu ihrem eigenen Tod schwarz. Die Männer hingegen hielten sich selten an das Trauerjahr, was aber kaum auffiel, da die vorherrschende Farbe zu jener Zeit in ihren Anzügen und Hosen sowieso dunkel- oder schmutziggrau war und schwarz. Nur die Hemden stachen hervor, bei denen, die ins Büro gingen mit waschmittelweiß und bei denen, die von ihrer Hände Arbeit lebten, matt bunt, kariert und gestreift, meist dumpfes Blau, bräunliches Orange oder gelbliches Rot.
Auf jeden Fall wurde nicht geweint, schon gar nicht vor uns Kindern. Zum Weinen ging man ins Kino, vor allem die Frauen, was den Männern einerseits peinlich war, andererseits ihnen das Gefühl gab, überlegen zu sein ihren Frauen, zumindest beim Filmgucken.
Mit der Zeit kam es mir so vor, als trauerten die Witwen nicht wirklich mit ihren schwarzen Klamotten, es sei denn, sie hatten ein Kind verloren, dann bekamen sie sich nicht wieder ein, schauten über Jahre hinweg traurig aus bei den Familienfeiern, schluchzten plötzlich einfach so vor sich hin, schluchzten vor allem jeden Heiligabend, dass es allen anderen peinlich war und niemand Bock auf das Fest mehr hatte.
So ging es auch meiner Mutter. Sie trug zwar nicht lange schwarz, heulte aber jeden Heiligabend, so dass ich irgendwann es aufgab mit ihr zu feiern.
War ein Traueranlass über uns hereingebrochen, begann vor allem das Schweigen sich bei uns stärker noch als sonst breit zu machen. Man schwieg, lachte weniger, erzählte nur langsam, fast stockend und wir Kinder mühten uns auf Zehenspitzen zu gehen.
Nur selten brach einmal hervor, dass sie ja schon zu viele beerdigt hatten, verloren geben oder auf dem Schlachtfeld lassen mussten, der Tod also wohl ein häufiger Gast gewesen war, bevor ich dazu kam in ihre Beerdigungen.
Und so taten sie alles für das Leben und nichts für den Tod, die Trauer und den Schmerz. Sie liebten, in meinen Augen jedenfalls, die Steine, denn die ließen sich gut übereinander stapeln, verfugen, zu dicken Wänden hochziehen, hinter denen sie dann ihr Schweigen leben konnten, was uns Kindern schwer fiel, ewig dies ruhig sein sollen, ruhig sitzen, nicht krakeelen, erst reden wenn man gefragt wird, schweigen, wenn Erwachsene reden, und statt die Gelegenheit zu nutzen, ihnen zu zuhören, hörten wir bald weg, wenig zu, versanken in unseren Gedanken und Tagträumen, wo wir reden konnten und schreien, bis sie uns herausrissen mit:“Träumst Du schon wieder, iss!“
Denn das Essen war ihnen wichtig und das Trinken, alles musste leer werden, die Teller, die Gläser, nichts durfte übrig bleiben, sonst „scheint morgen die Sonne nicht!“ Und wenn es regnete oder stürmte fragte ich mich zu Beginn wirklich, ob ich schuld sei, weil ich mal wieder das Brot nicht hatte schlucken können und der Braten mir quer hing im Hals.
Auf jeden Fall trauerten die Witwen bestimmt nicht wirklich, im Gegenteil, sie schienen mir froh zu sein, das Kapitel Mann hinter sich zu haben und oft hörte ich den Satz: „Mir kommt kein Kerl mehr ins Haus.“ Überhaupt schienen wir Männer unangenehm zu sein, zumindest für Frauen. Sie wurden selten berührt oder umarmt. Das taten die Männer eher mit ihren Frauen, während die Frauen uns Kinder immer mal wieder, bisweilen fast heimlich berührten und umarmten, manchmal leise seufzend und viel zu fest und wir wussten meist nicht warum eigentlich und ob sie wirklich uns und nicht sich selbst umarmten und drückten.
Schmerz war nie ein Thema, war tabu und hatten wir uns einmal weh getan, dann galt es schnell mit dem Heulen auf zu hören, denn das war irgendwie nicht gut, ja gefährlich für unsere Entwicklung, gehörte sich außerdem nicht.
Kurz ja, lang nein.
