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Sonntag, 3. November 2013

Form und spitzer Stein


aus
Peter Silies
Grübellade:

wer sich nur
an Formen aufreibt
spürt oft nur
schmerzhaft
den spitzen Stein
ohne dessen Schönheit

genießen zu können

Dienstag, 8. Oktober 2013

Eines Künstlers Fragen an seine Nutznießer



müssen ein Text, ein Bild, ein Lied
wirklich in bestimmten Formen
gestaltet daher geschwungen kommen
oder wäre es nicht besser vielleicht
sie löten anders rum gegen den Stachel
verwirren uns lassen den Rhythmus
mal aus den Takt geraten oder
mischen neu ganz andere Farben
aus Asphalt Stacheldraht Tablettengrau
brechen den Reim bringen so uns beim Lesen
völlig aus dem Takt uns stottern wie Greise
der Sprache völlig ungeübt auf neue Weise
angestoßen lesend betrachtend lauschend
statt in gewohnten Bahnen altbekanntes
abzufeiern nur zu schwelgen in dem
was jeder von uns schon viel zu lange
zu besitzen glaubt und wohin führe uns das
was davon ließe sich wirklich genießen?

müssen ein Text, ein Bild, ein Lied
wirklich eindeutig daher kommen
oder wäre es nicht besser vielleicht
sie kämen deutlich zu uns rüber
ausdrücklich und wahrhaftig
mit des Herzens
listigem Wimpernschlag
uns lustvoll einschenkend
die Freiheit des Entdeckens
Staunens Fragens Wunderns
auch Entsetzen einfach spüren lassen
uns auf zu schrecken ohne Antwort
uns überlassen den großen Strömen
des Nachdenkens und Nachfassens
statt eindeutig auf die eisglatten
knallharten Pisten verwiesen zu werden
was davon ließe sich wirklich verwenden
und wo würden wir damit enden?

Samstag, 21. September 2013

Verzicht



noch nie schrieb ich etwas
für unserer Zeit ferne Germanisten
denen ihre Schubladen
allemal wichtiger sind
als das Lebendige der Form
mitsamt ihren
wild aufschäumenden Inhalten.

Wie sonst hätte ich
weiter schreiben können und
schreiben was mir wichtig ist
ja, sogar den einen oder
anderen Lesern anficht
berührt, das innerlich
und bei klarem Verstand

Freitag, 17. Mai 2013

Veränderung

die Autos
sehen auch nicht mehr
aus wie früher
keine Marke
mehr erkennbar
alle irgendwie gleich
aber fahren noch
Ja, fahren noch

die Gedichte
erkennt man
auch nicht mehr
nix mehr mit
Syntax und Reim
nur noch
untereinander
nebeneinander
Worteskapaden
aber lesen
kann man sie noch
Ja, lesen, ja


Gedicht: Mit dem Begriff „Gedicht“ wurde zunächst alles schriftlich Abgefasste bezeichnet; in dem Wort „Dichtung“ hat sich noch etwas von dieser Bedeutung erhalten. Seit etwa dem 18. Jahrhundert wird der Begriff im heutigen Sinn nur noch für (in welcher Form auch immer) poetische Texte verwendet.