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Freitag, 13. Dezember 2013

Könnten wir


hier der Zweig
da die Kugel
im Kerzenwachs
alles funkelt

sobald nur eine
Kerze scheint
im Dunkel
deutscher Gemütlichkeit

was würde alles
leuchten, strahlen
glitzern im Scheine
unseres eigenen Lichts

könnten wir uns
selber so entflammen
für mehr Gerechtigkeit
auf Erden

Frieden und Toleranz
könnten wir

Freitag, 13. September 2013

Schwimmen im Wüstensand

aus
Peter Silies
Grummellade:

*
Respekt, Toleranz
und Rücksicht
erscheinen
immer mehr Beteiligten
so absurd zu sein,

wie das Schwimmen
im klebrigfeuchten
Wüstensand.

Freitag, 17. Mai 2013

Toleranz mit Sechzig



findet:

es ist leicht
alle Fünfe gerade
sein zu lassen

wenn man die
Zehn bereits
erreicht hat

mit Sechzig
für mich ein
Kinderspiel

Freitag, 22. Februar 2013

Mittwoch, 20. Februar 2013

Herkunft

Da wo ich herkomme, gab es viel Suff, Prügel, Getratsche, Schulterzucken und trotzdem wurde nett gegrüßt und ordentlich getrauert, nur am Ende der Feiern ging meistens etwas schief.
"Pack schlägt sich, Pack verträgt sich" hieß es dann und "geh bloß nicht dazwischen, die schlagen sofort beide auf Dich ein". Die Frauen sahen danach aus, die Männer sahen danach aus.
Manchmal torkelten Männer betrunken in schweren Jacken und Mänteln zornig an unseren Zäunen entlang oder Frauen liefen bunt daher, grell geschminkt und hoch toupiert das Haar. „Die haan zu viel smekt“, sagten die Alten in den Fenstern dann und glotzten den Frauen scharf auf die Beine.
In manchen Häusern mussten wir auch die Spucknäpfe der Alten von den Priems in der Küche entsorgen. 
Alle hassten wir das Hochbringen aus den dunklen Kellern, seien es die Kohlen oder die Einmachgläser. Ab und zu wurden wir dort unten eingesperrt, zwecks Besserung in unserem Betragen. 
In der Schule gab es Fingernägelkontrolle und bei schmutzigen Rändern kleine pfeifende Hiebe auf die Finger. Wussten wir etwas wieder nicht, klopfte eine Fingerkuppe hart auf unsere Hinterköpfe.
"Leben ist halt immer hart an Backbord, mien Dschung! Drum halt Di stief!" sagten sie zu Hause.
Jeden Morgen trieben uns die Werkssirenen los und am Samstag wurde von den ersten stolzen Autobesitzern der Lack geputzt und gewienert, während die Frauen Besen und Scheuerlappen kreisen ließen. 
Wir Kinder mussten zu sehen, davor weg zu kommen.
Wir prügelten uns ums Eck, fern ihren Blicken. schlugen mit kantigen Stangen vom Schrottplatz wie Ritter auf uns ein, klauten Topfdeckel für unsere Abwehr.
Nach der Schulzeit entließen sie mich aus ihrer Welt ständiger Erniedrigungen und körperlicher "Züchtigungen", ließen mich hinaus aus den netten kleinen schmalen Arbeiterhäusern mit den schmalen Gemüsegärten vor den Teppichstangen.
Ach ja: und "drei Schläge auf den Hinterkopf erhöhen die Intelligenz" und "nen kleenen Klaps hat noch keen geschadet!" gaben sie mir mit auf den Weg.

Da kam ich her, in so was wollte ich nicht wieder hin. Rottete mich mit anderen zusammen, ein besseres Leben zu finden, drehten auch kräftig daran, auf keinen Fall so wie die Alten zu werden. Heute kennen wir andere Scherben, das Glück zog sich überaschende Mäntel an und war meist nicht leicht zu erkennen. Mehr und mehr geht ein freundlicherer Blick zurück, ohne Zorn.