Die Männer schienen die Schmerzen im Gegensatz zu uns Kindern geradezu zu suchen, den Schmerz kalten Frostes auf der Jagd oder beim Bau ihrer Häuser, den Schmerz der Hitze auf der Haut im Sommer auf den Feldern, den Schmerz bei der Arbeit, beim Sport durch hartes zu packen, alles wurde getan, damit Muskeln und Rücken schmerzten und je weher es tat umso mehr wurden wir Mann, taugten wir was, bekamen Hoffnung für unser Leben, dass aus uns was werden könnte.
Es war ein fremder Schmerz, der von außen kam und den Schmerz in uns weg schob  zermalmte, irgendwohin schoss, wo wir ihn manchmal auch nie mehr wieder fanden, nur spüren taten wir ihn, in der Stille, dem Schweigen und so waren wir froh, dass der Fernseher erfunden worden war, in unsere Wohnzimmer kam und wir alle zusammen schweigen konnten ohne, dass es weh tat, wir uns und die anderen noch spürten und nur bei Liebesfilmen und solchen aus dem Krieg heulten mal wieder die Frauen und die Männer tranken ihr Bier, sahen resigniert zu ihnen hin und zwinkerten uns zu, die wir gierig von den Chips naschten.
Nicht geschwiegen wurde bei Kameradschaftsabenden oder im Verein. Da ging es stattdessen laut zu, wurde sich berührt, heftig, durch Schulterklopfen und Anrempeln.
Gerne gingen die Männer zur Jagd und zum Militär. Die noch auf Übung durften, waren die Helden und Beneideten. Das Wort Kameradschaft hing sehr hoch über allen Dächern der Zeit, vor allem in den Eckkneipen und Bierzelten. Da schwappte sie hoch, über und nur der Alkohol konnte sie zerstäuben. Dann prügelten sich die Männer, die Frauen mühten sich zu schlichten und am nächsten Morgen trugen die Männer stolz ihre Pflaster durch die Gegend.
Als meine Frau und ich heirateten, weinte eine Nachbarin plötzlich los, wir waren gerade beim Schleiertanz angekommen und alle waren fröhlich, alkoholisiert und genossen das Fest. Nur sie saß da und weinte. Und als wir sie fragten, was denn wäre, da antwortete sie schluchzend, dass das Fest so schön sei, wie sie es noch nie erlebt hätte, keiner würde sich streiten, keiner sich prügeln, das hätte sie noch bei keinem Fest so erlebt und das mit ihren 80 Jahren.
Wir sahen sie verwundert an und manch einer konnte sich das gar nicht vorstellen. Aber ich wusste, sie hatte Recht, es gab genügend Feiern die auch in meinem Leben so ausgegangen waren. Ich fand es außerdem toll, dass sie den Mut gehabt hatte so etwas uns hier zu erzählen.
Ein anderes Wort gehörte auch zu der Zeit: die Selbstbeherrschung. Selbstbeherrschung war ihnen wichtig. Für sich selbst und uns. Auch bei Wut, denn die überkam uns oft. Es reichten Kleinigkeiten und wir wären am liebsten ausgeflippt. Aber wer das tat, dem ging es schlecht, bisweilen setzte es dann Hiebe oder man musste in die Ecke oder ins Bett. Und das, wo die Erwachsenen ständig über irgendwelchen Mist wütend waren, sofort losbrüllten oder schlugen. Wobei es noch schlimmer uns traf, wenn nichts davon geschah bei den Frauen, die einen nur traurig ansahen, seufzten, uns nicht umarmten, sich abwandten und auch mal zu weinen begannen, dann hatten wir das Gefühl Verbrecher geworden zu sein, unser ganzes Leben zerstört zu haben und ihres gleich mit. Wir waren zu nichts nütze, wie es auch oft hieß und sollten froh sein, dass wir heute lebten und nicht damals.
Bis dann wieder das laute Schweigen begann, das Treiben des Tages, die Beschaffung von Wohlstand, das, was uns helfen sollte „es einmal besser zu haben“ wofür wir gefälligst dankbar beitragen sollten und vor allem schweigen, die Wut verschweigen, die Trauer und auch die Freude. Denn die zeigte man auch nur sehr verhalten. Zu laute Freude brächte Unglück hieß es.
Mein Sohn kümmert sich um so etwas nicht, lacht, weint, freut sich, trauert und wir können daran teilhaben. Das hat sich geändert von uns zu ihm. Er zeichnet und malt gerne, nicht selten sind seine Themen auch Schmerz, Trauer oder Wut. Wir wissen inzwischen, dass wir uns deswegen keine Sorgen um ihn machen müssen, denn er lässt ja nur raus was auch in uns sitzt und gelegentlich mal frei sein möchte. Die Freude fällt ihm schwerer. Auch ihm gerät sie eher zu einem Witz, einem Gag als zu echter dargestellter Freude.
