Posts mit dem Label Gedichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gedichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 17. Mai 2013

Veränderung

die Autos
sehen auch nicht mehr
aus wie früher
keine Marke
mehr erkennbar
alle irgendwie gleich
aber fahren noch
Ja, fahren noch

die Gedichte
erkennt man
auch nicht mehr
nix mehr mit
Syntax und Reim
nur noch
untereinander
nebeneinander
Worteskapaden
aber lesen
kann man sie noch
Ja, lesen, ja


Gedicht: Mit dem Begriff „Gedicht“ wurde zunächst alles schriftlich Abgefasste bezeichnet; in dem Wort „Dichtung“ hat sich noch etwas von dieser Bedeutung erhalten. Seit etwa dem 18. Jahrhundert wird der Begriff im heutigen Sinn nur noch für (in welcher Form auch immer) poetische Texte verwendet.

Mittwoch, 20. März 2013

Mittwoch, 6. März 2013

Die ersten Strahlen












Knirschende Wege

Glitzern vom Metall

Grelle Frühlingssonne

Durchbricht Scheiben



Malt Kringel im Saal

Kitzelt unsere Nasen

Juckt unter‘m Hemd

Weckt den Schalk



Im stählernen Hamsterrad

Stehen alle Viecher still

Ein Knabe sucht Blumen
Ahnt, die Geliebte kommt




Eisiges Grinsen im Sonnenschein

Im Tau

Dein Schatten

Sprießt



Eine Blüte

Zaubert wild

Ihr Bild



Im Tau

Sehe ich ihn

Hinter Dir



Kalter Mond

Hat noch längst

Nicht genug



Vom Winters

Eisigem Grinsen

Im Sonnenschein



Löst sich

Tau zu neuen

Zweigen



Fliehen Eis

Mond Schatten

Im Frühjahrsrausch

Reise mit Karnickel















Und es trug mich ein Karnickel einst
quer über das Feld der Kindheit
in ein Karussell mit Handys Laptops
Skype Facebook und Xing

trug mich in die verlassenen Werkshallen
erkalteter Hochöfen verschlackter
Bergwerke Kokereien Transportbänder
bis in verlassene staubige Bürotrackte



















zeigte mir den Alptraum Zukunft als
Gegenwart des Labyrinths unseres Wahnsinns  
Hühner-KZ’s vermaiste Wiesen Weiden
kein Loch tat sich uns auf als Versteck

über die Ozeane fuhren wir eingepfercht
unter Massen an Fleisch Blumen T-Shirts
quer durch alle Tsunamis hin und her
duckten uns unter radioaktiven Wolken















hindurch bis wir in den Bergen die Flucht
fanden Menschen mit Sicheln Schwielenhänden
Tieren im Stall auf den Weiden an Tränken
aßen ihren Käse tranken ihre Milch mit Kräutern beschenkt

bis ich aufwachte ohne Karnickel allein
den Tag beginnen musste mit meinen Bildern
im Fernseher der gleiche Scheiss Hektik
Stress Existenzkampf als festgezurrte Lebensschiene


















wagte ich den Stopp auch nicht mehr mich
aus zu ruhen schnürte die Stiefel packte die
Wanderstöcke Wegzehrung ein den Rucksack
Irgendwo müssen diese Berge ja sein














irgendwo jene Reste auf uns warten
die Vernunft der Humanisten die uns einst 
Kathedralen bauen die Sixtinische Kapelle Guernica
die Mona Lisa schaffen ließ, irgendwo

nicht aus den Leibern von Schwarzen Asiaten
Latinos KZ-Viechern Menschen leben
irgendwo Menschlichkeit sich bewahrt haben
ohne selbstzerstörerischen Bock auf Hass Terror Waffen 


 












einfach lebend mit der Natur den Speisen
aus dem eigenen Land in guter Nachbarschaft
mit allem und der Freude über jeden
Sonnenaufgang und ich mit dem Kuss von Dir





















(c) Bilder und Text Jörn Laue-Weltring, Lingen 2013 (Schwarzweiß: Manila, Sturz von Marcos, Bunt: Mallorca kurz nach Francos Tod)

Samstag, 2. März 2013

Manila Du Schöne















Manila Du schöne
der Nächte und Tage
Strichätzerin meiner Luftwege
in der immer brandaktuellen
Symphonie Deiner Jeepnys
Zigarettenverkäufer Tricycles













behütet mich das Kläffen Deiner
hungerschlanken Straßenhunde
unter dem Moskitonetz
zwischen Sodom und Gomorra
im auf und abbrausenden
Kampf um die Abfalltonnen
für Deinen Smokey Mountain
Jahrzehnte lang  zum Himmel
gewachsener Müll
auf dessen Spitze Deine Kinder
in ihrer Hütte mir Speisen
Bett und Schlaf kredenzten

 


















An den Morgenden leckten wir
alle unsere Wunden in den
aufgerissenen Fellen
vor dem täglichen Abflug
auf Abgaswolken durch Deine Adern
bis im Kampf Weiß gegen Rot
die Blutkörperchen langstieliger
Nächte den Morgen besiegten













wenn in den Barios Red Horse
Kehlen reinigten vom brennenden Berg
hielten unsere Organizer
in gut bewachten Unterschlüpfen
ihre Meetings mit uns ab
plärrten Snoopys in channel four
und seven mitten im Karneval
der Weihnachtszeit
american „white cristmas“










drehst Du Dich Manila
Du Schöne karger Hütten
notdürftiger Nachtlager
ohne  Lohn Brot Wasser
heilst perforierte Herzen
kühlst verätzte Hälse
die länger und länger
werden bei der Suche
nach einem anderen Morgen














Manila Du Schöne
ich habe Dich satt
gesehen in weißverkalkten
Palästen himmelstrebenden Glastürmen
voll mit tödlicher Gier die Freundlichkeit
ihrer Gäste ausgewiesen mit Smoking
Uniformen Bischofsroben Kreditkarten
die ungeheure Zahl Deiner verlumpten
Architekten deren Bauten Tag für Tag
Dich in ein riesiges Squatterareameer
verwandeln



















Manila Du Schöne
Deine alten Augen Wände Türme
sie schrumpfen in der Mitte
zu Fossilien der Macht
Manila, meine Stadt der Geister
die mir fröhlich zu winken aus
Karton- und Einkaufstütenfachwerk
mit einer besseren Zukunft
in ihren fleißigen Händen
gib besser auf sie acht