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Dienstag, 4. Februar 2014

In „blühenden Landschaften“


in der Mitte
gegenüber dem Rathaus
grobsteinerner Stolz
spitz in die Wolken gestemmt
im Dorf gelassen
wie anderes nicht

umzingeln den romanischen Bau
links und rechts
flachbautige Einkaufsbaracken
fahnengeschmückte Parkplätze
zwischen ihr und
weltlicher Macht
beidseitig Fußgängerampeln
mit Männchen aus einem anderen Land

rumpeln die Traktoren
schon lange nicht mehr
über grün aufgebrochenes
Kopfsteinpflaster
dafür zerdrücken den Asphalt
Lastwagen aus allen Ländern
eines geeinten Kontinents

quergestellt kleine Schilder
"zu verkaufen"
daneben die Inschrift
aus mutigen Wandertagen
"WIR BLEIBEN ALLE"

„Am Sonntag kommen immer weniger“
klagt der Aushilfspfarrer aus Indien
in makellosem Dorfplatt
während wir seine Bänke
schonen im Stehen
der Geschichte hier lauschen
versuchen zu verstehen

wer hat verraten, war
das Opfer, blieb im Stall
in den Finsternächten, Greueltagen
hat die Wölfe gehört
gewarnt oder geschwiegen
sich ehrlich gefreut
beim Friedensleuten
der Freiheit neuen Klang
am Ende zweier Finstermächte

heute lässt man uns hier fragen
die Fassaden besehen
ohne Aufpasser herumgehen
lässt uns ohne Antworten
an der Fußgängerampel stehen
was hätten wir getan, welches Recht
maßen sich unsere Blicke an

auf den Feldern erblüht
sichtbar neues Gedankengut
in strahlendem Gelb
unter weißgrauem Flügelschlag
darauf verweisen auch die Spiegel
für die Wolken auf den Dächern

Hausanstriche sind die gleichen geblieben
Vorgärten zaghaft noch im Bemühen
dem Nachbar ein Lächeln zu schenken
wachsen die Erinnerungen sich aus

die Jugend weiß nichts davon
„Ziehen alle weg. Keine Arbeit,“
klärt der Pfarrer Roms uns auf
schließt die alte Holztür zu
„hier ist man lutherisch“
wie früher schon mal
da werden die Kirchen abgeschlossen
„Wir sind hier nur Gast,

„sehen Sie da, da oben“,
sehen wir nichts außer den Wolken
„Vögel, sie fehlen immer noch.
Sie finden hier keine Nahrung.“


(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014 

Montag, 3. Februar 2014

Wenn ein Stein zu Dir spricht


wenn ein Stein zu Dir spricht
lasse ihn Dir alles erzählen,
wenn ein Fahnenmast bricht
beachte was zur Axt sie wählen

bisweilen haben wir das Glück zu sehen
woher was treibt, warum es bleibt
warum manche kommen, andere gehen
wer sich was heimlich einverleibt

wenn etwas verschwiegen zu Dir spricht
leise, voller Angst um sich rum
bitte, unterbreche ihn nicht
schaue nach den Verfolgern Dich um

bisweilen haben wir das Glück zu sehen
woher was treibt, warum es bleibt
warum manche kommen, andere gehen
wer sich was heimlich einverleibt

wenn ein Stein zu Dir spricht
ist es uns meistens zu spät
eine böse Erinnerung, mehr nicht
die Dich dann zu sich einlädt

selten haben wir das Glück zu sehen
woher was treibt, was uns nicht bleibt
können anders kommen, anders gehen
herausfinden, wie man das Übel vertreibt

(c) bild + text jörn laue-weltring lingen 2014


Mittwoch, 4. September 2013

Hinterher und "klüger"













Peter Silie
begrüßt
die Weisheit:
*
des Hinterher
„klüger Seins“
nach vollends
gestrauchelten
einst guten Ideen

nicht ohne seine
traurigen Gedanken
das ein bisschen
vielleicht doch

oder immerhin
ein Tropfen
auf heißem Stein

vielleicht, ein paar
Menschen doch
aber was nicht ist
kann ja noch

Donnerstag, 29. August 2013

Veränderung


aus 
Peter Silies 
Grummellade:

wie man 
in den Saal 
hinein schreitet

kommt man 
selten heraus!

Donnerstag, 1. August 2013

Straßenkehraus



durchschreitend
meine alte Straße
frierend ihre Stille
hinter der sich Wände
und Gärten
eingehakt, verhakt
zu gepanzerten
Vorhängen verweben
nichts mehr preisgebend
vom Preis des Bleibens
wie auch immer
vor meinen Füßen
ein Maikäfer
der auch nicht mehr lebt
finde ich einen Ball
auf einer Treppe
ja, erinnere mich:
einst sind wir hier
Astronauten gewesen, der „Kaiser“
und der „Müller“
laut, lebendig, fröhlich
da sind Maikäfer
für uns
in die mächtigen Kronen
der Bäume geflogen

aber den Ball
in den Himmel schießen
das kann ich
immer noch
und: … Schuss!

Mittwoch, 26. Juni 2013

Veränderung



habe ich Dich einst vernommen
im Spiegel arglos mein Gesicht
Straßen und Plätze eingenommen
hinter jedem Fenster ein Licht

gewandert all die Jahre kräftig
gewirkt ausgeteilt einverleibt
wirkt es heute nur noch lästig
ist es Müdigkeit nur die bleibt

sind wir wie die Städte stiller nun
kocht leiser das Gift in den Lenden
wer beschwert sich da schon
ist noch fähig etwas zu beenden

unsichtbares Blut an den Händen
vergreift sich niemand gern im Ton
einsam abgewickelt hinter Wänden
aus Dummheit profitablem Hohn


Freitag, 17. Mai 2013

Veränderung

die Autos
sehen auch nicht mehr
aus wie früher
keine Marke
mehr erkennbar
alle irgendwie gleich
aber fahren noch
Ja, fahren noch

die Gedichte
erkennt man
auch nicht mehr
nix mehr mit
Syntax und Reim
nur noch
untereinander
nebeneinander
Worteskapaden
aber lesen
kann man sie noch
Ja, lesen, ja


Gedicht: Mit dem Begriff „Gedicht“ wurde zunächst alles schriftlich Abgefasste bezeichnet; in dem Wort „Dichtung“ hat sich noch etwas von dieser Bedeutung erhalten. Seit etwa dem 18. Jahrhundert wird der Begriff im heutigen Sinn nur noch für (in welcher Form auch immer) poetische Texte verwendet.

Dienstag, 30. April 2013

Tagesaufgabe


aus seinem
Knurrkasten

was am Morgen 
schlecht beginnt
muss am Abend 
nicht so enden

wir haben einen 
ganzen Tag
es zum Besseren 
zu wenden