Vielleicht schaffen das die nächsten Generationen, sich einfach frei und losgelöst zu freuen, nicht schadenfroh oder glücklich über Siege, nein einfach so Freude, weil das Leben bisweilen schön ist und ein Wunder, dass wir in der meist toten Unendlichkeit des Universums auf unserem Planeten erleben dürfen. Vielleicht.
Bis dahin bleiben uns Schmerz, Trauer, Wut. Ein Leben lang. Davon zu schweigen ist Betrug am Leben, an uns, bringt uns auf die Dauer um, streicht uns aus den Möglichkeiten des Lebens und der Liebe. Das Schweigen zerstörte uns damals die Nähe, denn das Schweigen ließ Nähe nicht zu, machte sie schmerzhaft, war eine Kraft, die uns von einander abstieß.
Warum machten wir das mit, wie schafften sie es und sich? Ich glaube es war der Gehorsam, den sie von den Schlachtfeldern und aus den Fabriken in ihre Wohnungen mitbrachten und dem sie sich verpflichtet fühlten wie der Kameradschaft und ihrem Bild vom Leben, von Mann und Frau, Gehorsam war stets die Basis.
Der Gehorsam war es, wenn die Frauen nachts die Männer an sich ran und hinein ließen, Gehorsam waren so auch wir Kinder, als Schüler, als Lehrlinge, bei der Arbeit und bei Tisch, selbst bei den Vergnügungen wie den seltenen Ausflügen, ersten Urlaubsfahrten oder im Schwimmbad. Immer war genügend Raum für den Gehorsam und wenig Raum für uns, unsere Bedürfnisse, für Schmerz, Trauer und Wut, ja auch die Freude hatte zu gehorchen, war ein fest zu schnürendes Paket und kein echtes Lebenszeichen.
Weniger typisch schien mir mein Großvater für das alles zu sein, anders und altersmilder, hatte ja auch nur kurz gedient, war nicht in den Kriegen an den unzähligen Fronten dabei gewesen.
Er trank zwar gerne, passte aber auf, dass er nicht dem Alkohol zu sehr auf den Leim ging. Und so ging er nach dem Tod seiner Frau nicht in die Kneipe sondern regelmäßig in den Puff. Das war wohl seine Art, den Schmerz und die Einsamkeit zu überstehen. Er war kein lauter aber sehr wohl auch ein Schweiger und kam meist nur richtig aus sich heraus nach ein paar Gläschen Schnaps. Dennoch gelang bei ihm Nähe und es entstand auch Geborgenheit. Ihm gehorchten wir ohne großes Tamtam seinerseits. Dennoch, auch er gehorchte und gab stumm weiter, was wir nicht ahnten, wie so viele, was nie besprochen wurde, dass sie nämlich Fremde waren, „Pollacken“ wie sie geschimpft wurden, arme Leute die auf der Suche nach Lohn, Brot und Dach über dem Kopf in unser Land gezogen waren, mein Großvater und seine Geschwister noch als Kinder. Aber als ich sie kennenlernte waren sie alle Deutsche geworden, ohne Spuren ihrer wahren Herkunft.
Es wurde wie so vieles verschwiegen und mit dem Schweigen übergaben sie uns schweigend und stumm all die Gräuel, die sie erfahren hatten und von denen sie wussten und manchmal des Nachts in ihren Träumen heimgesucht wurden.
Und wir liefen damit los, ahnten es nicht, wussten nichts damit an zu fangen, begannen, als wir es später in uns zu spüren bekamen, Gründe zu suchen, begannen davon angetrieben zu schreien, zu demonstrieren, brachen jede Menge Streit vom Zaun mit ihnen und füllten Bücher und Filme damit, trafen selten den wahren Kern, begriffen die wirkliche Ursache nicht.
Der Schrei meines Sohnes an jenem Frühlingstag ließ mich hoffen, dass vielleicht die Zeit langsam kommt, dass die Gefühle zu ihren wahren Ursachen zurückkehren und sich endlich frei bewegen können. Und darum verschwiegen wir ihm nichts.
Er kennt unser Gepäck und malt und zeichnet es, ohne daran zu ersticken oder über den Moment hinaus daran zu leiden: Schmerz, Trauer, Wut. Die Begleiter jeden erfüllten Lebens. Es bewegt sich in diesem Land.