Denn, es schien uns längst nicht mehr alles schlecht in den kleinen Häusern damals.
Man hatte uns dort lieb, klopfte oft bei uns an, gab uns nur frisch zubereitete Mahlzeiten und vieles davon kam aus den Gärten hinter den Häusern. 
Wir lernten Radfahren und Rollschuhlaufen, bastelten zu den Feiertagen mit den Großen manches Geschenk. 
Bei den Schularbeiten waren wir nie allein, ab und zu gab es auch Nachtisch oder es wurde Kuchen gebacken. 
Abends gab es „Mensch ärgere Dich nicht“ und wenn wir im Bett waren spielten sie weiter „66“ um Groschen. 
Wir Kinder liefen sofort zusammen, wenn ein Ball sich fand in unserer Straße, dann kamen die Väter dazu und feuerten uns an.
Wir fuhren auch zu den Verwandten, immer im Sonntagsstaat, und genossen deren Gärten und Torten. 
Meistens waren wir an der frischen Luft, denn sie wollten noch keine Stubenhocker dulden. 
Und beim Elternabend war aus jeder Familie einer da.

Nur die Hühner hinter dem Haus schafften sie bereits vor unserer Geburt ab: wegen der Ratten.

Montag, 18. Februar 2013

Zu unserer Zeit



Es geschieht aber zur unserer Zeit, dass ein Mann früh am Morgen seine Wohnung verlässt, auf die Straße tritt und dabei einen anderen Mann anrempelt, der unschlüssig vor dem Mehrfamilienhaus steht.  Beide entschuldigen sich und der Hausbewohner strebt zu seinem Fahrzeug.

Alles funktioniert wie immer und schnell erreicht er die Stadtautobahn. Da fällt ihm etwas ein. Er hat Papiere vergessen, die er auf der Arbeit braucht.  Nun doch etwas schlechter gelaunt nutzt er die nächste Abfahrt und kehrt zu seinem Wohnhaus zurück.

Bei der Wohnung angekommen hört er bereits durch die Tür zwei Stimmen sich heftig unterhalten. Er schließt verwirrt auf, betritt das Wohnzimmer und sieht seine Frau mit dem Mann von vorhin am Couchtisch sitzen.  Sie ist immer noch im Bademantel, so wie er sie verlassen hat. Der Mann hat seine Jacke abgelegt und weint.

„Gut, dass Du kommst, “ sagt die Frau zur Begrüßung ohne jede Verlegenheit.“Das ist Herr Krüger und er braucht Hilfe.“

Der Hausherr stellt sich mit „Herr Brüning“ vor und setzt sich zu den beiden.

Nach dem der  Herr Krüger seine Geschichte auch ihm erzählt hat, steht der Herr Brüning auf, holt sich das Telefon und informiert seine Firma, dass er heute eventuell nicht kommen könne. Dann setzt er sich wieder und zusammen überlegen sie, wie Herrn Krüger geholfen werden kann.

Ein Märchen? Fürwahr, was sonst.

Wer lässt schon einen wildfremden Mann morgens in seine Wohnung und wer kann so einfach von der Arbeit fern bleiben um einem wildfremden Menschen zu helfen.
Nur ein Märchen, fürwahr, wie aus uralten Zeiten als der Wind noch durch die Ritzen strich und der Ofen Wärme gab den Menschen in der Küche.

Sonntag, 17. Februar 2013

Der Restaurator



Bild: TAZ 11.02.2013



Der da geht soll
nie angekommen
sein im aktuellen
Jahrhundert

manche sagen Jahr
-tausend schütteln
den Kopf über seine
Hinwendung

zu sich selbst seinen
Glauben bestaunen
müde seine Schnitzkunst
an dem was er

das Wesentliche
nennt zu unser
aller frommen Nutzen
gibt uns nun frei der

„Diener im Weinberg
seines Herrn“  die Zukunft
auf frisch restauriertem
wieder sichtbarem Fundament

die Angebote zu
verfeinern  die Türen
auf zu stoßen für
die die so lange

warten mussten
auf die Teilhabe
an der Dank ihm frisch
polierten Herrlichkeit

still und leise
gibt er uns nun Gelegenheit
zu beweisen dass wir
besser angekommen sind

in unserer gemeinsamen
angeblich so neuen Zeit

Sprachverlust

verlieren wir im Leben
nicht mit jedem Tag
ein paar Wörter mehr
die uns nichts mehr sagen

bis wir verloren und gefasst
nur noch die einfachen
Worte zur Verfügung haben
allesamt satzuntauglich

wie Glaube, Liebe, Hass
Schmerz, Trauer, Leidenschaft
sind wir was wir sind
gestrandete Sprachpiraten

ohne große Vorwürfe
an das Leben das uns
die Sprache nahm
mit dem Erkennen

auf dem Weg in das
große letzte Schweigen