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Dienstag, 15. April 2014

Morgennektar



ein früher Morgen
ein Päckchen Hoffnung
mein Zwillingspärchen

nach den Träumen
vor den Tränen
der Nacht

dazwischen
erscheinen sie
still
unnahbar
Pfänder ohne Siegel

streifen im Vorübergang
einen Hauch Blütennektar
ihrer Kraft
auf meiner Seele ab

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Sonntag, 6. April 2014

Noahs Gedanken



Ach, wie gerne wäre ich
kraftvoll überzeugende Stimme
der Tenor gegen Wahnsinn
Krieg, Folter, Völkermord

Sopran Euch gegen Hunger
Krankheit, Trauer, Not
das hohe C für die Liebe
wie gerne wäre ich das

Befreier dieser Welt
ich, der Stubenhocker
stumm der Blick auf Konten
Tagen, die da verschwunden

sehend hörend ich geworden
auf der Haut Kälteschauer
Zeitenwahn, zukunftsverkommen
wäre ich so gerne der, der
mitnimmt was die Arche wert

Noah Euch für bessere Tage
bis neue Ufer uns bereit

(c) bild + text jörn laue-weltring marburg 2014

Sonntag, 26. Januar 2014

Stolperstart 2000



Entsetzen, Trauer, vergebens Hoffnung
immer wieder
was nur denkt sich
dies neue Jahrtausend dabei
bei diesen ersten Jahren
seines ersten Jahrhunderts
so mit uns zu starten
zeitlich gestreckt Wunden zu schlagen

digital, D-igit-all
Digitt-All
ohne positive Auswirkung auf
die Bekämpfung der Armut
den Naturhaushalt der Erde
alles nur noch digital
bis auf den Hunger, das Sterben
die Kriege, die Zelte
auf allen Kontinenten Flüchtlinge
im Dauerzustand

was nur ist mit diesem Jahrtausend
vergebene Hoffnung, Trauer, Entsetzen
nichts gelöst, alles scheint verworren
was waren das für Leuchtraketen
was hat uns der Himmel damals vorgelebt
als wir Hand in Hand
unsere Kinder dicht bei uns
Dich jubelnd begrüßt

nun das, diese Leere, dieses Schweigen
mal wieder über so viele Untaten
und Täter, wie Anlässe zum Besseren
dieses Schweigen im Sensationsgetümmel
was lässt uns nicht los
was hat sich eingenistet aus Deinen Vorgängern
waren wir zuvor schon so bodenlos
den Zeiten hinterher
Anlasser, Kupplung, was
sind wir Dir hier in diesen erneut
jungen Wildjahren

Entsetzen, Trauer, Hoffnung?

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Freitag, 10. Januar 2014

Rauhnächte



Manch Sturm erzittert unsere Enge
Fenster starren schwarz hinein
Türen nach außen jetzt der Feind

Häuser knarren, knirschen wintersam
wer es kann flüchtet zu Kaminen
horcht in der Nacht was draußen droht

Rauhnächte pfeiffen uns die Ecken
auf den Straßen Wetterturbulenzen
halten Dächer ihren schweren Stand

schreiten wir mehr stumm und stehend
hoffen auf des Frühlings Besserung
Tannengrün aus unseren Stuben weicht

verpackt zurück in Kisten alter Feste
glitzernder Kugeln Kerzenschein
nach dem Besuch der drei Weisen

in unserem selbstgezimmerten Stall
bleibt uns nur das Jahr zu suchen
dass vor unserer Türe hingeschneit

hingeregnet oder hergeweht
angestürmt oder warm geblieben
auch dies Jahr ein Wunschpaket

eingebettet sich erneut zu lieben
alte Wege wieder frei zu gehen
wartet da für uns ein Morgenkind

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014

Sonntag, 24. November 2013

Was aus uns


das Wort
war der Hammer
vielleicht
die Geste
das Lächeln
alles überflüssige Dolche
die rasche Umkehr
das lange Schweigen
die häufige Nachsicht
mehr als verkehrt

das Wort
vielleicht
hätte ich es
war nur nicht bereit
es in die Hand
zu nehmen
in den Abfalleimer
mein müdes Lächeln
zu verstecken

zu viel auf meinen Ohren
zu sehr die Augen überfahren
zu sehr verletzt
was unsere Spielregeln
für uns einst waren
stottert mein Herz
schwinden mir die Sinne
kommt mein Körper nicht mehr nach
sich zu entschuldigen
für seine Unausgeglichenheit

reiche ich Dir vertrauend
dem neuen Tag
den bunten Strauß der Zukunft
uns wieder zu finden
in dem
was aus uns geworden ist