Der Gehorsam verschwand aus den Räumen und liegt nicht mehr über den Dächern. Leider kam in letzter Zeit die Resignation an und nistete sich, wohl für längere Zeit, in vielen Hütten ein. Aber das ist ein anderes Thema, eine andere Zeit.

Samstag, 31. August 2013

Vom Verlust der Ruinen



20 Jahre nach dem letzten großen Krieg im letzten Jahrhundert gab es noch Polizisten, die nachts nach dem Rechten sahen und die Leute sagten „Wachtmeister“ und niemand „Bulle“ zu ihnen.
Eine besonders schöne Tour, so meinte der alte Wachtmeister Gerhard, hatte er in seinem Dorf, nachdem er seinen Rundgang um Kirche, Rathaus, Tankstelle und dem Laden der alten Müllerin beendet hatte, denn nun ging es zur kleinen Burgruine derer von Schlechtern, die hier im Mittelalter ihren ersten Stammsitz hatten, ihn aber schon in der zweiten Generation aufgaben, da sie es durch Heirat geschafft hatten, noblere Beherbergungen zu beziehen. Seitdem verfiel die Burg.
In diesen Tagen kamen schon wieder Touristen nur wegen der romantischen Gemäuer, ließen ihre Kinder zwischen den Wänden herumtoben und machten Picknick, wo einst der Burghof war. Da die Mauern immer noch gefährlich waren, weil einsturzgefährdet, patrouillierte er hier regelmäßig. Vor allem erwischte er schon mal Pärchen, die hier die Nacht fern ihrer Erziehungsberechtigten im Liebesspiel zu verbringen suchten.
Da die Burg auf einer leichten Anhöhe lag, hatte er von hier einen guten Blick über das Dorf, konnte sehen, wo die Kamine rauchten, die Öfen also schon oder noch an waren und wo nicht, wer schon Geld für neue Dachziegel hatte und wer nicht, konnte den Stolz der Männer im Wirtschaftswunderland als Farbtupfer zwischen den Häuserreihen ausmachen und an den Bäumen, in welcher Jahreszeit er sich befand.
Er war mit dem Anblick zufrieden, alle Spuren dieses Unseligen mit seinem 3. Reich waren getilgt und ihm kam es so vor, als wäre das Dorf heute schöner als in den Jahren vor dem Kerl und seiner Meute.
Seine beiden Söhne konnten darin nicht mehr mitwirken und sich erfreuen, sie waren beide in Russland gefallen. Auch seine Frau konnte er nicht mehr nach hier oben mitnehmen, sie lag seit Kriegsende auf dem Friedhof, hatte den Frieden nicht mehr lebend erreicht. Der Verlust der Söhne hatte ihre angeschlagene Gesundheit zu sehr gequält. Er und auch die Medizin in Persona des guten alten Doktor Markward waren dagegen machtlos gewesen.
Und jetzt befand sich Wachtmeister Gerhard in so etwas, was sie nach dem Krieg „Bratkartoffelverhältnis“ nannten, bei einer Kriegerwitwe, wovon es immer noch genug hier gab. Er war zufrieden, sie war es und sie freuten sich auf seine Pension. Ihr Garten war groß genug, ihn für den Rest seines Lebens zu beschäftigen.
In dieser Nacht schien der Vollmond über die Kanten und Zacken des Gemäuers und verwandelte die Ruine in eine bizarre Landschaft, was ihn jedes Mal wieder zum Staunen und Rätseln brachte. Wo kam der Schatten her, woher der?
Vor dem Wehrturm, der als einziges noch völlig erhalten war, machte er kurz halt, bevor er vorsichtig hineintrat. Er wollte so einem möglichen Pärchen Gelegenheit geben, sich schnell etwas an zu ziehen. Aber als er hineinsah, lag dort kein Pärchen sondern ein kleiner Steppke. Er erschrak, war er doch Kinder in der Nacht an einem solchen Platz nicht gewohnt und musste daher erst überlegen, wie er richtig reagieren könnte.
Er trat vorsichtig näher, sah eine Milchflasche, einen Schulranzen und eine Pfeife neben dem Jungen liegen, der sich wohl eine Wolldecke von zu Hause mitgebracht, und die bis zum Kinn hochgezogen hatte. Er lag auf Gras, dass er sich dafür vom Vorplatz genommen haben musste und hier zu einer Lagerstatt zusammengebaut hatte. Dorfwachtmeister Gerhard hatte die Stellen gesehen bei seinem Rundgang, sich aber nichts weiter dabei gedacht.
Erst dachte er, der Junge schliefe, bis er sah, dass der ihn mit halboffenen Augen ängstlich ansah.
„Na Du, was machst Du denn hier in der Nacht?“
Er bekam keine Antwort, nur dass die Augen des Jungen, wohl vor Schreck, erst ganz zu gingen, dann aber weit geöffnet wurden und ihn anstarrten.
Wachtmeister Gerhard ging im gebührenden Abstand vorsichtig vor dem Jungen in die Hocke.
„Keine Angst, ich muss hier nur nachgucken und aufpassen, dass nichts passiert. Ich tue Dir nichts, ist ja auch nicht verboten, dass Du hier liegst.“
Das sagte er, obwohl er sich da nicht sicher war, denn Wildcampen war verboten, andererseits hatte der Junge ja kein Zelt mit und so war es doch auch kein Campen.
Der Junge schien, zumindest dem Gesicht nach, gut genährt und genügend an der frischen Luft zu sein. Auf die Haare allerdings wartete bestimmt schon der Friseur.  Die Decke sah eher nach einem gut bürgerlichem Elternhaus und nicht nach Bauern oder Arbeiter aus.
Er musste etwas tun, nur was? Minderjährige gehörten nach Hause, zu ihren Eltern, das war klar. Irgendwie musste er den Jungen dazu bringen, sich zu öffnen und zu erzählen, bis er bereit war mit ihm zu gehen.
Gerhard befürchtete, dass der Junge vielleicht einen schlimmen Grund hatte, von zu Hause weg zu laufen. Oder kam er aus einem Heim? Wenn ja, musste er von weit her hierhin gekommen sein, aus der Kreisstadt, die hatten ein Heim. Andererseits sahen er und Decke nicht danach aus.
Der Krieg hatte vieles durcheinander gebracht in den Familien und das war noch immer spürbar und sichtbar in den Straßen und Stuben. Von ihren verbitterten Vätern geschlagene Kinder, Kriegswaisen, Schlüsselkinder, die niemanden zu Hause hatten, Streuner, für die noch immer Schwarzmarktzeit war, Frauen, verzweifelt auf der Suche nach einem Ernährer oder  Spaß und Wärme in der Nacht, Männer die gleiches suchten oder gar nichts mehr, ihren Kummer jeden Tag im Alkohol ertränkten. Was draußen gelungen war, äußerlich an Straßen, Häusern und Gärten, war innen drin noch längst nicht repariert und ausgebessert.
Vielleicht verlieren wir den Schmerz nie, vielleicht haben wir ihn auch schon weiter gereicht an die Kinder? Dieser große, bohrende Schmerz, der auf jeden Fall nachts zu ihnen kam, immer wieder, diese Alpträume schuf und so manchen schreiend aufwachen ließ.
Es dauert lang, bis sich die Wunden wieder schließen im Land, dachte Gerhard und wartete stumm auf eine Reaktion des Jungen.
Der richtete sich langsam auf, wobei die Decke etwas nach unten rutschte und Gerhard sah, dass der Junge einen dicken Pullover an hatte, so einen, wie ihn  die Frauen am Abend vor dem Radio die wenigsten hier hatten schon Fernseher, aus den Mustervorlagen der Modeillustrierten abschauten.
Reden wollte der Bub schein‘s immer noch nicht. Sah nur weiter zu Wachtmeister Gerhard und wartete, dass der wieder zu ihm sprach.
Gerhard tat ihm den Gefallen.
„Ich sehe, Du hast eine Pfeife mit. Hast Du denn auch Tabak?“
Der Junge reagierte endlich, nickte immerhin.
„Wollen wir zusammen eine smöken?“