Samstag, 26. Oktober 2013

aus der Nebelbombenzeit



Ich möchte mich
bisweilen abwenden
von der Welt Nebelbomben
Ungeheuerlichkeiten
möchte hier viel frohgemuter
meinen Schlaf beginnen
ohne Angst
vor dem Traum
der mich befällt
seit den vielen
Flüchtlingstagen
vergemeinsamt verständigt aufs Neue
kalt aufgeklärter aufgemischter Gedanken
viel gerührt und geschüttelt
die mir mein Leben
mit Garstigkeit bezahlen

möchte ich mich
ab und zu mal von mir selbst
verabschieden
dieses Universums merkwürdigen Geschmack
des Lebens Unbill Verkleidung
ablegen
dieses ganze Gepäck
meines Europas
furchtbarer Gedanken
und Taten
möchte ich einfach mal
nur noch der Hoffnung
glitzernde Fische fangen
hier und jetzt sofort
viel bekömmlicher aufbereiten
als der scheußlichen Pläne
verlorener Zukunft unappetitlicher Vergangenheit
uns viel zu oft zubereitet
und unserer
in diesen Tagen
fraglich gewordenen Zeit

finde ich sie ja vielleicht
die fetten Knochen sie abzunagen
mich so zu stärken
gegen diese Nebelbombenzeit
eine Möglichkeit mich
ab zu wenden
ohne Scham- und Trauerzeit
bist ja Du seid Ihr
die Gelegenheit dafür
am Schopfe packen
möchte ich tue ich
jetzt einfach mal so dafür gerüstet
aus den Fundresten glücklicher Stunden
könnte es gelingen

Mittwoch, 4. September 2013

Hinterher und "klüger"













Peter Silie
begrüßt
die Weisheit:
*
des Hinterher
„klüger Seins“
nach vollends
gestrauchelten
einst guten Ideen

nicht ohne seine
traurigen Gedanken
das ein bisschen
vielleicht doch

oder immerhin
ein Tropfen
auf heißem Stein

vielleicht, ein paar
Menschen doch
aber was nicht ist
kann ja noch

Dienstag, 2. Juli 2013

Auf dem Weg



stundenlang
könnte ich hier
weiter
gehen
als bisher
ich je
gegangen
bin
wochen-
jahrelang

traf ich
doch hier
das Reh
am Busch
knabbernd
an den frischen
Sommertrieben
aufrecht schön
scheu und
stolz

als wir uns
sahen
begann
die Flucht
des einen
vor dem
anderen
hatte das Reh
sofort die
gefährliche
Gattung
in mir
erkannt

ging ich
weiter
in der
Gewissheit
die Schönheit
des Lebens
getroffen
zu haben
ohne Aussicht
auf Ewigkeit

aber
mit der
Hoffnung
auf Wiederholung
genieße ich
diesen Weg
Nach- und
Vorfreude
wie seit
Langem
nicht mehr

© Bild und Text: Jörn Laue-Weltring Lingen 2013

Sonntag, 16. Juni 2013

Ist es der Sommer?

schon lange
kein einfacher
Sommer mehr
wo der Ginster
seine Farben aufgibt
Erdbeeren noch
um die Wette blühen

auch wenn Unkraut
sprießt wie verrückt
da wo die Fluten
noch nicht alles ertränkt
Baumkronen nicht unter
Silberseen schimmern

geht vielleicht noch was
wächst womöglich
sogar der Verstand
wie ein Tulpenfeld
so farbenfroh
wie Löwenzahn auf
asphaltierten Straßen
so stark

wie bauen wir uns sonst
wieder auf
reicht da wirklich
noch immer der Einbruch
der Hitze das vorab
platzierte Handtuch
am Pool

gieße ich abseits der Fluten
unsere Beerensträucher
die immerhin tragen bereits
ihre grünen Früchte

Freitag, 17. Mai 2013

Tag und Nacht Wechsel



 




















über
Morgenkaffee

wenn die Dunkelheit
einbricht kann noch
der Morgen folgen

nur der Tag selber
verliert am Ende
sein Licht

übergibt unsere
Sorgen der Nacht
verlängert so

für uns ihr
düsteres Angesicht
zerbrochen

vom Morgenlicht
wo die Hoffnung
mit Kaffeeduft

uns befreit

Sonntag, 14. April 2013

Grenzenlos



grenzenlos bin ich
schon lange nicht mehr nur
in den seltener werdenden
Aufbrüchen

zu den Treffen mit Freunden
dem Du und Du mit Dir
dem kleinen Leuchten

des Morgenrots
auf meinem Wecker
da spielt sich noch was ab

grenzenlos

Freitag, 12. April 2013

Klare Diagnose



ängstlich liebkost
die holprige Lippe
von ängstlicher Zunge
schmeckt beim
Küssen Todes
Boten sanft
wie die Krümel
von Brötchen
mit Marmelade
beschmiert

wenn sie über
Deinen Kopf fährt
fingerweise
sucht sie noch
das Haar in der
Suppe vielleicht
ein Wunder
auch das Sterben
kann sich irren

abwarten ist nicht
ihr Ding Stapel
von Zeitungen
verfolgen Dich
bis in die Träume
wie ist das
wenn Hoffnung
zuletzt stirbt

während Du
die Augen
müde schließt
Dir das Leben
sanft im Mohn
entflieht Du mit
letztem Scherz
flüsternd:
„Krebs war noch
nie so mein Ding!“