Wieder nickte der Junge. Gerhard griff sich dessen Pfeife, holte aus seiner Uniformhose den Lederbeutel mit Kurzschnitttabak aus Virginia. Er stopfte damit die Pfeife und reichte sie dem Jungen.
„Probier mal, das ist mein Lieblingstabak. Kommt aus Amerika, Virginia. Da würde ich gerne mal hin. Du auch? Ich meine, würdest Du auch gerne mal nach Amerika gehen?“
Der Junge schüttelte den Kopf und sah zu wie Gerhard sich selbst eine Pfeife stopfte, den Tabakbeutel wieder einsteckte, ein Sturmfeuerzeug, blank geputzt, so dass sich der Mond mit seinen blauen Strahlen darauf spielen konnte, aus der Hosentasche zog.
„Ich dachte, weil, Deine Pfeife erinnert mich an Huck Finn, dem Freund von Tom Sawyer. Von denen hast Du doch gelesen?“
Der Junge nickte und Gerhard hielt ihm das Feuerzeug hin. Der Junge klappte den Deckel auf und zog gierig und hastig an der Pfeife, so dass die Flamme rauf und runter tanzte, zwischendurch fast ganz im Tabak verschwand.
„Langsam Junge, mit Genuss, sonst werden Tabak und Pfeife zu heiß und das brennt Dir dann auf der Zunge. Langsam und kräftig musst Du ziehen.“
Er machte es ihm vor und tatsächlich wurde der Junge ruhiger und tat ihm nach. Dann reichte er ihm das Feuerzeug, noch brennend, zurück. Gerhard setzte seine Pfeife ebenfalls in Gang und klappte den Deckel zu, sah das Feuerzeug einen Moment an, legte es dann zu den Utensilien des Jungen.
„Kannst Du haben, wenn Du willst.“
Der Junge sah es einen Moment an. Mehr nicht. Kein Nicken. Kein Dank.
„Magst Du mir denn Deinen Namen verraten? Ich bin der Anton Gerhard, ja, Du hörst richtig. Ich bin aus zwei Vornamen geschnitzt.“
„Willi,“ kam es ganz leise von dem Jungen.
„Habe ich richtig gehört: Willi heißt Du?“
Der Junge nickte, griff immerhin nun doch zu dem Feuerzeug, nahm es in beide Hände, betrachte das Spiel der Mondlichter darauf, drehte es und schwieg.
„Kannst Du nicht nach Hause?“
Der Junge schüttelte den Kopf.
„Bist Du weggelaufen?“
Da nickte er und Gerhard sah, wie dem Jungen kleine Tränen auf die Wangen liefen.
„Haben sie Dich geschlagen?“
Wieder schüttelte der Junge den Kopf, besann sich aber nach ein paar Sekunden und beschloss zu reden:
„Nein, es ist, weil, nun ist auch mein Bruder tot, und davor der Opa, die Oma, und ja, der Jürgen, der mein Freund war und die Mama und keiner weint, alle halten den Mund, sitzen da, schweigen und das geht doch nicht, und Onkel Paul hat einen Witz erzählt, da haben die gelacht und Papa hat nur gefragt, wer was zu trinken will. Und da bin ich weg, und draußen hat die Sonne geschienen, und alles war so bunt und mir war doch zum Heulen zu Mut, und ich konnte doch mit niemanden reden, weil ich doch dann geweint hätte und geheult wie ein Schoßhund, wie Papa immer schimpft und da bin ich hierher getürmt und hab‘ die Ruinen gefunden und das ist gut, dass das hier kaputt ist, denn im Dorf ist doch auch alles kaputt und Du siehst es nicht, alles so heil und in Ordnung, darf ich nichts schmutzig machen und hier ist es wie es ist, kaputt und dreckig und ich dachte, da wohnt der Tod, der sie alle geholt hat, und vielleicht holt der mich hier auch und ich bin nicht mehr allein und kann endlich reden und weinen und dann bin ich eingeschlafen und als Sie kamen, Onkel, da dachte ich erst Sie wären der Tod, aber der Tod hat doch bestimmt keine Uniform und der raucht auch nicht Pfeife.“
Gerhard war baff, staunte den Jungen an, hörte andächtig zu, verstand höchstens die Hälfte und hatte doch das Gefühl, dass der Bub etwas ganz wichtiges gesagt haben musste. Etwas darüber, was möglicherweise schief lief, nicht nur in ihrem Dorf.
„Und jetzt? Was machen wir jetzt?“ fragte er ihn nach einer weiteren Weile des Schweigens.
„Weiß nicht.“
Gerhard hörte sich antworten: „na, das ist doch schon immerhin etwas.“, verstand selber nicht, was er damit sagen wollte, denn natürlich war das noch nichts und irgendwie wusste er selber nicht, was tun, dabei war ihm schon klar, dass er den Knaben zurück zu seinen Eltern zu bringen hatte. Aber er tat es nicht, dachte nicht daran, dachte kaum etwas, wartete, saß und sah dem Jungen bei seinem Spiel mit dem Feuerzeug zu. Und dann geschah es ihm, kam von ganz tief unten, der Schmerz schuf Wasser in ihm, Unmengen an Wasser und das wollte aus ihm raus und er glitt von der Hocke in den Schneidersitz, lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, wusste, er brauchte jetzt viel und starken Halt wenn das Wasser kam und schon begannen die Krämpfe, traten die Tränen aus den Augen heraus, strömten ihm über das Gesicht und er sah nichts mehr, wehrte sich nicht, ließ es geschehen, genoss es sogar, hatte ein Gefühl, als wenn das Wasser ihm eine große Last von Brust und Schultern spülte und das Zucken seines Körpers kam ihm fast vor wie ein Tanz, ein Tanz der Befreiung von all seinem Kummer und all den Sorgen, all der Trauer, die er wie so viele hier ganz tief mit sich trug und nie besprach, nie mit Worten umgab, alles das schwemmte jetzt aus ihm fort und als es weniger wurde, blinzelte er durch den Wassernebel auf seinen Augen zu dem Jungen hin und sah, dass auch der zuckte und laut weinte, von eben solchen Krämpfen geschüttelt.
So ging es eine Weile und nur langsam ließen Zucken und Wasser nach. Der Junge war es, der zuerst sprach.
„Trümmer alle weg, nur hier noch, geht doch nicht, wo Leben ist, muss auch der Tod sein, sonst ist alles tod“.
Gerhard fragte sich, woher der Junge nur solche Gedanken und Bilder haben konnte und nickte und sagte laut und fest: „Ja, da hast Du wohl verdammt recht, mein Junge!“
Er blieb die Nacht über bei dem Jungen, brachte ihn erst am Morgen zu dessen zu Hause, das, wie sich herausstellte im Nachbardorf lag und so wurde ihm klar, warum er den Jungen bisher nie gesehen hatte, setzte sich zu dem Vater, sprach lange mit ihm, bis der zu weinen begann und so, unter Tränen, seinen Willi rief, den in den Arm nahm, und erst da stand der alte Wachtmeister Gerhard auf, brummelte leise einen Abschiedsgruß und ging.
Es war ein langer Weg nach Hause, aber er froh über die Zeit, hatte jetzt viel zu bedenken und war sich rasch klar, dass wenig zu tun war, die Welt lief und rannte wie sie halt lief und rannte, er aber etwas erlebt hatte, was ihm ab heute den Weg leichter machte und er mehr bei sich war, seinen Gefühlen und was sonst noch so alles verschüttet gewesen war durch die schrecklichen Zeiten und den Wiederaufbau.
Er traf Willi nie wieder, sah nur dessen Vater einmal von weitem im Baumarkt.
Jahre später kam es ihm bisweilen vor, dass er den Willi gar nicht getroffen hatte, sondern sich selbst, Anton Gerhard, klein und zutiefst verletzt, verlassen, überfordert von Krieg und Trümmerabbau, und das er selber dort gelegen hätte, tränenlos, mit dem großen Schmerz in der Brust ohne Worte und der Sehnsucht nach der Wiederkehr der Ruinen in der Plastik und Asphaltwelt der Neuzeit, ihrer hektischen Danachzeit.

Immerhin, er weinte jetzt leichter und schneller bei entsprechenden Anlässen und hatte gelernt den Schmerz mit Worten aus zu statten und so mit anderen zu teilen.

(c) Bild und Text: Jörn Laue-Weltring, Lingen 2013

Dienstag, 7. Mai 2013

Beate Zschäpe



Sie 
schweigt 
„lächelt
manchmal 
lacht sie 
sogar“*
vor den Augen
ihrer Opfer 
deren
Tränen 
längst nicht
getrocknet sind
„hat sich 
herausgeputzt“*
und schweigt

Sie 
schweigt
vor den Kameras
hundertfach 
neugierigen
Presseblicken 
sieht sie
flüchtig 
in die Gesichter
ihrer Opfer 
und schweigt

Sie 
schweigt
während 
über zehn
Gräbern 
Blumen blühen
nicht ruhend darin
Väter Brüder 
Geliebte
Ehemänner 
die Polizistin
gerade erst 
gestartet
als Frau 
finden sie keine
Ruhe 
so lange sie 
schweigt

Sie 
schweigt
vor dem Richter 
den Anwälten
den Angehörigen 
dem Land
der Trauer 
der Wut 
den tausend
Fragen 
schweigt sie 
unsere Seele
wund kocht 
das Blut uns
in den Adern 
der Verstand
weiß sich 
nicht mehr
zu helfen 
erstickt
an ihrem 
Schweigen

würde sie 
doch reden
gestehen 
erklären 
um Verzeihung 
bitten 
die Opfer
betrauern 
die Toten 
uns ersparen 
die Monate
prallgefüllter 
Schlagzeilen
mit ihrem 
Schweigen

Aber sie 
schweigt
lächelt 
scherzt 
mit ihren 
Verteidigern 
als ginge
es nur um 
Ladendiebstahl
könnten 
die Gräber
nicht sprechen 
schweigt sie
weil es ihr 
Recht ist 
ihr hilft 
vor der Justiz 
nicht mehr 
bestraft 
zu werden als
eine kleine gemeine
Hühnerdiebin

Sie 
schweigt
Übersieht uns
unsere 
Fragen 
der Welt 
Fragen
der Opfer 
Klagen
ist so wieder
auf dem 
Kriegspfad
gegen uns 
alle und alle
Moral 
und Unschuld
diesmal nur 
für sich selbst
ein paar Jahre
weniger
Gefangenschaft 
Strafe
da Recht 
genießend 
wo sie
es ihren 
Opfern nahm
wie das Recht 
auf Leben
wohlverdientes 
Familienglück

schweigt 
sie uns
In Grund 
und Boden 
von Scham
und Verzweiflung
schweigt 
hinein 
in die Trauer
ätzende 
Säure 
fauligen
Kadavergeruch 
über 
die Gräber
spielt so 
auf Sieg 
und hat doch
wie wir 
alle 
längst 
verloren

*zitiert nach Manuel Bewarder in der „Welt“